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„100 Dinge“-Interview : „Jede Sache, die wir besitzen, frisst Aufmerksamkeit“

  • -Aktualisiert am

Der Schauspieler Matthias Schweighöfer (l) sowie Regisseur und Schauspieler Florian David Fitz stehen bei Dreharbeiten im Set ihres neuen Films "100 Dinge" in Kreuzberg. Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer über ihren neuen Film „100 Dinge“, überflüssige Habseligkeiten, Freundschaft unter Männern und Weihnachten mit Kindern.

          7 Min.

          Herr Fitz, Herr Schweighöfer, wenn man Sie beobachtet, scheinen Sie in Ihrer Beziehung eine ähnliche Rollenverteilung zu haben wie im Film. Ist der Eindruck richtig?

          Florian David Fitz: Wie im Film? Finden Sie wirklich? Da bin ich ein hysterischer Typ mit Filz auf dem Kopf und im Gesicht. Das bin ich im wirklichen Leben nicht.

          Matthias Schweighöfer: Ich würde mal darüber nachdenken – vielleicht siehst du das nur so, Flo.

          FDF: Herzlichen Dank auch! Matthias hat gerade eine Nazifrisur. Die trägt er normalerweise auch nicht.

          MS: Das ist richtig. Aber natürlich sind Charaktereigenschaften von uns in diese Figuren eingebaut, die man dann im Film sieht.

          Welche sind das?

          MS: Paul ist ein sehr herzlicher und empathischer Typ, der viel zu viel nachdenkt. Und Toni braucht gewisse regelmäßige Abläufe und kann sehr ungeduldig, hartnäckig sein. Die beiden sind ein tolles Duo.

          FDF: Toni ist ein Macher und Kontrolletti, das bin eher ich. Paul ist ein Schwärmer und liebt seine Sneaker, das ist eher Matthias. Andererseits: Dem Glück hinterherzurennen, das war schon früher ein Thema von mir, und Toni ist ein bisschen verstockt mit seinen Emotionen, das ist im Spiel wiederum eher Matthias’ Thema. Die Figuren sind also eine wilde Mischung aus uns beiden.

          Der Film ist auf den ersten Blick eine Komödie, hat aber auch eine tiefere Bedeutungsebene. Es geht darum, wie viele Dinge man im Leben braucht, um glücklich zu sein. Wie betrifft Sie dieses Thema persönlich?

          FDF: Jetzt sollte ich erzählen, dass ich so viele Dinge besessen habe, was mich völlig fertig gemacht hat. Aber tatsächlich habe ich dieses Problem aktuell gar nicht mehr. Doch ich finde, es ist ein Problem, das virulent ist. Mir ist früh aufgefallen: Jede Sache, die wir besitzen, frisst Aufmerksamkeit. Am Anfang fand ich es toll, etwas zu besitzen. Als ich als kleiner Schauspieler meine erste Wohnung angezahlt hatte, war es für mich das größte Glücksgefühl zu wissen: Das gehört jetzt mir. Heute sehe ich das differenzierter.

          Was hat sich verändert?

          FDF: Ich habe zum Beispiel immer noch den Traum, ein Ferienhäuschen zu haben. Aber gleichzeitig weiß ich: Wenn ich das besitze, muss ich mich darum kümmern. Dann muss es bewohnt werden. Dann ist da etwas kaputt. Es frisst Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es als Traum besser als in Realität, ich kann ja was mieten.

          MS: Ich kenne Florian nun schon etwas länger. Und diese Ferienhaus-Problematik begleitet ihn, seitdem wir uns kennen. Er kommt immer mit so schönen Fotos von Häusern und meint: Sieht das nicht toll aus? Aber ich weiß nicht, ob ich es kaufen soll.

          FDF: Und dann kauft es jemand anders . . .

          MS: Es kauft immer ein anderer. Und Florian sagt dann: Mist, jetzt ist das auch schon wieder weg. Ich finde, so eine Verpflichtung testet man vielleicht einmal aus. Wenn du dann mit der Situation nicht glücklich bist, kannst du einfach wieder verkaufen.

          FDF: Ich bin da von meinem Vater geprägt.

          Was heißt das?

          FDF: Mein Vater, der aus der Nachkriegsgeneration stammt, ist geschäftlich sehr vorsichtig und hat mir das so beigebracht. Und meine Oma, die 1898 geboren wurde, kannte ich ja auch noch. Sie hatten einfach eine andere Einstellung. Mein Vater zum Beispiel konnte nichts wegschmeißen. Das steckt manchmal auch in mir. Aber meine Mutter möchte alles wegschmeißen. Sie hasst es, wenn zu viel herumliegt und Unordnung entsteht. Ich lebe irgendwo dazwischen.

          Wovon besitzen Sie beide eindeutig zu viel?

          FDF: Der Matthias besitzt zu viel Charme, Schönheit, Intelligenz und Witz.

          MS: Sehr komisch. Ich kann es jetzt auch ganz runterziehen und sagen, wovon du eindeutig zu viel besitzt.

          FDF: Nee, bitte nicht.

          MS: Also, ich besitze eindeutig zu viele Sneaker. Ich bin Läufer, ich jogge viel. Und mir wurde irgendwann einmal gesagt, dass man die Schuhe immer wechseln sollte. Deshalb kaufe ich immer gleich zwei, drei Paar zum Wechseln, damit die Sohlen sich nicht zu sehr ablaufen und ich keine Probleme mit den Knien bekomme.

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