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Menschik illustriert Llosa : Freiheit und Eros

Der peruanische Nobelpreisträger im Februar dieses Jahres in Madrid: Es geht immer um die libertad! Bild: dpa

Ein bibliophiles Geschenk zum achtzigsten Geburtstag: Mario Vargas Llosas Erzählung „Sonntag“ erscheint wunderschön illustriert in der Insel-Bücherei.

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          Mario Vargas Llosa ist der wirkmächtigste Intellektuelle des lateinamerikanischen Kontinents. Dass seine Kraft als Erzähler nachlässt, hat daran nichts geändert. Mit unvermindertem Eifer tritt der peruanische Nobelpreisträger als Sprachrohr der spanischen Welt auf, verteidigt in der ehemals linksliberalen Zeitung „El País“ den Neokapitalismus oder den Stierkampf und attackiert mit demselben Schwung den Niedergang der Hochkultur und die subventionierte Abmagerung des Denkens zugunsten des Gefühls.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Der politische Kopf Vargas Llosa ist ohne den Erotiker allerdings nicht zu haben. Einem seiner berühmtesten frühen Romane, „Das grüne Haus“, hat er einen interessanten Essay gewidmet. Einer der Antriebe, so heißt es in der „Geheimen Geschichte eines Romans“ (1971), sei die Existenz jenes geheimnisvollen grünen Hauses auf der anderen Seite des Flusses gewesen, in welchem augenscheinlich nur Damen wohnten und das sich erst abends durch den Besuch von Herren mit Tanz, Lärm und Musik füllte. In Vargas Llosas Phantasie führte das Bordell seiner Jugend eine eigentümliche Doppelexistenz: Für den Sechzehnjährigen und seine Freunde war es der prosaische Schauplatz schneller Lustbefriedigung, an dem man am Wochenende das Taschengeld verjubelte; für den Neunjährigen dagegen ein magischer Ort geheimen Wissens.

          Lebensgefährliches Wettschwimmen in der Dünung: Illustration von Kat Menschik.

          Eros ist auch in der Erzählung „Sonntag“ aus dem Jahr 1959 gegenwärtig, die der Suhrkamp Verlag seinem Autor jetzt als bibliophile Gabe – in neuer Übersetzung durch Thomas Brovot und mit eleganten Illustrationen von Kat Menschik – zum runden Geburtstag überreicht. Miguel, der Ich-Erzähler, Angehöriger der Jugendbande „Die Rabengeier“, muss sich mit seinem Kumpel Rubén um die Gunst der schönen Flora balgen. Früher hieß das einmal romantisches Sehnen.

          Freiheit als wichtigsten Baustein des Gemeinwesens

          Es steht auch nicht im Widerspruch zum Saufwettbewerb, in dem Miguel seinen Konkurrenten bezwingen will, oder dem lebensgefährlichen Wettschwimmen in der Meeresdünung. Konzentriert, ganz den Schauplätzen hingegeben, feiert der Autor in seiner Frühzeit nicht nur Eros, sondern auch Mut und Tapferkeit. Wahrscheinlich würde einem der Autor erklären, dass sie derselben Wurzel entspringen, nämlich dem unbändigen Drang nach Freiheit.

          Nimmt man die spanische libertad als dicksten Stein im Wertegebäude des Mario Vargas Llosa, lässt sich vieles in seinem Werdegang damit erklären: dass er die organisierten Religionen für spirituell nützlich, als moralischen Zuchtmeister der Gesellschaft jedoch für eine Zumutung hält; dass er es auf sich nahm, drei Jahre seines Lebens der Politik zu opfern und praktisch zu durchleben, worüber er zuvor nur theoretisiert hatte; dass er schöpferische Freiheit – und die Offenheit der ästhetischen Form – vor jeder Spielart der Gängelung, Bevormundung oder Zensur verteidigt. Die Freiheitsgarantien für Künstler werden in den Augen von Vargas Llosa zur wahren Probe aufs Exempel eines jeden Gemeinwesens.

          Frei und furchtlos war der Autor ebenfalls, als er sich – schon jenseits der siebzig – mit der spanischen Schauspielerin Aitana Sánchez-Gijón auf Madrider Theaterbretter wagte, um den hübschen Kerl zu geben, der er früher einmal war. Und als Ausbruch in die Freiheit, vermutlich auch zum Eros dürfte er es empfunden haben, als er sich letztes Jahr nach fünfzig Ehejahren von seiner Frau Patricia trennte und eine landesweit betuschelte Romanze mit Isabel Preysler begann, der ehemaligen Frau von Julio Iglesias und einer wandelnden Hommage an die Restaurationsmöglichkeiten der kosmetischen Chirurgie. Wenn die Blitzlichter der Paparazzi und die Artikel in den Klatschblättern der Preis seien, den er für sein Liebesglück zu bezahlen habe, sagte Vargas Llosa neulich in Madrid, dann werde er ihn eben entrichten. Am Ostermontag – furchtlos bis zuletzt – wird er achtzig.

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