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Berlinale : Drei Bären für Deutsche - bosnischer Film gewinnt

  • Aktualisiert am

Silber für Deutschland: Sandra Hüller, Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu (v.l.) Bild: dpa/dpaweb

Bei der Berlinale gewannen Sandra Hüller und Moritz Bleibtreu Silberne Bären für ihre Schauspielkunst; Jürgen Vogel erhielt einen für die künstlerische Gesamtleistung. Der Goldene Bär ging an die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic und ihren Film „Grbavica“. FAZ.NET-Spezial mit Bildergalerie.

          Der Goldene Bär der Internationalen Filmfestspiele von Berlin geht in diesem Jahr an den Film „Grbavica“ von Jasmila Zbanic aus Bosnien-Herzegovina. Der Preis wurde am Samstag abend bei einer Gala im Berlinale-Palast vergeben.

          Der vom ZDF koproduzierte Film (siehe auch: Im Berlinale-Wettbewerb: „Grbavica“ von Jasmila Zbanic) erzählt vom Leid der im Balkankrieg vergewaltigten Frauen. Gleich drei Silberne Bären gingen nach Deutschland. Als bester Darsteller wurde Moritz Bleibtreu für seine Rolle eines sexbesessenen Lehrers in Oskar Roehlers Romanverfilmung „Elementarteilchen“ geehrt (siehe auch: Oskar Roehlers „Elementarteilchen“ im Berlinale-Wettbewerb).

          Beste Schauspielerin wurde die Kino-Debütantin Sandra Hüller. Sie spielt die Hauptrolle in Hans-Christian Schmids „Requiem“, einem einfühlsamen Film über eine Teufelsaustreibung im Süddeutschland der siebziger Jahre (siehe auch: Der beste deutsche Film im Wettbewerb: „Requiem“). Ein Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Gesamtleistung ging an den Schauspieler Jürgen Vogel. Er wurde als Hauptdarsteller, Produzent und Co-Autor des Films „Der freie Wille“ von Matthias Glasner ausgezeichnet. Vogel spielt in dem umstrittenen Film (siehe auch: Im Berlinale-Wettbewerb: „Der freie Wille“ von Matthias Glasner) einen Triebtäter.

          Silber für Deutschland: Sandra Hüller, Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu (v.l.) Bilderstrecke

          Geteilter Bär

          Der große Preis der Jury, ein Silberner Bär, wurde zu gleichen Teilen an die iranische Fußballsatire „Offside“ (Abseits) von Jafar Panahi (siehe auch: Filme von Sidney Lumet und Jafar Panahi im Wettbewerb) und die Komödie „Eine Soap“ von Pernille Fischer Christensen aus Dänemark verliehen. „En Soap“ (siehe auch: Berlinale: „Syriana“ und „En Soap“) wurde auch zum besten Erstlingsfilm gekürt. Den Silbernen Bären für die beste Regie erhielten die britischen Regisseure Michael Winterbottom und Mat Whitecross für ihren vielbeachteten Film „The Road to Guantánamo“ (siehe auch: Michael Winterbottoms „The Road to Guantánamo“ im Wettbewerb).

          Der Bären-Gewinner „Grbavica“, benannt nach einem Ortsteil von Sarajevo, erzählt die bewegende Geschichte einer Bosnierin, die große Probleme mit ihrer pubertierenden Tochter hat. Die Halbwüchsige fragt unentwegt nach dem abwesenden Vater. Die Mutter aber traut sich nicht, der Tochter zu sagen, daß sie Kind einer Vergewaltigung ist. Regisseurin Zbanic sagte: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, uns alle daran zu erinnern, daß die Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic nach wie vor unbehelligt in Europa leben.“ Diese Menschen, die für die Organisation von Mord, Totschlag und Vergewaltigung verantwortlich seien, seien immer noch nicht gefaßt. „Ich hoffe, daß dieser Film die Situation der vergewaltigten Frauen verändert. Sie sind von der Gesellschaft vergessen worden und leben am Rand der Gesellschaft.“

          Alles Wissenswerte rund um die Berlinale 2006 finden Sie hier: FAZ.NET-Spezial: Berlinale 2006.

          Im vergangenen Jahr war der südafrikanischen Wettbewerbsbeitrag „U-Carmen eKhayelitsha“ erfolgreich gewesen, in dem Regisseur Mark Dornford-May die Oper „Carmen“ von George Bizet in ein südafrikanisches Township verlegte. 2004 hatte das deutsche Liebesdrama „Gegen die Wand“ von Fatih Akin den Goldenen Bären gewonnen.

          Die Preisträger

          Goldener Bär: „Grbavica“ von Jasmila Zbanic (Bosnien-Hercegovina)

          Silberner Bär (Großer Preis der Jury): Ex aequo an „Offside“ von Jafar Panahi (Iran) und „En Soap“ von Pernille Fischer Christensen (Dänemark)

          Silberner Bär für die beste Regie: Michael Winterbottom für „The Road to Guantanamo“ (England)

          Silberner Bär für die beste Darstellerin: Sandra Hüller in „Requiem“

          Silberner Bär für den besten Darsteller: Moritz Bleibtreu in „Elementarteilchen“

          Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: Jürgen Vogel für die Hauptrolle in „Der freie Wille“

          Silberner Bär für die beste Filmmusik: Peter Kam für „Isabella“ (China)

          „Alfred-Bauer-Preis“ für einen Spielfilm, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet: „El Custodio“ von Rodrigo Moreno (Argentinien)

          Preis für den besten Erstlingsfilm: „En Soap“

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