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Kim Kardashians Corona-Party : Egotrip auf der Insel

  • -Aktualisiert am

Wohlsein: Kim Kardashian West feiert auf der Insel, eine Geburtstagstorte darf nicht fehlen. Bild: Twitter/Screenshot F.A.Z.

Kim Kardashian West will in der Corona-Pandemie auf Partys nicht verzichten. Sie feiert mit ihrem Tross auf einer Insel. Das bringt Daheimgebliebene, die nicht zum Jetset gehören, auf Gedanken.

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          „Kein Mensch ist eine Insel, ganz für sich allein“, wusste vor vierhundert Jahren schon der englische Dichter John Donne, und wer wüsste es heute besser als Stars des Reality-Fernsehens, deren ganze Existenz in der medial zelebrierte Antithese zur Vereinzelung begründet liegt.

          Wenn also Kim Kardashian West, müde des Twitterns und Instagramens in an Live-Auftritten armen Zeiten des Social Distancings, ihren vierzigsten Geburtstag feiert, zieht sie sich nicht zu einer Feier mit der Kernfamilie unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück – sondern auf ein Eiland und lässt es dort richtig krachen.

          Wie das geht? „Nach zwei Wochen mit zahlreichen Gesundheits-Checks und der Bitte an alle, sich in Quarantäne zu begeben, habe ich meinen engsten inneren Kreis mit einer Reise auf eine Privatinsel überrascht, wo wir wenigstens für kurze Zeit so tun konnten, als wäre alles normal“, schreibt die Celebrity auf Instagram und veröffentlicht dazu Bilder von einer Party unter Palmen, ohne Masken, ohne Sorgen, dafür nach eigenen Angaben mit Motorradfahrten, Schwimmen mit Walen und Filmegucken am Strand.

          Als Vorlage für Normalsterbliche, die sorgenvoll auf das pandemische Weihnachtsfest blicken, ist diese Zurschaustellung einer Superreichen ohne Dekadenzproblem denkbar ungeeignet. Unsereins ist froh, wenn die eigene „soziale Blase“ unter dem Druck der Beschränkungen und Infektionsgefahren nicht platzt: Statt Insel heißt es „my home is my castle“, statt weggejettet wird durchgelüftet.

          Ronan Farrow erinnert Kim Kardashians Party an Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“.
          Ronan Farrow erinnert Kim Kardashians Party an Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“. : Bild: Twitter/Screenshot F.A.Z.

          Wunderbar sind dagegen die kreativen Antworten in Form von Memes, die in den sozialen Medien aufpoppen. Der Journalist Ronan Farrow kombinierte das Kardashian-Knallerzitat von oben mit dem „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch; das Museum of Modern Art mit Henri Matisses Gemälde „Der Tanz“. Und dann ist da die Armada popkulturellen Spotts: Bilder von Tom Hanks als Verschollenem in „Cast Away“ (mit Volleyball „Wilson“), Szenen aus der Verfilmung von „Herr der Fliegen“, aus „Game of Thrones“, „Mamma Mia“, „Crazy Rich Asians“, „Jurassic Park“ und so weiter.

          So entsteht, ausgelöst von der Selbstfeier einer Einzelnen, ein kollaboratives Unterhaltungsprogramm vieler für viele, das sich nicht vorrangig aus Sozialneid speist, sondern dem Gefühl, dass Egotrips gerade maximal unglamourös sind. Das lässt einen doch fast wieder an die Menschheit glauben.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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