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Amerika : Woodwards Geheimnis

  • -Aktualisiert am

Was wußte Woodward? Bild: AP

Der berühmteste Journalist der Welt im Zwielicht: In der nicht enden wollenden Affäre um die enttarnte CIA-Agentin Valerie Plame spielt auch Bob Woodward eine unrühmliche Rolle.

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          Er hat es die ganze Zeit gewußt. Die amerikanische Medienszene rieb sich halb verwundert, halb entsetzt die Augen, als Bob Woodward, der berühmteste Journalist der Welt, in der vergangenen Woche erklären ließ, ein „hochrangiger Regierungsvertreter“ habe ihm schon Mitte Juni 2003 und also vor allen anderen gesteckt, daß Valerie Plame eine CIA-Agentin sei.

          Damit kam Woodward zwei Wochen, nachdem der Sonderermittler Fitzgerald in dieser Sache Anklage gegen Lewis Libby, den Stabschef des Vizepräsidenten, erhoben und damit eine ernste politische Krise für die Bush-Regierung heraufbeschworen hatte. Nun bekommt die Untersuchung einen ganz neuen Schwung, denn offenbar war Libby weder der erste noch der einzige, der sich am Outing von Valerie Plame beteiligte. Die Suche geht weiter.

          Eine Affäre, die nicht endet

          Und es wird immer bizarrer. Schon der Versuch, die Vorgeschichte des Plame/Wilson-Skandals zu rekapitulieren, muß so klingen wie jener berühmte Loriot-Sketch, in dem eine arme Fernsehansagerin die Ereignisse von Lord und Lady Hesketh-Fortescue auf North Cothelstone Hall nachzuerzählen versucht. Es ist eine Affäre, die nicht endet, die im Gegenteil immer größer wird und die Regierung aushöhlt, so wie die Halsbandaffäre das Ancien régime lange vor der Französischen Revolution in Mißkredit brachte.

          Denn es ist ja nicht so, als gäbe es nicht genügend schwerwiegendere Fälle, in denen es die amerikanische Regierung mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat: Die Behauptung, der Irak sei in die Anschläge vom 11. September verstrickt, die fehlerdurchsetzte Rede Colin Powells vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Powells ehemaliger Stabschef jetzt als „Tiefpunkt meines Lebens“ bezeichnete, bis hin zu Bushs Äußerung, es habe ja kein Mensch ahnen können, daß die Dämme von New Orleans brechen würden. Prompt in allen seriösen Medien widerlegt, verklingen diese Skandale aber auch wieder.

          Hochsymbolische Geschichte

          Nur diese kleine, aber eben hochsymbolische Geschichte hält sich in den Nachrichten und gebiert immer neue Abzweigungen, als habe David Lynch die Skandalregie. Es geht um Worte, nicht, wie im Irak und in Louisiana, um Leben und Tod. Valerie Plame ist kein besonders großer Schaden entstanden, die zweifache Mutter hatte in absehbarer Zeit nicht vor, im Ausland eine neue Identität anzunehmen, um für die Agency zu spionieren. Sie ist gesund und munter und ihr Mann, der ehemalige amerikanische Diplomat Joseph Wilson, der die Behauptung der Bush-Regierung, Saddam wolle in Afrika radioaktives Material kaufen, widerlegt hatte, auch.

          Aber daß diese Regierung ihre eigenen, teuer ausgebildeten Geheimagenten an die Presse verrät, wenn diese mit einem Regierungskritiker verheiratet sind, kommt nicht gut an. Vor allem nicht bei Republikanern und insbesondere nicht bei einem, der früher mal CIA-Chef war, dem Vater des Präsidenten nämlich. Gegenwärtig würden Vater und Sohn nur noch das Nötigste miteinander reden, heißt es in amerikanischen Zeitungen.

          Er hatte einen Kleinfrosch

          Woodward läßt das alles kalt. Er hat, vielgefragter Journalismusexperte, der er ist, öfter die Untersuchung des Skandals kritisiert, den Sonderermittler nannte er einen „Hofhund, der keine Ruhe gibt“, und an der ganzen Sache „sei nichts dran“ , selbst er habe nichts zu enthüllen, keine Bombe: „Ich habe nicht mal einen Knallfrosch.“ Das war glatt gelogen.

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