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KiKa-Serie „Der Krieg und ich“ : Sie erzählen Kindern vom Holocaust

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Eva (Natálie Vágnerová) muss für die SS-Wachen im Konzentrationslager singen. Bild: SWR/LOOKSfilm/Andreas Wünschirs

„Der Krieg und ich“ schildert Kindern den Zweiten Weltkrieg und das Grauen des Holocausts. Auf dieser Gratwanderung findet die Serie einen Weg, den Jüngsten darzustellen, was das NS-Regime anrichtete.

          Wie und mit welchen Mitteln der Anschauung oder Einfühlung erzählt man Kindern im Fernsehen vom unvorstellbaren Grauen in Auschwitz, und warum sollte man es überhaupt tun? Ab welchem Alter traut man, mutet man Kindern Sensibilität ohne Seelenzerstörung zu, zeigt ihnen diese Hölle auf Erden, und zu welchem Bildungszweck tut man es? Wie detailgenau kann man, muss man, darf man schildern, ohne „kindlich“ zu verharmlosen, gefühlig zu verkitschen oder die Opfer zu erniedrigen?

          Wenn schon fiktionale „Erwachsenenfilme“ wie etwa Philipp Kadelbachs Neufassung von „Nackt unter Wölfen“ (2015) nach Bruno Apitz’ Buchenwald-Bericht Kontroversen über die Darstellung, die Angemessenheit, die angebliche Zurschaustellung von sadistischer Gewalt und industriell betriebener Tötung bewirken? Doch erkennen nicht gerade Kinder besser als Erwachsene das Unechte grau geschminkter Gesichter in schlotternden Kleidungsfetzen und mit aufgemalten Folterspuren? Werden SS-Aufseherinnen vielleicht umgehend zu phantastischen Märchenhexen umgedichtet? Ist für die Historie nicht besser die Schule zuständig oder das Elternhaus? Oder sollte doch das Kinderfernsehen sich in eigenen Produktionen mit Auschwitz befassen?

          Hitler-Jugend und Zwangsarbeit

          Die achte und letzte Folge des medienpädagogisch umfassend begleiteten europäischen Kinderfernsehprojekts unter Federführung des SWR „Der Krieg und ich“, ist zugleich die heikelste. Bis man mit der vierzehnjährigen tschechoslowakischen Jüdin Eva Ende 1944 nach Auschwitz kommt, hat man schon viele Facetten des Zweiten Weltkriegs gesehen, Standpunkte gehört, Schuld wurde benannt, von Solidarität und Hoffnung berichtet, aber auch betont, dass es Mitmenschlichkeit nur hier und da gab.

          Auf eine „Reise“ in die Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs wolle man die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer (etwa ab acht) mitnehmen, in den Alltag von Kindern in verschiedenen Ländern, die den Krieg erlebten, so heißt es jeweils im Vorspann der Sendungen. Regisseur Matthias Zirzow verwendet Mittel des Dokudramas zur Verdeutlichung. Jeweils ein Kind erzählt die Episode aus seiner Sicht, das ist seit der langlebigen exzellenten Kinderdokureihe „Schau in meine Welt“ bewährt. Als Dokumentarin im Hintergrund spricht Petra Schmidt-Schaller erläuternde, informierende und vertiefende Kommentare. Ihre Stimme, betont sachlich und zurückhaltend anteilnehmend zugleich, ist ein großer Glücksfall für das Gratwanderungsprojekt „Der Krieg und ich“ (zu dem es schon einen Vorläufer über den Ersten Weltkrieg gibt). Die Spielszenen mit den jugendlichen Darstellern sind durchweg geglückt, Archivaufnahmen und nachgesprochene Zeitzeugendokumente ergänzen das Programm. Als besondere Idee aber überzeugt der Einfall, Spiel- und Dokumentaraufnahmen immer wieder durch bis ins Kleinste nachgebildete Miniaturspielweltszenen zu distanzieren und zu abstrahieren.

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