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70 Jahre Jack Nicholson : Allüren sind etwas für andere

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Am Sonntag wird er tatsächlich siebzig, und man kann sagen, dass er seit Brandos Tod der größte lebende Schauspieler Hollywoods ist. Den Oscar hat er schon dreimal gewonnen und mit zwölf Nominierungen hat er selbst Laurence Olivier überholt. Michael Althen über den Mann hinter dem Haifischgrinsen.

          Als ihm auf einer Premiere ein Fotograf zurief, ob er mal seine Sonnenbrille abnehmen könne, entgegnete Jack Nicholson: „Sie sind wohl neu hier?“ Ohne Sonnenbrille begibt er sich nicht in die Öffentlichkeit, und man könnte natürlich sagen, sie sei sein Markenzeichen, wenn er nicht ein Mann wäre, der solche Attribute weniger nötig hat als irgendwer sonst. Am Ende trägt er sie vielleicht einfach nur deswegen, um zu zeigen, dass er sich das leisten kann, aber wo man bei anderen Stars Arroganz vermuten würde, nimmt man Nicholson sofort ab, dass er einfach nur Freude daran hat, mit seinem Image sein Spiel zu treiben. Und dazu gehört dann auch, dass selbst seine Koketterie etwas Spielerisches hat, wenn er behauptet: „Wenn ich meine Sonnenbrille trage, bin ich Jack Nicholson - ohne sie bin ich einfach nur ein fetter Siebzigjähriger.“

          Am Sonntag wird er tatsächlich siebzig, und man kann sagen, dass er seit Brandos Tod der größte lebende Schauspieler Hollywoods ist, aber anders als bei seinem Vorbild hat ihn das dem Filmgeschäft nicht entfremdet. Er taucht ganz im Gegenteil mit sichtlicher Freude alljährlich bei den Oscar-Verleihungen auf, grinst sein berühmtes Haifischgrinsen, als wolle er die Kollegen herausfordern, ihm seinen Titel streitig zu machen, und amüsiert sich königlich über die Witze, die die Moderatoren auf seine Kosten machen. Das gehörte vor allem bei Billy Crystal genauso zum Ritual wie der Umstand, dass Nicholson selbst stets am lautesten darüber lachte. Er hat auch allen Grund dazu, weil er den Oscar schon dreimal gewonnen und mit zwölf Nominierungen selbst Laurence Olivier überholt hat - nur Meryl Streep war noch einmal öfter nominiert, für „Ironweed“ sogar gemeinsam mit Nicholson.

          Nicholsons Lektion

          Seine Selbstgewissheit hat nichts Abschreckendes, sondern wirkt geradezu ansteckend, und dass sich Nicholson alles, wirklich alles leisten kann, sah man, als er 1999 den Golden Globe für sein Lebenswerk bekam und seine Dankesrede damit krönte, dass er sich umdrehte, die Hosen herunterließ und dem Publikum den nackten Hintern entgegenstreckte. Einfach nur, damit sie was zum Lachen haben - und um zu zeigen, dass er es kann.

          Allüren sind etwas für die anderen, aber trotzdem wird es für Regisseure nicht immer ganz leicht sein, ihn im Zaum zu halten. Prominentestes Beispiel ist Martin Scorsese, den er mit seinen Einmischungen in Drehbuch und Rollengestaltung bei „The Departed“ offenbar an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, und im Lichte dieser Differenzen bekam sein Grinsen etwas durchaus Diabolisches, als er mit Diane Keaton den Oscar an die Produzenten von „The Departed“ verlieh, während Scorsese mit seinem Regie-Oscar in den Kulissen stand. Da konnte man sich dann ausmalen, dass er im Stile des Mafia-Bosses Frank Costello mal kurz die Muskeln hat spielen lassen, um Scorsese zu zeigen, wie man es anstellen muss, wenn man einen Oscar gewinnen will. Denn davon leben ja all die Mafia-Geschichten, dass der Pate durchblicken lässt, man müsse nur nach seinen Regeln spielen, dann werde man auch entsprechend belohnt. Und wenn nicht alle so froh gewesen wären, dass Scorsese endlich seinen Oscar bekommen hat, dann hätte man den Eindruck haben können, Nicholson habe ihm eine Lektion erteilt.

          Der Schauspieler für einsame Inseln

          Nicholson wollte eigentlich selbst Filmemacher werden, hat als Drehbuchautor für Roger Corman gearbeitet, hielt sich mit kleinen Rollen über Wasser und hatte mit der Schauspielerei eigentlich schon abgeschlossen, als die Rolle in „Easy Rider“ des Wegs kam. Jeder Idiot hätte den Anwalt, der an Freiheit und Drogen Geschmack findet, spielen können, meinte Nicholson später, aber das lässt natürlich außer Acht, dass seiner Präsenz von Anfang an eine Vertrautheit mit der Kamera innewohnte, eine Komplizenschaft, für die andere sehr viel mehr arbeiten müssen. Seine Auftritte besaßen stets eine Energie, die als natürliches Kraftzentrum die Filme speiste. Dass sich unter ihnen kaum einer findet, der unentschlossen wirkt, mag damit zu tun haben, dass seine bloße Anwesenheit den Geschichten einen Fokus verleiht. Es ist einfach nicht möglich, ihn außer Acht zu lassen - und es wäre auch nicht ratsam.

          Die Filmkritikerin Brigitte Desalm hat zu Recht bemerkt, dass Nicholsons Schlussauftritte eine grausige Ansammlung von Resignation und tödlicher Erstarrung ergeben, vom toten Blick in „Einer flog übers Kuckucksnest“ bis zur vereisten Fratze in „Shining“ - und es wirkt fast so, als habe das Kino zu diesen drastischen Mitteln greifen müssen, um seiner Energie Herr zu werden.

          Wenn man sich auf einen einzigen Schauspieler festlegen müsste, dessen Filme man auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, dann hätte man mit denen von Nicholson das Beste, was das Kino in den letzten vierzig Jahren zustande gebracht hat. Und wenn man sich zu seinem Siebzigsten was Gutes tun will, sollte man die DVD von „Beruf: Reporter“ einlegen und seinen Audiokommentar anhören: Seine Stimme allein ist das Geld wert.

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