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Kino : "Der Pianist" war der beste Film des Jahres 2002

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Adrien Brody als Wladislaw Szpilman in „Der Pianist” Bild: Guy Ferrandis/ H &K

Die Nationale Gesellschaft der Filmkritiker Amerikas hat die Preise für den besten Film, den besten Regisseur und den besten Hauptdarsteller an einen einzigen Film vergeben.

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          Selten lässt man auch noch den kompletten Nachspann eines Films regungslos über sich ergehen. Bei Roman Polanskis Film „Der Pianist“ ist das der Fall. Die Geschichte vom wunderbaren Überleben des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman im Getto von Warschau, die uns bis zum Schluss auf den Kinosesseln festnagelt, war nach Meinung der amerikanischen Filmkritikervereinigung der beste Film des Jahres 2002.

          Nie hat man dem ohnehin bewegenden Schluss-Satz des zweiten Klavierkonzerts von Chopin so gebannt zugehört. Die ungestörte Makellosigkeit der wehmütigen Klänge Chopins bildet in Polanskis Film den dramaturgisch extrem wirkungsmächtigen Hintergrund für einen Film, der aus lauter Schocks besteht. Die Musik macht sie für uns erträglich wie für den von Adrien Brody gespielten polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der das Getto überlebt so wie die Musik die Barbarei überdauert: ohne heldenhaftes Pathos, aber mit menschlicher Zähigkeit. Diese wahre Geschichte - Szpilman gab Konzerte im Warschauer Getto, als unser Rezensent Marcel Reich-Ranicki dort Musikkritiken schrieb - gibt der Film mit dokumentarischer Genauigkeit wider. Der dramaturgisch wirksame Kontrast zwischen der digital gestützten Ästhetik der Bilder und Töne einerseits und der menschlichen, moralischen und physischen Zerstörung anderseits, die diese Bilder darstellen, könnte kaum größer sein.

          Die Nationale Gesellschaft der Filmkritiker in Amerika hat Roman Polanskis Film „Der Pianist“ jetzt zum besten Film des Jahres 2002 gekürt. Der Hauptdarsteller Adrien Brody wurde als bester Schauspieler erkannt und Polanski als bester Regisseur. Trotz dieses verdienten Triumphs fiel auch für andere Kinoleistungen noch Anerkennung ab. Diane Lane gewann den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle als sexuell unerfüllte Vorort-Hausfrau in „Untreu“, einem Chabrol-Remake des britischen Regisseurs Adrian Lyne („Eine verhängnisvolle Affäre“). Pedro Almodovars Film „Sprich mit ihr“ konnte sich immerhin als Anwärter auf den Titel des besten Films profilieren, Almodovar selbst als Anwärter auf den Preis des besten Regisseurs.

          Die Nationale Gesellschaft der Filmkritiker vereinigt das Votum von 55 Zeitungen, Magazinen und Online-Radaktionen. Sie steht in Konkurrenz mit dem „National Board of Review“ sowie den großen Kritikervereinigungen von New York und Los Angeles.

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