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„Aquaman“ im Kino : Alles eine Frage der Druckverhältnisse

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Jason Momoa war der Barbar Khal Drogo, der Daenerys Targaeryan als Khaleesi erkannte und mit ihr und einem anderen expandierenden Universum drei Drachen zeugte. Bild: dpa

Nicht mehr als ein Nebenprodukt expandierender Universen? Bei „Aquaman“ rumoren jede Menge populärkulturelle Momente im Untergrund von Atlantis.

          Allmählich bräuchte man wohl eine eigene Relativitätstheorie angesichts der beiden expandierenden Universen, die schon seit einiger Zeit von Hollywood aus das restliche Kino in die Enge treiben: Sowohl das DC Extended Universe als auch das Marvel Cinematic Universe sind Aus- und Entfaltungen von Comic-Serien. In den Heften der Verlage DC und Marvel finden sich Figuren sonder Zahl, die immer neue Verbindungen eingehen, während die beiden amerikanischen Comic-Imperien mit ihren Filmablegern längst in größeren Medienverbunden integriert sind: Marvel gehört zu Disney und DC zu dem Traditionsstudio Warner Bros. Wenn nun zu Weihnachten der DC-Held Aquaman einen eigenen Film bekommt, dann könnte man sich nebenbei auch fragen, in welchem Element sich eigentlich Attraktion am besten fortpflanzt. Wasser sollte dafür eigentlich ideale Eigenschaften haben (Transparenz!), erweist sich aber als überraschend sperrig (die Druckverhältnisse!).

          Mit Schuppen und elfischer Aura

          Die Geschichte der Heldwerdung von Arthur Curry beginnt mit der Liebesgeschichte seiner Eltern: Eine atlantische Maid wird in Amerika angeschwemmt, sie entpuppt sich als Nicole Kidman mit Schuppen und elfischer Aura. Der Leuchtturmwärter Tom Curry ist durch Lektüre auf sie vorbereitet und macht dann auch brav den Alleinerzieher, nachdem Atlanna von ziemlich einschüchternden Robotransformoterminatoren wieder ins Wasser zurückgeholt wird. Der kleine Arthur hat dann später, ähnlich wie der kleine Jesus im Tempel, ein Berufungserlebnis in einem Aquarium. Ein Hai stupst ein wenig an das Glas, das die eine Welt von der anderen trennt.

          Aquaman (Jason Momoa) und Mera (Amber Heard) schnappen ein wenig frische Luft

          Schöner und sinnreicher werden die Übergänge danach nicht mehr, denn für den Rest der gut zwei Stunden von „Aquaman“ schaltet Regisseur James Wan in routinierten Spektakelmodus. Im DC Extended Universe bedeutet das vor allem, dass Ideen und Weltbilder aus allen möglichen angrenzenden Universen abgegriffen werden – bei der „Herr der Ringe“-Serie, bei James Cameron (wobei dieser mit „The Abyss“ einen der besten Unterwasserfilme gemacht hat, während „Avatar“, auf den sich James Wan deutlicher bezieht, eine leere Kosmogonie war) und schließlich auch noch bei „Game of Thrones“. Von dort hat „Aquaman“ nämlich den Hauptdarsteller: Jason Momoa war der Barbar Khal Drogo, der Daenerys Targaeryan als Khaleesi erkannte und mit ihr und einem anderen expandierenden Universum drei Drachen zeugte.

          All diese populärkulturellen Momente rumoren irgendwo im Untergrund von Atlantis. Der König, auf den alle warten, muss nur noch den mythischen Dreizack finden, der von einem Unterwasserdrachen bewacht wird. Ironischerweise erweist sich das Wasser in „Aquaman“, bei allen Schauwerten mit digitaler Meeresfauna, vor der Kapitän Ahab kapitulieren würde, als das Element, das dem Blockbusterformat einigen Widerstand entgegensetzt: die ohnehin nicht eben subtilen Dialoge wirken hier noch weltloser, und man muss schon ein sehr gutgläubiger Fan (oder von Duschgelwerbung umnachtet) sein, um nicht dauernd an das Aufnahmeverfahren zu denken, das den Menschendarstellungen in den phantastischen Welten zugrunde liegt – der Blue oder Green Screen, vor dem Schauspieler in leeren Räumen zusammenhanglose Sätze aus sich herauspressen. An dieser Relativität kann niemand gelegen sein, sie ist aber ein unvermeidliches Nebenprodukt unbedachter Expansion.

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