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Artus-Film von Joe Cornish : Im Brexit steckt ein Schwert

Alex (Louis Ashbourne Serkis) steht in Verbindung mit der mythischen Kraft, die England beschützt. Bild: Twentieth Century Fox

Was Alte angerichtet haben, müssen die Jungen wieder in Ordnung bringen: „Wenn du König wärst“ gibt Solidarunterricht im Kino.

          Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter. Nein, nicht durch Brexit, Trump oder Nordkorea, viel schlimmer: Die böse Hexe Morgana erhebt sich aus langem Schlaf und will mit ihren Kriegern die Erde unterjochen. Der Zauberer Merlin hatte sie vor Jahrhunderten gebannt, doch sie schwor, wenn die Welt instabil sei und die Hoffnungslosigkeit herrsche, werde sie zurückkommen. So steht es in der Artus-Geschichte, die Alex in seiner Kindheit verschlungen hat. Dass darin auch nur irgendein Wort stimmen könnte, glaubt er nicht.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Welt vor seinem Fenster ist zwar instabil und hoffnungslos – auf dem Weg zur Schule geht Alex an Obdachlosen vorbei, Zeitungskioske sind mit Schlagzeilen über Krisen behängt –, aber das geschieht alles am Rande seiner kindlichen Wahrnehmung. Alex ist zwölf Jahre alt und gerade damit beschäftigt, seinen guten Freund Bedders vor den zwei Schulschlägern zu retten. Als die ihn dann abends jagen und er auf einer Baustelle ein Schwert aus dem Stein zieht, ahnt er noch immer nicht, was er da eigentlich in den Händen hält. Bedders und der Google-Übersetzer helfen beim Entziffern der lateinischen Inschrift: Es ist das Schwert König Artus’.

          Filmisch durchgenudelt

          Regisseur Joe Cornish ist nicht der Erste, der sich mit „Wenn du König wärst“ an die Adaptation der Artus-Legende wagt. Der altenglische Sagenstoff ist filmisch durchgenudelt: Es gab die Liebesdreiecksgeschichte (Sean Connery vs. Richard Gere in „Der erste Ritter“, 1995), die historische Auslegung der Mythen (Clive Owen befehligt als römischer Feldherr in England sarmatische Reiter in „King Arthur“, 2004), und Disney hat gleich mehrmals versucht, die Legende fürs junge Publikum zu verfilmen, einmal als Zeichentrickfilm über den jungen Artus, der das Schwert aus dem Stein zieht („Die Hexe und der Zauberer“, 1963), ein andermal schickte man einen amerikanischen Teenager ins Mittelalter zurück, um Camelot zu retten („Knightskater – Ritter auf Rollerblades“, 1995). Warum ein weiterer Artus-Film?

          Ein guter Grund dafür ist das Vertrauen, das sich Joe Cornish im Jugendfilmgenre verdient hat. In seinem Debüt „Attack the Block“ (2011) griffen haarige Aliens einen Wohnblock in Südlondon an. Nur eine Gang pubertierender Jungs konnte das Viertel verteidigen. Sie schlossen sich dafür mit einer Krankenschwester (Jodie „Dr. Who“ Whittaker) zusammen, die sie zuvor ausgeraubt hatten – in der Not muss man zusammenhalten. Mit McGyver-Methoden bastelten die Kids ihre Alien-Abwehr: für den Showdown mit Silvesterraketen, einer Bratpfanne und dem Gasherd.

          Weil König Artus aus seinen Feinden Verbündete machte, nimmt Alex nicht nur den besten Freund Bedders (Dean Chaumoo), sondern auch die beiden starken, aber egoistischen Schulschurken als Ritter auf,

          In „Wenn du König wärst“ sind die Kinder beim Kampf gegen verhexte Höllenfiguren nicht minder kreativ: Da wird eine Verfolgungsjagd mit Morganas Kriegern in einem Lancia ausgetragen, als wäre man bei Mario Kart, da wird eine Schule verbarrikadiert und ein Endkampf gegen brennende Reiter in der Turnhalle abgehalten. Wer sich zu Schulzeiten ausgemalt hat, was man mit den dicken Matten, den Kletterseilen und den blöden Sprungböcken alles anstellen könnte, wenn die Lehrer mal nicht da wären, wird hier für jede langweilige Sportstunde entschädigt. Dass man sich vor den Kindern in Acht nehmen muss, wurde in „Attack the Block“ schon anhand der Sprache klar.

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