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Google in China : Flug der Libelle

Operation „Dragonfly“: Google hat angeblich Pläne für China. Bild: Reuters

Kehrt der Digitalkonzern Google nach China zurück? Stellt sich die Suchmaschine auf die dortige Zensur ein? Dokumente, von denen das Enthüllungsportal „The Intercept“ berichtet, werfen Fragen auf.

          Von der Libelle kann man sich einiges abschauen. Ihr Flugverhalten ist phänomenal. Vier Flügel, jeder mit eigenem Antrieb. Libellen sind schnell, beschleunigen extrem, fliegen enge Kurven, stoppen abrupt und stehen auf der Stelle. Das fasziniert nicht nur Hubschrauberhersteller, sondern auch Entwickler, die sich mit computergestützter Überwachung beschäftigen. Ob das geheime Programm, mit dem der amerikanische Digitalkonzern Google angeblich gerade seine Rückkehr nach China vorbereitet, deshalb unter dem Codenamen „Dragonfly“ (Libelle) läuft?

          Unter dem Radar der chinesischen Zensur jedenfalls würde Google nicht schwirren, wenn stimmt, was das Enthüllungsportal „The Intercept“ Unterlagen entnimmt, die ihm zugespielt wurden. Folgt man diesen, würde Google mit seiner Suchmaschine den Vorgaben der Zensur vielmehr entsprechen und staatsdoktrinkonform einfliegen. Begriffe wie „Menschenrechte“, „Demokratie“ oder „Religion“ würden blockiert. Die vermeintliche Suchmaschine mutierte zum Informations-Blocker und Propagandainstrument.

          Noch, so scheint es, befindet sich dieses in der Beta-Phase, sorgt konzernintern aber schon für größte Verwirbelungen. „Wir kommentieren keine Spekulationen über zukünftige Pläne“, sagte ein Google-Sprecher zu dem, was inzwischen auch die „New York Times“ und die Agentur Reuters aus eigenen Quellen in Erfahrung gebracht haben wollen. Das ist weniger als ein halbes Dementi. Ein ganzes, echtes Dementi der Pläne, auf das man vorsichtshalber nicht so viel geben sollte, kommt derweil aus China. Dort berichten Staatsmedien, es sei nicht wahr, dass Google zurückkehre.

          2010 hatte der amerikanische Konzern seine Zelte in China größtenteils abgebrochen, weil er mit seinen Diensten den Vorgaben der Zensur eben nicht entsprechen wollte – nicht mit der Suchmaschine und auch nicht mit dem Videoportal Youtube. Zu der digitalen Totalüberwachung, der China seine Bürger unterzieht, der Vergabe von Sozialpunkten für Wohlverhalten und dem Rechteabzug bei unerwünschtem Betragen, würde eine automatische Vorzensur passen, zu dem Wahlspruch, mit dem Google einmal angetreten ist – „Don’t be evil“ –, allerdings nicht.

          Aber vielleicht zu dem Motto, mit dem der Google-Mutterkonzern Alphabet seit 2015 antritt? „Do the right thing.“ Der klingt ausgesprochen wertfrei. In diesem Fall könnte er bedeuten, dass man, will man auf dem chinesischen Markt mit seinen 730 Millionen Internetnutzern landen, eben nur das „Richtige“ tun muss, vulgo: sich mit der Zensur anfreunden. Die Libelle, sagte der Publizist Sebastian Kleinschmidt in der Frankfurter Anthologie zur Interpretation eines Sonetts von Christian Lehnert, sei das Wesen „einer Achtsamkeit in alle Richtungen“, das Inbild des geheimnisvollen Innehaltens“. Klingt schon eher nach der Operation „Dragonfly“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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