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Illlegale Reise einer Statue : Athena von Kardashian

Kim Kardashian behauptet, die Athena des Myron niemals bestellt zu haben Bild: Reuters

Kim Kardashian soll eine Kopie der Athena des Myron als Ausstattung für ihr Eigenheim bestellt haben. Das gab Ärger. Jetzt soll die Statue zurück nach Italien gebracht werden. Es wäre das Ende einer delikaten Verbindung.

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          Wer ist die Athena des Myron? Geschaffen hat sie im fünften Jahrhundert vor Christus ebenjener Myron, einer der bedeutendsten Bildhauer der griechischen Antike, in Bronze. Selbstverständlich ist ihr Original nicht erhalten, wie übrigens keines von Myrons Werken. Aber die Athena existiert in römischen Marmorkopien, sie gestatten die Rekonstruktion ihres Aussehens.

          Und wer ist Kim Kardashian? Sie ist eine amerikanische Unternehmerin, Reality-TV-Darstellerin und Influencerin. Zwecks Beeinflussung hat sie vor drei Jahren sogar Präsident Trump ins Weiße Haus eingeladen. Nun, die griechische Göttin Athene galt ja auch als begabt. Außerdem verschwestert die beiden vielleicht sogar ein bisschen die Sache mit Original und Rekonstruktion. Neuerdings gibt es eine weitere delikate Verbindung zwischen Athene und Kim. Denn Letztere soll vor einiger Zeit eine Kopie der Ersteren für die Ausstattung ihres gemeinsamen Eigenheims mit dem Gatten Kanye West in Los Angeles bestellt haben. Genauer handelt es sich um ein Fragment derselben, nämlich die untere Hälfte einer Statue aus Kalkstein, aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, jedenfalls ist es wahrscheinlich so.

          Die besagte Athena und der Satyr Marsyas im Frankfurter Liebieghaus
          Die besagte Athena und der Satyr Marsyas im Frankfurter Liebieghaus : Bild: Wonge Bergmann

          Der amerikanische Zoll hatte dieses Teil schon 2016 konfisziert. Der Container, in dem es steckte, kam mit dem Flugzeug aus Italien, und es heißt, die halbe Athena sei erstens gestohlen, zweitens illegal aus Italien ausgeführt und drittens an Kim Kardashian adressiert gewesen. Alles nicht schön. Schon gar nicht, wenn ziemlich am Anfang der Lieferkette ein bekannter, innenausstatterisch hochbegabter Kunsthändler aus Belgien stehen soll, dessen Name vorerst lieber verschwiegen sei; noch ist schließlich nichts bewiesen. Allerdings hat die amerikanische Regierung gerade vor dem Gericht in Los Angeles die Rückführung der Statue beantragt; Italien will sie verständlicherweise wiederhaben.

          Kim Kardashian hat sie nie bestellt, sagt sie, nie gesehen und nie von ihr gewusst. Vom belgischen Händler gibt es offenbar noch gar keinen Kommentar. Wer indessen wissen will, wie wunderhübsch die Athena des Myron, im (fast) ganzen Stück, ausgesehen hat, kann sie als römische Marmorkopie im Liebieghaus in Frankfurt betrachten. Und im Garten des Museums steht als bronzene Vollrekonstruktion die Zweiergruppe, zu der die Göttin ursprünglich gehörte, zusammen mit dem Satyr Marsyas. Am Ende keine wirklich glückliche Bekanntschaft. Wobei, Kim Kardashian hat es derzeit auch sonst nicht leicht, wegen der Trennung von ihrem Gatten, der ein Rapper und bestimmt ganz anders als Marsyas ist. Aber trotzdem. Ärger mit Athena kann sie da wirklich nicht auch noch brauchen.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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