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Film über Stanisław Ulam : Ein Hirn im Höllenfeuer

Der Kosmos ist ein Kartenhaus, das uns beim Einsturz unter sich begräbt: Stanisław Ulam (Philippe Tłokiński) denkt heftig. Bild: Dragonfly Films

Stanisław Marcin Ulam hat sowohl das Atombomben- wie das Computerzeitalter mitbegründet. Der Film „Abenteuer eines Mathematikers“ erzählt sein Leben.

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          Jeder schöpferische Beitrag zum Exakten will schnell logisch befestigt sein, bevor die Konzentration zusammenbricht, die das Neue ins Gleichgewicht mit dem Gesicherten bringt. Es ist, als wollte man eine Bombe zünden, bei der Deuteriumbrennstoff zur Kernschmelze gebracht werden soll, die eine Hölle mit Energie versorgt, bevor interne Prozesse den Aufbau und die Selbsterhaltung der Reaktion ausbremsen. So war’s beim Entwurf der Wasserstoffbombe, mit dem ihr Erfinder Edward Teller rang, bis ein Kollege das besagte Zündungsproblem erkannte und die Lösung fand. Dieser Kollege hieß Stanisław Marcin Ulam.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Er stammte aus Lemberg, hatte dort als Spross einer polnisch-jüdischen Kleinbürgerfamilie eine glückliche Kindheit bei der Lektüre von H.G. Wells und Jules Verne verbracht, war Hitler entkommen (anders als einige, die er liebte) und gehörte Mitte des vorigen Jahrhunderts zu den wichtigsten Kadern der amerikanischen Wehrphysik beim Bau der schlimmsten Waffen, die es bis dahin gegeben hatte. Ulam war kein Eigenbrötler, sondern pflegte einen hochkommunikativen Arbeitsstil, der es ihm unter anderem erlaubte, als einer der ersten Anwender den Nutzen großer Computeranlagen für die Erweiterung klassischer Kopfarbeit zu erkennen. Am Militärforschungszentrum von Los Alamos ließ er sich so vom „Mathematical Analyzer, Numerical Integrator and Computer“ (abgekürzt: MANIAC, also: Irrer) unter anderem zur Entwicklung der sogenannten Monte-Carlo-Methode anregen, die heute stochastische Ideen bei der Simulation von Molekülverhalten für die Chemie verwertet oder der Hochfinanz (Preismodelle für Optionen und so weiter) beim dauernd vom Chaos bedrohten Selbstverständnis hilft.

          Wer einen Film über Ulams Leben drehen will, darf nicht zulassen, dass die grellen Effekte des von diesem Mann miteröffneten Atomzeitalters das leisere, dunklere, aber vielleicht folgenreichere Heraufdämmern der Computerepoche überstrahlen, an dem er ebenfalls maßgeblich beteiligt war. Und die politisch-psychologischen Kraftfelder, in denen dieses Leben litt, drohen ohnehin jedes geordnete Erzählmaß zu überschreiten.

          Ein menschgewordener Bleistift

          Seit zwei Jahren gibt es nun den Film „Abenteuer eines Mathematikers“, der nach pandemiebedingten Verzögerungen jetzt auch hier ins Kino kommt. Der Regisseur Thorsten Klein hat am Stoff nur so viel geändert, dass sein gewaltiges Thema (wie denkt ein Mensch, den sein Zeitalter zerquetschen will, über dieses Zeitalter hinaus?) die gewählte Form („realistischer Spielfilm“) nicht sprengt.

          Als Erzählkern wählt Klein die Freundschaft zwischen Ulam, den der Pole Philippe Tłokiński spielt, und seinem ungarischen Kollegen John von Neumann, einer weiteren Jahrhundertgestalt, besetzt mit Tłokińskis Landsmann Fabian Kocięcki, der zwar (anders als der Ulam-Darsteller) seinem historischen Urbild kaum ähnelt, im Zusammenspiel mit der Ulam-Figur jedoch die geteilte geistige Existenz der beiden fasslich macht, was an von Neumanns Sterbebett schließlich in dessen Bekenntnis gipfelt, diese Beziehung sei die einzig tragfähige seines ganzen Lebens gewesen. Auch für Ulam reicht in diesem Film nichts anderes an die Freundschaft zu von Neumann heran, weder die durchaus nicht lieblose Ehe mit der von Esther Garrel verkörperten französisch-jüdischen Emigrantin Françoise noch die buchstäblich von der Weltgeschichte zermalmte Verbindung zu seinem jüngeren Bruder Adam, den Mateusz Więcławek als Bildnis der Würde in der Wehrlosigkeit anlegt.

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