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KI mit Humor : Erica weiß, wann sie lachen muss

Wer den Avatar Erica zum Date trifft, kann sich vieler Lacher sicher sein. Bild: Inoue et al.

Humor ist eine wichtige menschliche Eigenschaft – macht sie den Menschen auch einzigartig? Eine japanische künstliche Intelligenz hat jetzt zumindest gelernt, an den richtigen Stellen mitzulachen.

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          Auch wenn die Welt derzeit wieder düster erscheint, so liegt es doch an uns, sie humorvoll etwas heller zu gestalten – schon allein aus kommunikativem Eigennutz. Wer lacht und lachen lässt, macht sich beliebt. Ein Datingportal hatte das mal für Alleinstehende erhoben: Neun von zehn Sin­gles wollen demnach von ihrem Partner zum Lachen gebracht werden, drei von vier erwarten, dass ihr Partner sie lustig findet.

          Warum das so ist, wissen evolutionsbiologisch bewanderte Psychologen: Humor ist ein Fitnessindikator, denn er verweist auf kognitive Flexibilität, auf ein tiefes Verständnis menschlichen Verhaltens und kommunikatives Geschick. „Der Mensch ist das einzige Tier, das lacht und weint. Denn er ist das einzige Tier, das den Unterschied erkennt zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte“, hatte schon vor zweihundert Jahren der englische Schriftsteller William Hazlitt beobachtet. Und es stimmt: Wer lustig sein will, indem er mit dem Missverhältnis von Erwartetem und Erfahrenem spielt, muss einiges wissen über mentale Muster der eigenen Spezies und die Beschaffenheit unserer zu großen Teilen implizit verstandenen Lebenswelt. Aber vermag das wirklich der Mensch allein?

          Wer beobachtet, wie schwer sich Wissenschaftler damit tun, eine humorvolle Künstliche Intelligenz zu entwickeln, mag das fast glauben. Bislang sind entsprechende KI-Agenten zumeist nur unfreiwillig komisch. Japanische Wissenschaftler haben nun aber zumindest eine KI präsentiert, die es beherrscht, an den richtigen Stellen mitzulachen. Sobald sie aufseiten ihres Gesprächspartners ein Lachen bemerkt, ermittelt sie, ob es angemessen ist, in dieses einzustimmen. Falls ja, bleibt noch als letzter Schritt zu entscheiden, ob eher ein subtil-zustimmendes „soziales Lachen“ oder doch ein herzhaft-amüsiertes „heiteres Lachen“ die richtige Wahl ist.

          Getestet wurde das System im zweifachen Vergleich mit einer KI, die bei jeder Gelegenheit undifferenziert mitlachte, und einer völlig ernsten. Das Ergebnis war eindeutig: Die nur ausgewählt lachende KI wurde von Testpersonen als empathischer, natürlicher, menschlicher und verständnisvoller eingeschätzt – bemerkenswert, denn vom Inhalt des Dialogs hatte die KI, das heben die Forscher hervor, keine Ahnung.

          Die experimentell untersuchten Gespräche zwischen Mensch und Maschine fanden im Übrigen im Kontext eines nachgestellten ersten Dates zwischen männlichen Probanden und der KI-Puppe „Erica“ statt. Was es evolutionsbiologisch bedeuten mag, dass auch verständnisloses Mitlachen vom Flirtenden so positiv beurteilt wird, ließen die Wissenschaftler allerdings unbeantwortet.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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