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KI-Doku im Ersten : Google zerschlagen, dereinst

Ranga Yogeshwar mit Prof. Hugh Herr vom MIT Media Lab in der Dokumentation „Der große Umbruch“ Bild: WDR

Angesichts der zunehmenden Aushöhlung von Privatsphäre durch Künstliche Intelligenz muss die Digitalpolitik dringend handeln. Das führt Ranga Yogeshwar in einer Fernsehdokumentation eindrucksvoll vor Augen.

          In den Europawahlkampf zieht sie für die SPD mit dem Satz wahrscheinlich nicht, aber aufhorchen lässt, was Bundesjustizministerin Katarina Barley dem Journalisten Ranga Yogeshwar ins Mikro sagt, trotzdem. Irgendwann, sagt sie, müsse man wohl darüber nachdenken, Google zu zerschlagen. Das Kartellrecht achte bei einem solchen Konzern zwar auf Umsatz und Marktanteile, aber nicht auf die Datenmenge, welche die Firma anhäufe. Dabei müsse man auch diese in Rechnung stellen, um die Rolle von Google zu ermessen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das ist ein neuer Ton, den man so, zumal von Sozialdemokraten, zur Digitalpolitik eher selten hört, den Katarina Barley aber schon nach der Berlin-Visite des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche bemühte. Warum die Politik „dringend handeln“ muss, führt Ranga Yogeshar in seiner Dokumentation „Der große Umbruch“, die heute Abend im Ersten läuft (22.45 Uhr), eindrucksvoll vor Augen. Zu einem vor drei Jahren angemeldeten Google-Patent, das davon handelt, dass in einem Haushalt nicht nur Gespräche, sondern sämtliche Geräusche aufgezeichnet, in die Datenbank aufgenommen und algorithmisch durchgerechnet werden, weiß ein Marketingmann des Konzerns nichts zu sagen außer dass Google viele Patente anmelde, aus denen aber nicht zwingend eine Anwendung hervorgehe.

          Wie eine derart angelegte totale Überwachung realiter aussieht, besichtigt Ranga Yogeshwar im chinesischen Shenzen, in dem die Menschen dank allgegenwärtiger Kameras einer Tag-und-Nacht-Observation unterliegen. Im Silicon Valley sammelt er Eindrücke aus einer Welt, in der es im Amazon-Go-Laden keine Verkäufer mehr gibt und im Coffeeshop nebenan ein Roboter als Barista fungiert. Sehr weit entfernt von dem vollständig computerisierten Restaurant, das Yogeshwar in China besucht, ist das nicht.

          Und auch bei den zunächst nur Positives verheißenden Anwendungen Künstlicher Intelligenz in der Medizin (Krebs- und Parkinson-Früherkennung) stelle sich, sagt Yogeshwar, die Frage, die nur der Mensch beantworten könne: Wie sinnhaft ist dieser Fortschritt, an welchem Punkt gilt es für die Gesellschaft, Grenzen zu formulieren? Es wäre schön, wenn dieser Ansatz endlich die Digitalpolitik bestimmte.

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