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„Pets 2“ im Kino : Heul doch!

Befreit! Und jetzt? Drei heldenhafte Haustiere und ein Zirkustiger in „Pets 2“ Bild: Illumination Entertainment/Universal Pictures

Jetzt auch mit Botschaft: In der Fortsetzung des Animationsfilms „Pets“ um eine Haustier-Clique in New York verschlägt es Max aufs Land, und die Helden erhalten Verhaltenstraining.

          Im Ernstfall hilft nur Verhaltenstraining: War die putzige Haustier-Truppe aus „Pets“ im Sommer 2016 noch aus eigener Kraft über sich hinausgewachsen, warten drei Jahre später in der Fortsetzung des Animationsfilms von Chris Renaud Herausforderungen auf die New Yorker Hunde Max und Gidget, die ohne gründliche Vorbereitung schlicht nicht zu meistern sind. Hatte der Terrier-Mischling in seinem ersten Abenteuer das vormals beschauliche Leben mit seiner Besitzerin Katie überraschend auch noch mit dem Neufundländer Duke teilen müssen, ist inzwischen Katies Freund mit ins Appartement gezogen und ein gemeinsamer Sohn auf die Welt gekommen, der die beiden Hunde so tief ins Herz geschlossen hat, dass sie ihn einfach zurücklieben müssen.

          Aus Fürsorge wird Sorge, und kurz bevor der kleine Liam in den Kindergarten kommt, ist Max von allen möglicherweise drohenden Gefahren derart gestresst, dass kein Weg am auf Verhaltensstörungen spezialisierten Tierarzt vorbeiführt. Und keiner an der Höchststrafe für Hunde, einer Halskrause. Kein Wunder, dass Max, als die ganze Familie auch noch für ein paar Tage auf den Bauernhof fährt, zu wilden Tieren wie Kühen, Schafen und Puten, mit den Nerven völlig am Ende ist. Dabei ahnt er noch nicht einmal, welch grausiges Schicksal sein Lieblingsspielzeug ereilt, das er zu Hause der Obhut seiner Zwergspitz-Freundin Gidget überlassen hat.

          Sosehr sie das Ding in bonbonsüßen Vater-Mutter-Kind-Phantasien auch an sich drückt, Gidget kann nicht verhindern, dass ihr Quietschebienchen abhandenkommt und die Feuertreppe hinunterhüpft, geradewegs in eine Wohnung, die eine alte Frau mit einer Unzahl Katzen teilt. Wer es da wieder herausretten muss, ist der flauschigen Kleinen mit dem großen Herzen klar. Natürlich under cover. Und wer sie für diesen Einsatz trainieren muss, dämmert jedem, der den ersten „Pets“-Film in Erinnerung hat: Chloe, die Diva in Katzengestalt.

          Eine überraschende Plumpheit im Plot

          Auf Snowball, den flauschigen Kleinen mit der großen Klappe, kommt unterdessen eine Aufgabe zu, die zu seinen Superheldenambitionen besser passt als zu seinen tatsächlichen Fähigkeiten: Die Shi-Tzu-Hündin Daisy sucht nach seinem Alter Ego, Captain Snowball, um mit dessen Hilfe einen weißen Jungtiger aus dem Käfig eines gnadenlosen Raubtierdompteurs zu befreien. Während das Kaninchen erst große Töne spuckt und dann Reißaus nimmt, macht die Hundedame mit der Schleife die Arbeit selbst – und stellt die Haustierclique in Brooklyn schließlich vor ein neues Problem: Wie versteckt man einen weißen Tiger in New York? Noch dazu einen, zu dessen Vorzügen Unauffälligkeit nicht unbedingt gehört?

          Doch bevor Spitz und Terrier das Ihre zum Showdown beitragen können, müssen sie sich erst einmal bewähren. Wie Gidget in Chloes harter Schule alles Nötige an katzenhafter Eleganz, Ignoranz und Kaltblütigkeit lernt, um als Katze verkleidet das Spielzeug ihres Freundes zurückzuerobern, gehört zu den Höhepunkten des Films. Mit welchem Plan B sie sich in höchster Not die Kooperativität der Katzen sichert, ist hinreißend. Wie die Allianz aus Hund, Katzen und alter Katzendame schließlich in den Showdown eingreift, bleibt indes hinter den inzwischen geschürten Erwartungen zurück: Plumpheit im Plot, gepaart mit einer lustvollen Brutalität, die jede angelegte Komik verblassen lässt.

          Und die Familiengeschichte?

          Auf dem Bauernhof stolpert Max, der eigentliche Held des Films, unterdessen von einem Missgeschick ins nächste. Gerettet und dabei zunächst kaum beachtet wird er jeweils vom Hofhund Rooster, was dem die Bewunderung, Ergebenheit und Lernbereitschaft des kleinen Großstadtterriers einbringt. Der Halskrause ist er im Nu entledigt, und als ein kleines Schaf gerettet werden muss, hat Max die Gelegenheit, sich nach allen Regeln amerikanischer Kinoklischees Helden-Skills anzueignen, die er im Folgenden noch brauchen wird.

          Und die Familiengeschichte? Bleibt wenig mehr als rührseliger Rahmen. Max braucht einen Grund, sich Sorgen zu machen, und einen Anlass zum Urlaub auf dem Bauernhof. Dass der vormalige Helikopterhund nach allen Abenteuern den kleinen Liam einigermaßen gelassen in dessen eigenes Abenteuer aufbrechen lassen kann: geschenkt.

          Der Vorläuferfilm hatte es vor drei Jahren nicht recht aus dem Schatten der ungleich stärkeren Disney-Produktion „Zoomania“ geschafft, in der unter viel Komik eine differenzierte Geschichte um Diskriminierung und Gleichberechtigung steckte. Jetzt unterfüttert auch Illumination, das mit den Minions groß gewordene Animationsstudio, den zweiten Teil von „Pets“ mit ordentlich Botschaft. Du musst für deine Ziele arbeiten, könnte sie heißen, und wenn du das tust, wirst du in der Lage sein, noch mehr zu erreichen. Viel ist das nicht.

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