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Bastian Pastewka : Die Kunst des freien Schweigens

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Ohne Worte Bild: obs

Der Komiker Bastian Pastewka hat entdeckt, daß weniger mehr ist - nicht nur in seiner Sketchreihe „Ohne Worte“, die an diesem Freitag wieder bei RTL startet. Und der Sender hat noch andere Pläne mit ihm.

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          Da steht also dieser herrenlose Rüttler. Irgendein Bauarbeiter hat beim Verdichten des Bodens Pause gemacht und die Höllenmaschine einfach unbeaufsichtigt zurückgelassen. Ein Rüttler! Der Geschäftsmann, der vorbeikommt, kann sein Glück kaum fassen: Einmal mit so einem Gerät herumspielen, seine Kraft spüren, die brutale Macht über den Sandboden ausleben. Das ist bestimmt verboten, aber wer soll ihn hier . . .? Der Geschäftsmann greift die Maschine und startet.

          Sagen wir so: Es war keine gute Idee, vorher den Kaffeebecher darauf abzustellen, aber das ist noch nicht die ganze Geschichte. Die ganze Geschichte zu erzählen, würde die Pointe zerstören, vor allem aber ist es nicht so leicht, sie überhaupt zu erzählen. Denn an keiner Stelle kommt jemand vorbei und sagt etwas Lustiges, nie guckt einer in die Kamera und spricht den Brüllersatz, den man am nächsten Tag seinen Kollegen im Büro erzählt. In Bastian Pastewkas Comedyserie "Ohne Worte" spielt der Hauptdarsteller viele Rollen, die alle keinen Text haben, und statt aus dem Wortwitz kann die Pointe nur aus der überraschenden Situation selbst, der Inszenierung und dem Schauspiel kommen. Mit anderen Worten: Man muß es gesehen haben. Nacherzählen hilft nicht.

          Selten schenkelklopfend

          Natürlich ist das Konzept zuallererst ein Marketinggag: So ist Pastewkas Show nicht eine von 271 Sketchcomedys, sondern die eine, in der der Hauptdarsteller nicht spricht. Tatsächlich verändert die Prämisse aber auch die Sketche und die Art, wie sie inszeniert werden. "Ohne Worte" beruht auf alltäglichen Situationen, die plötzlich einen Dreh ins Skurrile bekommen. Und weil der Witz nicht im Text liegt, bekommen plötzlich Details eine größere Bedeutung, die Mimik Pastewkas natürlich, aber auch die Hintergrundmusik, die Atmosphäre, kleine Geräusche, die eine Situation aus der künstlichen Fernsehwelt holen und uns vertraut machen und auf denen gelegentlich sogar ein Großteil der Komik beruht, die oft absurd, aber selten schenkelklopfend ist.

          "Ich habe alle Arten von Sketchen gemacht", sagt Pastewka, "Arztsketche, Restaurantsketche, das ganze Programm. Dann fragt man sich: Wo leuchtet man noch eine Untiefe aus?" Er fand sie in der Reduzierung, und die beschränkt sich nicht auf die Sprache. "Ohne Worte" verzichtet auch auf falsche Zähne und verblüffende Masken. "Mein Glück ist es, daß meine Mimik zumeist die Geschichte trägt. Das liegt mir. Ich bin selten optisch verändert - das ist immer ,der Pastewka', dem das passiert. Ich spiele am liebsten jemanden, der im Drehbuch einfach ,Mann 1' genannt wird - da brauchst du keine besondere Verkleidung."

          Gibt es genügend Ideen?

          Eigentlich hätte sich die Produzentin Christiane Ruff gewünscht, sich auch mit dem Format selbst rar machen und es als seltenes Highlight ins Programm einstreuen zu können - schon aus der Sorge, ob es wirklich genug gute Ideen für solche Sketche gibt. Doch das rechnet sich für die Sender nicht, und so folgt nach dem erfolgreichen Einzelstück Anfang des vergangenen Jahres von heute an eine Sechserstaffel "Ohne Worte".

          Nicht jedes Stück darin ist etwas Besonderes, räumt Pastewka ein: "Es gibt einige Sketche, die hätten überall reingepaßt, in jede normale Sketchreihe. Am Anfang habe ich mich dagegen gewehrt und gesagt: Das könnte doch jeder machen. Aber dann habe ich erkannt, in der Addition aller Sketche stört es mich nicht." Und so könne es eigentlich nun endlos weitergehen: "Vielleicht macht man mal eine Folge ,Ohne Worte' mit nur einem einzigen durchgehenden Sketch oder eine ganz in Schwarzweiß. Aber wahrscheinlich bleiben wir bei dem, was wir jetzt machen. Einfach, weil es wunderbar funktioniert."

          Natürlich und stiller

          Am liebsten hätte Pastewka dann noch eine Sitcom mit dem Titel "Wenige Worte": "Ich mag diese Nische auch, um etwas anderes aufzuhalten: Diese ganzen RTL-Sitcoms, die ja wunderbar sind, aber in denen immer ein Feuerwerk an Texten abgefeuert wird und jeder aus dem Ensemble dauernd lustige Dinge sagen muß."

          Natürlicher soll es zugehen, alltäglicher, und das heißt eben auch mal: stiller. Mit einem Protagonisten, der in einen Raum kommen kann und erst mal nichts tut. Dem man ansieht, daß er etwas nicht mag, ohne daß er sagen muß: "Das mag ich aber nicht." Zu Pastewkas Glück ist eine solche Sitcom in Arbeit, jedenfalls eine, die ein wenig in diese Richtung gehen könnte, und sie trägt sogar seinen Namen: "Pastewka". Anstatt Situationen um ein Ensemble zu konstruieren, soll sie das Leben des Bastian Pastewka komisch spiegeln. Ein Pilotfilm ist fertig, die Serie für 2005 bei RTL so gut wie beschlossen.

          Comedy ist endlich

          Neben alldem macht Pastewka noch seine Reisereportagen für RTL weiter, gerade war er in Rußland. An der in diesem Herbst weiterrollenden Retro-Welle mit gleich mehreren Show-Rückblicken auf sein Lieblingsthema, das Fernsehen, will er sich aber ebenso wenig beteiligen wie an den immer neuen Panel- und Improvisationsshows, die der Erfolg von "Genial daneben" ausgelöst hat. "Comedy ist endlich", sagt er. "Vieles wird in sich selbst recycelt. Dabei möchte ich nicht mitwirken. Mit diesem Trend identifiziert zu werden, tut nicht nur mir selber nicht gut. Wenn ich anfange, mich zu wiederholen, langweile ich mich."

          Drei Jahre nach dem Abschied von der "Wochenshow" ist Pastewka allgegenwärtig und sorgt sich darum, daß er sein elftes Gebot nicht verletzt. Es lautet: "Du sollst nicht nerven."

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