https://www.faz.net/-gqz-a0ohp

Im Alter von achtzig Jahren : „Batman“-Regisseur Joel Schumacher ist tot

  • Aktualisiert am

Joel Schumacher im Jahr 2010 Bild: AP

„Flatliners“, „Falling Down“ oder „Batman forever“: Der Regisseur Joel Schumacher hat Hollywood einige der größten Erfolgsfilme der achtziger und neunziger Jahre beschert. Nun ist er gestorben.

          2 Min.

          Seinen Höhenflug in Hollywood erlebte Joel Schumacher in den neunziger Jahren. Michael Douglas spielte bei ihm die Rolle eines Normalbürgers, der zum Amokläufer wird in „Falling Down“ (1993). Schumacher brachte die John-Grisham-Bestseller „Die Jury“ und „Der Klient“ auf die Leinwand – mit Susan Sarandon, Sandra Bullock, Tommy Lee Jones und Matthew McConaughey. „Batman Forever“ war ein großer Kassenerfolg.

          Jetzt müssen Kollegen und Fans von Schumacher Abschied nehmen. Der Regisseur ist am Montag im Alter von achtzig Jahren gestorben. Der gebürtige New Yorker führte Regie bei gut zwei Dutzend Filmen.

          Schumachers „Batman Forever“ (1995) mit Val Kilmer als Batman und Jim Carrey als überdrehtem Riddler war bunter und schriller als vorherige „Batman“-Verfilmungen. Mit „Batman & Robin“ folgte 1997 allerdings ein Flop. Über Niederlagen spricht man in Hollywood ungern, doch Schumacher gab es 2017 zum zwanzigsten Jahrestag der Comicverfilmung im Interview mit „Vice“ unumwunden zu. „Ich möchte mich bei jedem Fan entschuldigen, der enttäuscht wurde, denn ich denke, das bin ich ihnen schuldig“, sagte der Regisseur. „Es wird auf meinem Grabstein stehen, das weiß ich“, flachste er.

          Kiefer Sutherland in „Flatliners“.

          Seinen ersten Film als Regisseur drehte Schumacher 1981 - „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ mit Lily Tomlin in der Hauptrolle. Schon mit seinem dritten Regieprojekt „St. Elmo’s Fire - Die Leidenschaft brennt tief“ war Schumacher 1985 in Hollywood aufgefallen. Der Film mit den sogenannten Brat-Pack-Stars (Schauspieler, die häufig zusammen auftraten und auch feierten) Emilio Estevez, Ally Sheedy, Rob Lowe und Demi Moore drehte sich um Drogen- und Liebesprobleme rebellischer Teenager. Schumacher bekannte sich damals offen zu seiner früheren Drogen- und Alkoholsucht, die ihm jahrelang zu schaffen machte. Für den Thriller „Flatliners“ konnte er 1989 Julia Roberts und Kiefer Sutherland:  Fünf junge, ehrgeizige Medizinstudenten loten die Grenze zwischen Leben und Tod aus. In einem Experiment wird einer nach dem anderen ins Koma versetzt, bis sich für kurze Zeit der klinische Tod einstellt, und danach wieder ins Leben reaktiviert. In ihren kurzen Ausflügen ins Jenseits werden die jungen Forscher alptraumartig mit verdrängter Vergangenheit konfrontiert. Mit „Dying Young“ (1991), in dem Julia Roberts die Pflegerin und Geliebte eines unheilbar kranken Leukämie-Patienten spielte, versuchte sich Schumacher danach erstmals an einem Melodram.

          Nach dem „Batman“-Fiasko an den Kinokassen kehrte Schumacher zu Independent-Produktionen zurück. In „8MM“ (1999) versetzte er Nicolas Cage als Privatdetektiv in die Unterwelt des Hardcore-Pornogeschäfts. Mit Colin Farrell drehte er 2003 „Nicht auflegen“. Der Thriller, der hauptsächlich in einer Telefonzelle spielt, war schon nach wenigen Drehtagen im Kasten.

          Cate Blanchett spielte in dem auf wahren Tatsachen beruhenden Polit-Drama „Die Journalistin“ (2003). Im Jahr darauf kam die von Schumacher realisierte Musical-Adaption „Das Phantom der Oper" in die Kinos; es wurde vor allem für die bombastischen Effekte und die Kostüme gelobt. Seinen letzten Spielfilm drehte Schumacher im Jahr 2011. In dem Verbrecherdrama „Trespass – Auf Leben und Tod“ übernahmen Nicolas Cage und Nicole Kidman die Hauptrollen.

          Seine Filmkarriere hatte Schumacher als Kostümbildner begonnen. Unter anderem stattete er Woody Allens Filme „Sleeper“ und „Innenleben“ aus. Schon als Kind habe er den
          Wunsch gehabt, Regie zu führen, erzählte Schumacher in einem Interview mit dem Magazin „Vice“. Er sei neben einem Kino aufgewachsen und habe Filme gesehen, bevor das Fernsehen populär wurde.„Ich liebte Filme und wollte selber Geschichten erzählen“, sagte er.

          Auch im hohen Alter arbeitete Schumacher noch. Beim Cinepocalypse-Filmfestival 2019 in Chicago war der Regisseur Vorsitzender der Jury. Eine Woche lang drehte sich alles um Horror, Action und Sci-Fi. Mit der Vorführung von „Falling Down“ und „Flatliners“ zollte das Festival dem Filmemacher Tribut.

          Weitere Themen

          Die Frau vom anderen Stern

          Iris Berben wird Siebzig : Die Frau vom anderen Stern

          Facettenreiche Femme fatale: Auf der Leinwand verleiht Iris Berben vielen Frauentypen ein Gesicht. Die Schauspielerin und Königin des Deutschen Fernsehens feiert heute ihren siebzigsten Geburtstag.

          Plagiate im Dutzend

          FAZ Plus Artikel: Verfahren gegen Koppetsch : Plagiate im Dutzend

          Das Disziplinarverfahren der TU Darmstadt gegen Cornelia Koppetsch setzt neue Maßstäbe der Wissenschaftshygiene. Mit genau der gleichen Strenge und Transparenz sollten auch die Plagiate in der Doktorarbeit der Ministerin Franziska Giffey untersucht werden.

          Topmeldungen

          Kamala Harris : So flexibel wie sie war Biden nie

          Kamala Harris ist politisch erfahren, aber noch nicht zu alt. Und sie steht, anders als Trump es suggeriert, gar nicht sehr weit links. Alles gut also mit Bidens Vize? Abwarten. Denn sie ist eine sehr wendige Politikerin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.