https://www.faz.net/-gqz-s1ah

Berlinale 2006 : Reisen durch ein unbekanntes Land

Die Berlinale in Berlin Bild: REUTERS

Migrantenfilme, Islamismus und die deutsche Provinz: An diesem Donnerstag beginnen die Filmfestspiele von Berlin. Dem deutschen Kino beschert die Berlinale einen starken Auftritt.

          In seiner langen Krisengeschichte erlebte der deutsche Film immer wieder Blütezeiten, die selten länger dauerten als ein Jahrzehnt. Die fünfziger Jahre, so lehrt die Berlinale-Retrospektive über Traumfrauen jener Zeit, gehörten nicht dazu. Die nuller Jahre des dritten Jahrtausends hingegen voraussichtlich schon.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mit vier Wettbewerbsbeiträgen, weiteren drei oder vier, die ebenfalls wettbewerbsfähig gewesen wären, wie Festivaldirektor Dieter Kosslick nicht müde wird zu betonen, und noch einmal drei Dutzend im restlichen offiziellen Programm ist der deutsche Film bei den Berliner Filmfestspielen, die an diesem Donnerstag abend eröffnet werden, stark vertreten. Woran auch immer das liegen mag, eines ist es nicht, nicht nur: Protektion (die im übrigen auch nicht übermäßig beschämend wäre, laufen doch in Cannes selbstverständlich mehrere französische Wettbewerbsbeiträge und in Venedig möglichst viele italienische).

          Ein Schaufenster fürs Kino

          Der Zufall spielt sicher eine Rolle, aber auch bewußtes Timing der Produzenten auf das Festival hin, seit die Berlinale wieder ein Schaufenster fürs deutsche Kino geworden ist, beharrliche Förderung, bessere Ausbildung. Der wichtigste Grund aber ist ebenso überraschend wie naheliegend. Überraschend, denn im deutschen Kino hatte kaum noch jemand damit gerechnet, obwohl die Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich in diese Richtung ging, naheliegend, denn jenseits des Kinos scheint es uns selbstverständlich: Es gibt in Deutschland eine Vielfalt an Stoffen, die endlich ins Gesichtsfeld der Filmemacher geraten ist, und sie gehen damit um, wie Künstler es tun - völlig unterschiedlich.

          Kinowetter in Berlin

          Mit Oskar Roehlers Houellebecq-Verfilmung „Elementarteilchen“ werden wir eine möglicherweise skandalöse Literaturverfilmung, mit Jan Stahlbergs „Bye, bye, Berlusconi“ eine wilde politische Klamotte, mit Dominik Grafs „Rotem Kakadu“ eine Geschichte von erster Liebe, Rock'n'Roll und Mauerbau, mit Matthias Glasners „Der freie Wille“ die Geschichte eines Triebtäters sehen. Zum Beispiel.

          Hölle unter flachgrauem Himmel

          Anderes läßt sich locker bündeln. Die deutsche Provinz etwa ist keine „Heimat“ mehr wie einst bei Edgar Reitz, sondern offenbart sich jenseits der Metapher als Hölle unter flachgrauem Himmel, unabhängig davon, ob sie im Osten liegt wie Potzlow in der Uckermark, wo im Sommer 2002 ein grauenvoller Mord geschah, den Andres Veiel als filmisches Protokoll für zwei Schauspieler rekonstruiert („Der Kick“ im Panorama), oder im Süden. Ebenfalls von tatsächlichen Ereignissen inspiriert, allerdings als Spielfilm inszeniert, geht Hans-Christian Schmid in seinem Wettbewerbsfilm „Requiem“ dem Fall einer Teufelsaustreibung in der Gegend von Tübingen nach, die in den siebziger Jahren ein junges Mädchen zu Tode brachte.

          Weitere Themen

          Ba-ba-ba-ba-Batman! Video-Seite öffnen

          Comic-Reihe wird 80 : Ba-ba-ba-ba-Batman!

          Wie in Gotham City wurde in Mexiko Stadt pünktlich um 8 Uhr abends das Batman-Symbol an ein Hochhaus geworfen. Viele Fans ließen sich das Spektakel zum 80. Geburtstag der Comic-Reihe nicht entgehen.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.