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Kasseler Wilhelmshöhe wird Weltkulturerbe : Vorzeigekunst des Absolutismus

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Absolutistische Prachtentfaltung: die Wasserspiele auf Wilhelmshöhe mit dem Herkules auf der Spitze Bild: dpa

Ein leuchtendes Beispiel absolutistischer Landschaftskunst: Das Welterbekomitee nimmt die Kasseler Wilhelmshöhe in die Liste der Weltkulturdenkmäler auf.

          Der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe ist seit Sonntag Weltkulturerbe. Mit der Eintragung in die begehrte Liste der UN-Kulturorganisation steht der Park mit dem gut acht Meter hohen Herkules als Wahrzeichen in einer Reihe mit den Pyramiden von Giseh und der Altstadt von Florenz als herausragendes Kulturdenkmal. „Die Freude ist groß“, sagte der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Gerd Weiß, in Phnom Penh.

          Die Experten würdigten die Anlage mit den Wasserspielen einhellig als hervorragendes Beispiel aus der Ära des europäischen Absolutismus. Nur mit der Aussprache von „Wilhelmshöhe“ hatte der kambodschanische Vorsitzende des Komitees seine Mühe: Er ließ den Hammer schließlich zugunsten des Antrags „Wilmschöh“ fallen. Es ist die 38. Welterbestätte in Deutschland.

          Die Löwenburg in wuchernder Naturkulisse

          „Kassel ist damit nicht mehr nur als Documenta-Stadt bekannt, die alle fünf Jahre die aktuelle Kunstszene anzieht, sondern wird ein Treffpunkt für Leute, die an der Landschafts- und Gartenarchitektur interessiert sind“, sagte Weiß. Er bezeichnete den Herkules als erste künstlerisch gestaltete Großfigur und damit Vorläufer der Freiheitsstatue. Kassel hatte schon in den achtziger Jahren Interesse an einer Eintragung der Wilhelmshöhe in die Welterbeliste angemeldet. Mit dem Mauerfall geriet der Antrag vorübergehend ins Hintertreffen, weil die Bundesregierung zunächst mehr Natur- und Kulturdenkmäler aus den neuen Bundesländern zur Aufnahme vorschlug.

          Im kommenden Jahr will Deutschland den Welterbestatus für das mehr als 1200 Jahre alte ehemalige Benediktinerkloster Schloss Corvey bei Höxter in Nordrhein-Westfalen beantragen. Dann findet die Welterbesitzung in Katar statt.

          Blick auf die wuchtige Herkules-Statue

          Welterbestätten gibt es in mehr als 150 Ländern. Dazu gehören Naturlandschaften wie das Obere Mittelrheintal und Bauwerke wie die Chinesische Mauer. Für viele Länder ist es eine Frage der Kapazität, wie oft sie den aufwendigen Prozess eines Antrags auf Aufnahme in die Liste bewerkstelligen können. Besonders emsig waren seit dem Start der Liste in den siebziger Jahren die Italiener: sie sind mit mehr als 45 Stätten Welterbe-Weltmeister, dicht gefolgt von China und Spanien. Dahinter liegen Frankreich, Deutschland und Mexiko. Ägypten hat sieben Welterbestätten, Griechenland siebzehn, und die Vereinigten Staaten haben 21.

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