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Karrieren : Ich glaub', diesmal wähl' ich den Alexander

  • -Aktualisiert am

Daniel muß gehen. Die Moderatoren Spengemann und Hunziker bleiben noch eine Woche Bild: dpa

Anschwellender Faunsgesang und unser aller siebter Sinn: Warum die „Superstars“ ohne Daniel Küblböck ins Finale gehen, der am Samstag nicht nur den Wettbewerb, sondern auch seine Unschuld verlor.

          Es war eine bemerkenswerte Trias, die vorgestern nacht das Halbfinale der Superstar-Show von RTL bestritt: Juliette, perfekt wie ein Altstar nach dreißig Jahren Bühne, die Stimme phänomenal, auch die Gestik, die Mimik; alles, vom höchsten Ton bis zum kleinsten Augenzwinkern, kopiertes Weltniveau, gemischt zur stupenden Computeranimation eines Superstars. Ihr Konkurrent Alexander: ein aufgeschossener Junge, der mit der traumwandlerischen Perfektion eines Kindes und mit atemberaubend wandlungsfähiger Stimme den Ton Erwachsener und das Gehabe verschiedenster Mannsbilder beherrscht, vom Sexprotz bis zum Sensibilisten, von Joe Cocker über Robbie Williams bis zu Xavier Naidoo.

          So kurz vor dem Ziel hatten beide Bewerber die Lieder dieser Samstagnacht förmlich in sich hineingefressen und so lange gewendet, bis etwas Eigenes herauskam: Die epochale "Titanic"-Schnulze "My Heart Will Go On", 2001 von Celine Dion ultimativ als Triumph unter Tränen gesungen, wurde bei Juliette zu einem tragisch mattierten Nachtlied. "You Can Leave Your Hat On", das man, einmal von Joe Cocker gehört, nie mehr anders hat denken können denn als anschwellenden Faunsgesang, wurde bei Alexander zur Ekstase eines Neulings, der gerade die zügellose Begierde für sich entdeckt hat.

          Singalong über die Schönheit

          Sogar Daniel, der Kobold des Trios, schaffte es diesmal, mehr zu bieten als den gewohnten zwittrigen Zickzackkurs, der mit Musik so viel zu tun hatte wie Seehasenrogen mit Beluga-Kaviar: "Pretty Woman", bei Roy Orbison eine Caruso-Arie des Rock, wurde zum nicht geschlechtslosen, aber den Geschlechtern enthobenen Singalong über die Schönheit. "Born to Be Wild", das für ihn, das personifizierte Dementi dieser Selbstfeier des Männlichen, zum Fiasko vorbestimmt schien, geriet zum sich selbst über die Schultern schauenden Wüten gegen die Enge der offenen Gesellschaft. Nicht alle, aber fast alle Töne traf der Irrwisch diesmal; allein das war bei seiner horrenden Amusikalität ein Wunder.

          "Ich glaub', diesmal wähl' ich den Alexander": Dieses in der Halbzeit verkündete Urteil einer bis dahin von Daniel gebannten Zehnjährigen kündigte das Debakel an. Doch noch schien es unmöglich. Denn gewiß über die Hälfte der mehr als elf Millionen Zuschauer hatte seinetwegen eingeschaltet: Daniel Küblböck, siebzehn Jahre, ein Hänfling mit Nana-Mouskouri-Brille und -Augen, rührend strähniges Langhaar, aufgesetzt unbefangen, sprudelndes Geplapper über Gott und die Welt, Platitüden von geradezu göttlicher Naivität, das Bekenntnis, beide Geschlechter zu lieben. Dazu Sekundenbruchteile, in denen ein Greis abzuwinken schien, Nervenzusammenbrüche vor laufender Kamera - und über allem ein stetes Lächeln, das nicht wegen der kerngesunden weißen Zähne und der perfekt geschminkten Lippen, sondern seiner entwaffnenden Werbung wegen aufleuchtete wie zehntausend Watt.

          Daniels Triumph

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