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3D im Kinofilm : Die Leere in der Tiefe des Raums

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Szene aus Scorseses „Hugo Cabret“: ein weiterer großer Regisseur der Gegenwart hat endlich seinen 3D-Film gedreht Bild: dapd

Die ökonomischen und ästhetischen Versprechen des 3-D-Kinos haben Branche wie Künstler und Publikum seit James Camerons „Avatar“ (2009) in Atem gehalten. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

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          Wenn Anfang Februar Martin Scorseses „Hugo Cabret“ in die Kinos kommt, hat ein weiterer der großen Gegenwartsregisseure Hollywoods endlich seinen 3-D-Film gedreht. Es ist ein gelungenes Werk, das in manchen Szenen die neuen Techniken des Dreidimensionalen zu überraschenden Höhen führt. Zudem dreht sich die Geschichte unter anderem um das Erbe des französischen Stummfilmpioniers Georges Méliès, des Mannes, bei dem das Kino noch ganz unmittelbar der Jahrmarktsatmosphäre seiner Entstehungsjahre entspricht, Elemente von Varieté und Zauberkunst zu einem großen Spektakel staunenswerter Bilder zusammenführt. Genau dies scheint auch der unmittelbar einleuchtende Gewinn durch 3D-Kino zu sein. Dreidimensionales Kino erneuert ganz unmittelbar das so ursprüngliche wie naive, ewig begeisternde Versprechen des Kinos: Ungesehene Bilder zu präsentieren.

          Andererseits: Nicht Dreidimensionalität, sondern „die Eroberung der Zweidimensionalität“ sei der eigentliche Übergang in die Hochkultur, „die menschliche Leistung, Realität um eine Dimension zu kürzen“. Die eigentliche Geistesgeschichte der Menschheit begann damit, sich von der Tyrannei des Realen, der primären Dreidimensionalität, die jeder alltäglich vorfindet, zu lösen - Peter Sloterdijk hat das 2010 auf einer Veranstaltung des Karlsruher „Zentrums für Kunst und Medientechnologie“ (ZKM) so formuliert. Damit war der mediengewandte deutsche Philosoph wieder einmal unter den ersten, die ein Phänomen bewerten, in dem diesmal nicht wenige Filmemacher und erst recht die Manager der Filmindustrie eine echte Revolution des Kinos sehen möchten, eine Umwälzung, die die Art und Weise, Filme zu drehen, und natürlich diese Filme selbst, nicht weniger verändern werde, als die Einführung der Tonspur vor mehr als achtzig Jahren.

          Wer auf sich hielt, zeigte in 3D

          Diese Erwartung an die 3D-Technik, man weiß das, gibt es schon seit über 50 Jahren, eigentlich sogar seit den Anfängen des Kinos. Aber jetzt erst, mit der Digitalisierung des Filmbildes und riesigen Rechenleistungen der Computer, wurde ein technisches Niveau erreicht, das die Utopie eines „sehgerechten“ Kinobildes plötzlich realistisch erscheinen ließ. Der Durchbruch kam 2009, mit James Camerons „Avatar“, und man hätte eine naive Vorstellung von Hollywood, wenn man wirklich daran glaubte, hier gäbe es kein genaues Kalkül, hier ginge es nicht darum, einen Film, der sowieso mit höchsten Erwartungen verbunden ist, dafür zu instrumentalisieren, um eine technische Revolution durchzusetzen - und sei es auch nur eine Scheinrevolution.

          Der erfolgreichste Film aller Zeiten und der eigentliche Beginn des 3D-Hypes: Szene aus James Camerons „Avatar”
          Der erfolgreichste Film aller Zeiten und der eigentliche Beginn des 3D-Hypes: Szene aus James Camerons „Avatar” : Bild: REUTERS

          Im gleichen Jahr eröffneten bereits die Filmfestspiele von Cannes mit dem Pixar-Animationsfilm „Up“, und seitdem zeigte jedes Filmfestival, das auf sich hält, mindestens einen Film in 3D. In Lüttich gab es 2009 erstmals ein ganzes internationales Festival, das nur dem „3D Stereo Film“ gewidmet war, bald darauf zog das ZKM wie erwähnt nach.

          Es folgte ein allgemeiner Boom, zweidimensionale Filme wurden hastig nachbearbeitet, oft mit miserablem Ergebnis. Neben B-Movies wie „Clash of the Titans“ waren das gerade auch Werke von Autorenfilmern, die bereits auf ein großes OEuvre zurückblicken können, wie Tim Burton, Steven Spielberg - der sich in Interviews durchaus zur 2D-Tradition bekannte - oder in Deutschland Werner Herzog; Regisseure also, die mehr als nur technische Ansprüche haben, bei denen man aber auch den Verdacht hegt, es könnte sie vor allem gereizt haben, einmal die technische Herausforderung zu bewältigen.

          Den Eindruck besser noch einmal in 2D überprüfen

          Dieser Reiz lässt zuletzt offenkundig wieder spürbar nach. Stattdessen ist eine deutliche gegenläufige Bewegung zu beobachten: Filme, von denen man es erwartet hätte, kommen nur im traditionellen 2D-Format heraus, etwa die allerneuesten Blockbuster wie der vierte „Mission: Impossible“-Film oder David Finchers Verfilmung von „Verblendung“ - Gerade diese beiden Filme wären vor einem Jahr höchstwahrscheinlich in 3D herausgebracht worden. Die Gründe für das Abflauen sind vielfältig, sie sind, wie immer , wenn es um Hollywoodkino geht, einerseits ökonomisch; aber auch ästhetischer Art.

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