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Neue Vorwürfe gegen Polanski : „Er betrachtet dies als reine Lüge“

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Wirft Roman Polanski vor, sie im Alter von sechzehn Jahren missbraucht zu haben: Charlotte Lewis Bild: AP

Die englische Schauspielerin Charlotte Lewis behauptet, der Regisseur Roman Polanski habe sie als Sechzehnjährige sexuell missbraucht. Polanski ließ das zurückweisen. Die Vorwürfe könnten in dem laufenden Verfahren eine wichtige Rolle spielen.

          Es nimmt dann wohl doch so schnell kein Ende. Gegen den Regisseur Roman Polanski, 76, der seit Monaten in seinem Schweizer Chalet unter Hausarrest steht und den die Vereinigten Staaten gerne ausgeliefert sähen, sind neue Vorwürfe sexuellen Missbrauchs aufgekommen. Die heute 42 Jahre alte britische Schauspielerin Charlotte Lewis erklärte in Los Angeles, dass sie als Teenager von Polanski missbraucht worden sei: „Er wusste, dass ich 16 Jahre alt war, als er sich in seinem Pariser Appartement mir aufzwang.“

          Charlotte Lewis hatte in Polanskis Film „Piraten“ (1986) eine kleine Rolle. Auf weitere Einzelheiten des angeblichen Vorfalls ging sie nicht ein. Ihre Anwältin erklärte jedoch, Lewis sei willens, unter Eid auszusagen, Polanski müsse als Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Vorwürfe von Lewis könnten in dem bereits laufenden Verfahren gegen Polanski eine wichtige Rolle spielen. Ein Berufungsgericht in Los Angeles hatte im April einen Antrag des Regisseurs auf eine Verurteilung in Abwesenheit abgelehnt.

          Erpressungsversuch nach 26 Jahren?

          Polanskis Anwalt Georges Kiejman dagegen erklärte Lewis’ Anschuldigungen für unglaubwürdig: „Er betrachtet dies als eine reine Lüge“, erklärte der Anwalt am Samstag gegenüber dem Sender Europe 1. „Die Tatsache, dass die Frau nach 26 Jahren plötzlich ihre Erinnerung wiedergefunden haben soll, scheint höchst verwunderlich.“ Für ihn sehe das nach einem Erpressungversuch aus. Wenn man diesen ernst nehmen würde, „müsste man wegen Rufschädigung vor Gericht ziehen“, so Kiejman weiter. Polanski sitzt seit 4. Dezember 2009 unter elektronisch überwachtem Hausarrest in seinem Schweizer Haus.

          Roman Polanski unter Hausarrest: Auf dem Balkon seines Chalets im schweizerischen Gstaad

          Auch der omnipräsente französische Schriftsteller und Philosoph Bernard-Henri Lévy hat sich nach seinem Plädoyer für Polanski erneut zu Wort gemeldet, indem er den Regisseur Tim Burton, den Vorsitzenden der Jury in Cannes, kritisierte. Burtons Haltung sei „armselig“, sagte Levy, alles, was er zu dem Fall gesagt habe, sei, dass er die Meinungsfreiheit unterstütze. Der Jury-Chef sei zwar „ein großer Filmemacher“, er habe aber „einen mittelmäßigen Charakter“.

          Vor dem Start des Filmfestivals hatte sich ein Dutzend Regisseurskollegen in einer Petition für Polanski eingesetzt. Hollywood-Star Michael Douglas, derzeit wegen seiner Hauptrolle in Oliver Stones Sequel zu „Wall Street“ in Cannes, hatte dagegen erklärt, er werde die Petition nicht unterzeichnen. „Ich bewundere Roman“, sagte er, „aber das ist ein Problem, das intern geklärt werden muss.“ Er als Amerikaner finde es „nicht richtig“, eine Petition für jemanden zu unterzeichnen, der das Gesetz verletzt habe.

          Auch der Regisseur Jean-Luc Godard, dessen Film „Socialisme“ in Cannes gezeigt wird, hat eine Meinung zu Polanski. Im Rahmen eines Interviews mit dem französischen Magazin „Les Inrockuptibles“, in dem der fast Achtzigjährige gewohnt kräftig nach allen Seiten hin austeilt, erklärte er, die Unterzeichner der Petition hätten auch aussprechen sollen, „dass die Justiz der Schweiz nicht gerecht ist“. Im Übrigen denke er als Franko-Schweizer, was die Schweiz anginge, „wie Gaddafi“: die romanische Schweiz gehöre zu Frankreich, die deutsche zu Deutschland, die italienische zu Italien, „et voilà: keine Schweiz mehr!“

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