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Begegnung mit Werner Herzog : Der Kinosoldat im heiligen Land

Manche Ideen fallen hinterrücks über ihn her: Werner Herzog kurz vor einem Überfall Bild: Lena Herzog

Werner Herzog lebt und arbeitet für das Kino, ob man ihn beachtet oder nicht. In Deutschland beachtet man ihn nicht so sehr. Jetzt wird er mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet - ein Porträt.

          Er hatte sieben Wörter, um zu beschreiben, wer er sei. „Werner Herzog, Filmemacher aus Sachrang in Bayern“, sagte er. Das ist das Wesentliche, was man von ihm wissen muss. Nicht, dass er zwischen 1972 und 1987 fünf große Filme mit Klaus Kinski gedreht hat, die wie Monolithen in der deutschen Filmgeschichte stehen - das sind „Aguirre oder der Zorn Gottes“, „Woyzeck“, „Nosferatu“, „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“. Nicht, dass er seit langem in Los Angeles lebt und arbeitet und dort ein berühmter Mann geworden ist. Nicht, dass in den letzten fünfundzwanzig Jahren nur drei seiner Filme in Deutschland in die Kinos kamen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nicht, dass außer einer Forschergruppe allein er mit einer Kamera (und zwei Mitarbeitern) Zugang zur prähistorischen Höhle in Chauvet hatte und von dort die einzigen Bilder ihrer unfasslich bewegt wirkenden Wandmalereien mitbrachte, die wir zu unseren Lebzeiten wohl sehen werden. Was sein Satz in sieben Wörtern bedeutet, ist: Filmemachen ist die Existenz, Sachrang ist die Herkunft, Bayern bleibt sein Kulturempfinden. „Nicht preußisch halt“, sagt er zur Erklärung.

          Nach seiner Biographie in sieben Wörtern hatte ihn Ende Februar Paul Holdengräber gefragt, der Mann hinter der Reihe „Live from the New York Public Library“, einer Live-Talkshow, zu der die New Yorker strömen, weil sie nichts so sehr interessiert, wie zwei lebendige Menschen auf einer Bühne bizarre, kluge, unterhaltsame oder verrückte Gespräche miteinander führen zu sehen. Herzogs Veranstaltung war derartig überfüllt, dass ein zweiter Saal für die Fernsehübertragung geöffnet werden musste. Also machte er sich an jenem Abend, es war der 29. Februar, durch die Kellerräume des weitläufigen Bibliotheksgebäudes in der Mitte Manhattans auf den Weg, um sich auch diesen Zuschauern zu zeigen.

          Er folgte Holdengräber, der seinerseits den Kabeln der Übertragungskameras nachlief, vorbei an Kisten und Besenkammern, durch Unordnung und um ungeputzte Ecken. Holdengräber entschuldigte sich, aber Herzog meinte, „nein, nein, das ist doch wunderbar, die Kabel weisen uns den Weg zurück an die frische Luft. Wir gehen hier durch heiliges Land“ - das heilige Land unter dem Bryant Park, in dessen Untergrund das Wissen der Menschheit, soweit es zwischen Buchdeckel passt, verstaut ist. So erzählte er es mir einige Wochen später in seinem Haus in Los Angeles.

          Beiläufige Grausamkeit

          Das heilige Land ist ein Gerümpelkeller. Oder ein Berggipfel im Nebel wie in seinem Kaspar-Hauser-Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“. Oder auch eine fünfzig Kilometer lange Straße durch eine gottverlassene Gegend in Texas. Heiliges Land kann überall sein. Herzog mit seinem bayerischen Kulturempfinden hat seine letzten Filme in den Todestrakten amerikanischer Gefängnisse gedreht. Der erste war „Into the Abyss“, ein Kinofilm von 2011, der im vergangenen Jahr beim Filmfestival in Toronto Premiere hatte (und den das ZDF gerade für seine Reihe Das kleine Fernsehspiel gekauft hat).

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