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60. Filmfestival in Cannes : Die Jungen und die Arrivierten

  • Aktualisiert am

Kurt Russell und Rose McGowan nähern sich in Tarantinos „Death Proof” diskret einander an Bild: Senator Film

Das Filmfestival in Cannes läßt vom 16. bis zum 27. Mai junge Herausforderer gegen Arrivierte antreten. Einziger deutscher Vertreter ist Fatih Akin, der sich gegen hochkarätige Konkurrenz wie Quentin Tarantino, Wong Kar-Wai und Emir Kusturica behaupten muss.

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          Junge Herausforderer gegen arrivierte Titel-Sammler, so ließe sich die Konkurrenz beschreiben, die vom 16. bis zum 27. Mai bei den 60. Filmfestspielen in Cannes gegeneinander antritt. Das Programm verheißt unterschiedliche Regiekulturen: von Hollywood-Produktionen mit enormer Starpräsenz bis zum Kunstkino aus Europa und Asien. „Wir wollten große Namen und jungen Nachwuchs vereinen“, kommentiert Gilles Jacob, Präsident des berühmtesten Festivals der Welt, die kontrastreiche Auswahl.

          Zu den Arrivierten gehören vier bisherige Gewinner der Goldenen Palme: Emir Kusturica aus Bosnien-Herzegowina ist mit dem Belgrader Drama „Promise Me This“ vertreten. Die amerikanischen Brüder Joel und Ethan Coen wurden mit dem Thiller „No Country For Old Men“ eingeladen. Quentin Tarantino zeigt seinen Horror-Action-Sex-Spaß „Death Proof“ und Gus Van Sant präsentiert „Paranoid Park“, einen Film über einen Skateboarder, der versehentlich einen Wachmann tötet.

          Norah Jones debütiert

          Mit „My Blueberry Nights“, seinem ersten in den Vereinigten Staaten gedrehten Film, kehrt der Chinese Wong Kar-Wai an die Cote d'Azur zurück. Die Musikerin Norah Jones feiert in dem romantischen Drama ihr Kinodebüt, flankiert von den Publikumslieblingen Jude Law und Natalie Portman.

          Quentin Tarantino setzt in „Death Proof” auf die Verführungskraft langer Beine
          Quentin Tarantino setzt in „Death Proof” auf die Verführungskraft langer Beine : Bild: Senator Film

          Mit sechs Filmen in der Konkurrenz sind amerikanischen Regisseure überraschend stark vertreten. David Fincher, der mit Kinohits wie „Fight Club“ und „Seven“ bekannt wurde, hat mit dem Thriller „Zodiac“ seine erste Einladung nach Cannes bekommen. Die Blicke der Festivalbesucher beim abendlichen Defilée dürften unter anderem Joaquin Phoenix und Mark Wahlberg auf sich ziehen, die in James Grays Mafia-Krimi „We Own The Night“ mitspielen. Weniger auf den Massengeschmack ausgerichtet ist „Le scaphandre et le papillon“ (Die Tauerglocke und der Schmetterling) des New Yorker Künstlers Julian Schnabel. Er hat die Aufzeichnungen eines Franzosen verfilmt, dessen Körper nach einem Schlaganfall im „Locked-in-Syndrom“ gefangen war.

          Das Leben zwischen den Kulturen

          Einziger deutscher Vertreter in der Hauptkonkurrenz ist der deutsch-türkische Filmemacher Fatih Akin. Der Europäische Filmpreisträger („Gegen die Wand“), der 2005 schon in der Wettbewerbsjury gesessen hat, bleibt in „Auf der anderen Seite“ seinem zentralen Thema treu, dem Leben mit und zwischen zwei Kulturen. Über die Suche nach Sinn und Arbeit im erweiterten Europa geht es in „Import Export“, dem österreichischen Beitrag von Ulrich Seidl

          Als subversive Comiczeichnerin ist die Iranerin Marjane Satrapi bekannt geworden. Ihr berühmtestes Buch „Persepolis“ über Kindheit und Jugend eines Mädchens in Iran kommt als Animationsfilm nach Cannes. Wer erotische Provokationen sucht, kann diese vielleicht bei der Französin Catherine Breillat und „Une vieille maitresse“ (Eine alte Geliebte) finden. Breillat hat sich in früheren Werken über weibliche Sexualität nah an die Grenzen der Pornografie gewagt.

          Seinen 60. Geburtstag feiert das Festival seinerseits mit einem Film. 35 in Cannes wohl bekannte Regisseure haben sich dafür in kurzen Beiträgen mit der Magie des Kinos beschäftigt. In der Wettbewerbsjury unter der Leitung von Stephen Frears sitzt unter anderem der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk an der Seite der Schauspielerinnen Toni Colette und Maggie Cheung. Gewohnt imposant liest sich die Gästeliste: In diesem Jahr führen Oscar-Gewinner Martin Scorsese, Angelina Jolie und Brad Pitt den Reigen der Prominenz an.



          Wettbewerbsbeiträge der 60. Filmfestspiele in Cannes:

          „Auf der anderen Seite“, Fatih Akin (Deutschland)
          „Une vieille maîtresse“, Catherine Breillat (Frankreich)
          „No Country for Old Men“, Joel und Ethan Coen (Vereinigte Staaten)
          „Zodiac“, David Fincher (Vereinigte Staaten)
          „We Own The Night“, James Gray (Vereinigte Staaten)
          „Les chansons d'amour“, Christophe Honoré (Frankreich)
          „Mogari no mori“, Naomi Kawase (Japan)
          „Breath“, Kim Ki Duk (Korea)
          „Promise me this“, Emir Kusturica (Serbien)
          „Secret sunshine“, Lee Chang Dong (Korea)
          „4 Luni, 3 Saptmamini si 2 Zile“, Cristian Mungiu (Rumänien)
          „Tehilim“, Raphaël Nadjari (Frankreich)
          „Silent Light“, Carlos Reygadas (Mexiko)
          „Persepolis“, Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud (Iran)
          „Le scaphandre et le papillon“, Julian Schnabel (Vereinigte Staaten)
          „Import Export“, Ulrich Seidl (Österreich)
          „Alexandra“, Alexander Sokurow (Russland)
          „Death Proof“, Quentin Tarantino (Vereinigte Staaten)
          „The Man From London“, Béla Tarr (Ungarn)
          „Paranoid Park“, Gus Van Sant (Vereinigte Staaten)
          „Izgnanie“, Andrej Swjaginzew (Russland)
          „My Blueberry Nights“, Wong Kar-Wai (China, Eröffnungsfilm))

          Außer Konkurrenz laufen:

          „Sicko“, Michael Moore (Vereinigte Staaten)
          „Ocean's Thirteen“, Steven Soderbergh (Vereinigte Staaten)
          „A Mighty Heart“, Michael Winterbottom (Großbritannien)

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