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Kaspar Hausers Rätsel, zweiter Teil : Sargverlust in der Fürstengruft

  • -Aktualisiert am

Dieser Kindersarg des namenlosen badischen Erbprinzen gilt inzwischen als verschollen Bild: Denkmalpflege Karlsruhe

Die Fürstengruft in Pforzheim gehört Baden-Württemberg, doch wo sind die Überreste der beiden badischen Erbprinzen? Die Geschichte eines Sargverlusts.

          Erstaunliches ist in Sachen Kaspar Hauser geschehen, seitdem die F.A.Z. den Nachweis führte, dass die Pforzheimer Fürstengruft mitsamt den dort aufgestellten Särgen dem Land Baden-Württemberg gehört. Das zuständige Finanzministerium in Stuttgart, das noch im Jahr 2006 verlautbart hatte, in der Gruft stehe der Sarg des namenlosen badischen Erbprinzen, der mit der Geschichte um Kaspar Hauser in Verbindung gebracht wird, musste nun das Verschwinden ebendieses Sarges einräumen. Auch der Sarg des 1817 gestorbenen Erbprinzenbruders Alexander fehlt: Bereits Anfang der achtziger Jahre habe man im Zuge einer Bestandsaufnahme davon erfahren, so heißt es im Finanzministerium. Bernhard von Baden bestätigte gegenüber den „Badischen Neuesten Nachrichten“ nun ebenfalls das Fehlen „zweier Kindersärge“, um das er schon länger wisse.

          Weshalb das Land den Verlust der Erbprinzensärge nicht schon früher zugegeben hat, erschließt sich nicht. Wäre es darum gegangen, unliebsame Zutrittsbegehren zur Gruft abzuwehren, hätte man schon längst auf den Sargverlust hinweisen können. Abgehalten hätte ein solcher Hinweis wohl kaum jemanden. Bekanntlich ist eine Lösung des Rätsels um Kaspar Hauser aber trotz des eingetretenen Verlusts möglich. Denn Material zum Abgleich der DNS des geheimnisumwitterten Findelkindes kann dem Sarg der Großherzogin Stephanie entnommen werden, der - vermeintlichen - Mutter Hausers.

          Die Särge seien 1984 noch vorhanden gewesen

          Offiziell heißt es, die Kindersärge seien vermutlich in der unmittelbaren Nachkriegszeit aus der Grablege verschwunden. Gegen diese Aussage spricht der Bericht des Pforzheimer Heimatschriftstellers Oskar Trost, der noch im Jahr 1962 davon schreiben konnte, neben dem Sarg der Großherzogin Stephanie stünden die „zwei Kindersärge ihrer beiden jung verstorbenen Söhnchen“ - die Särge mit den Nummern 24 und 23. Särge mit diesen Platznummern konnten die 1983 tätigen Restauratoren jedoch nicht mehr vorfinden. Erklären lässt sich dieser Umstand mit einer zwischenzeitlich vorgenommenen Umnumerierung und Umstellung der Särge. Eine Verwechslung war zudem leicht möglich, weil die Inschriften kaum noch zu entziffern waren. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Erbprinzensärge noch Anfang der achtziger Jahre in der Gruft befanden.

          Vor diesem Hintergrund gewinnt das Zeugnis des Stuttgarter Verlegers Johannes Mayer an Bedeutung, der im Jahr 1984 die Gruft begehen konnte. Dem Verleger war damals gelungen, was kaum jemandem sonst gelang: Er konnte in die eigentlichen Grufträume und musste nicht im Verbindungsgang vor dem Absperrgitter stehen bleiben. Dies war ihm als Begleiter des damals zuständigen Amtsleiters erlaubt, wie er erzählt. Anlass für diese Gruftbegehung war das von den Restauratoren festgestellte Fehlen zweier Kindersärge. Ausgestattet mit vergrößerten Abbildungen der Erbprinzensärge, prüfte Mayer den Sargbestand - sein Ergebnis: „Der Sarg mit dem namenlosen Erbprinzen war damals vorhanden. Ich habe ihn eigenhändig vermessen.“ Auch der Sarg seines Bruders Alexander sei noch da gewesen, so sagt Mayer, der im Übrigen das Fehlen zweier anderer Särge bestätigt. Schenkt man dem Glauben - und die vom Verleger vorgelegte Korrespondenz spricht dafür -, so müssten jetzt nicht nur zwei Särge fehlen, sondern insgesamt vier: Denn zu den von Johannes Mayer als verschollen konstatierten Särgen wären nach 1984 noch die beiden Erbprinzensärge hinzugekommen.

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