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Katalonien-Konfllikt : Lügen und Verleumdungen

Separatisten protestieren gegen eine Sitzung der spanischen Zentralregierung Bild: dpa

Das internationale Pen-Zentrum erhebt Anschuldigungen gegen den Rechtsstaat - und Mario Vargas Llosa verlässt es. Die Schriftstellerorganisation hat sich weit auf politisch vermintes Gelände vorgewagt.

          Katalonien polarisiert nun auch den Pen. Kurz bevor im Februar in Madrid der Prozess gegen neun führende Separatisten beginnt, zeigt sich, wie gespalten Schriftsteller in Spanien und dem Rest der Welt im Streit um die katalanische Unabhängigkeit sind. Unter Protest hat jetzt Mario Vargas Llosa die internationale Schriftstellerorganisation verlassen. Der Pen, dessen Präsident er einst war, verbreite „Lügen und Verleumdungen“ über Katalonien.

          In Spanien hatte sich das internationale Pen-Zentrum, das sich als Verteidiger der Meinungsfreiheit versteht, weit auf politisch vermintes Gelände vorgewagt. In der jüngsten Erklärung zum Katalonien-Konflikt machte es sich die Sichtweise des Pen-Zentrums in Barcelona zu eigen. Mit schweren Vorwürfen gegen den spanischen Rechtsstaat stieß es nicht nur zahlreiche Pen-Mitgliedern, sondern auch viele Spanier vor den Kopf: Die Justiz verfolge zwei führende Separatisten, nur weil sie „friedlich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung“ ausgeübt hätten, heißt es in dem Kommuniqué. Die Anklage wegen Rebellion gegen Jordi Cuixart und Jordi Sànchez sei „übertrieben“. Beide müssten sofort freigelassen werden.

          Drastische Worte

          Als Vorsitzende der zwei größten separatistischen Organisationen hatten Cuixart und Sànchez im September 2016 zu Protesten vor dem Wirtschaftsministerium in Barcelona aufgerufen. Demonstranten hinderten damals Ermittlungsbeamte daran, das Ministerium zu verlassen, das sie zuvor durchsucht hatten. Kritik an der harschen Reaktion der Justiz hatte es schon zuvor gegeben, besonders an der Untersuchungshaft, in der beide seit mehr als einem Jahr sitzen, und an der Anklage wegen Rebellion, derentwegen ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu siebzehn Jahren droht. Aber der internationale Pen-Verband ging darüber hinaus und erweckte den Eindruck, als handelte es sich um politisch Verfolgte, die unter einem Unrechtsregime leiden.

          Man muss nicht so drastische Worte wählen wie Mario Vargas Llosa, der dem Pen vorwarf, katalanische „Putschisten“ zu unterstützen. Vargas Llosa bezeichnete das Pen-Zentrum in Barcelona als „militantes Organ der katalanischen Unabhängigkeit“. Der Schriftsteller vertritt in Spanien schon länger nationalkonservative Positionen. Am Wochenende war er Ehrengast auf dem Parteitag der konservativen Volkspartei. Aber sein Hinweis darauf, dass die beiden Separatisten nicht wegen ihrer politischen Ideen vor Gericht stehen werden, ist berechtigt. Sie und die anderen Separatisten sind angeklagt, mit der vom Verfassungsgericht untersagten Volksabstimmung über die Unabhängigkeit die spanische Verfassung verletzt zu haben. Solche Klarstellungen brauchten viele Pen-Mitglieder jedoch gar nicht. Nur vierzehn der insgesamt mehr als hundertvierzig Pen-Zentren unterzeichneten bisher die Erklärung.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

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