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Ibizagate : Das Philippa-Melania-Remake

Der österreichische Politiker Heinz-Christian Strache mit seiner Frau Philippa Bild: dpa

Philippa Strache hält zu ihrem Mann wie Melania Trump zu ihrem. Und nennt ihn ein „Opfer“. Kann sie das Böse normalisieren?

          Es war mal in der „Girl“ oder dem „Mädchen“, vielleicht vor fünfzehn Jahren. Da stand in Rosa auf dem Titel: „Warum können wir Bad Boys nicht widerstehen?“ In dunkelster Erinnerung ging die Erklärung der Mädchenzeitschrift ungefähr: „Weil wir auf Abenteuer stehen.“ Und es gab Tipps, wie man die Bad Boys „zähmen“ kann: „Seid keine Zicken“ und „seid selbstbewusst“, stand da wahrscheinlich, weil damals immer so etwas in solchen Magazinen stand.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wozu jetzt aber an die alte Teenie-Zeitschrift denken? Weil es im Heute auch um Teenies geht, genauer: um ein sogenanntes „Teenagergehabe“. Und um ein Girl, das mit einem Ultra Bad Boy zusammen ist und bleiben will. Es heißt Philippa Strache, Ex-Model, Ex-Moderatorin, Ex-SPÖ-Angestellte, Ex-Vizekanzler-Ehefrau und immer noch Tierschutzbeauftragte der Freiheitlichen Partei Österreichs. In der vergangenen Woche hat auch sie endlich über die kurze, lange Nacht auf Ibiza gesprochen. Und dann noch über Liebe.

          So saß man vor dem Bildschirm und hat versucht, als Frau Philippa Strache zu verstehen. Sie – selbstbewusst und keine Zicke – trug immer schwarz, sah supergut aus, aber leicht banal. Und so war sie dann auch rhetorisch: „Ich habe von mir selber immer gesagt: Ich bin eigentlich keine Menschenfreundin, ich bin mehr eine Tierfreundin, aber ich bin es in der Woche geworden“, sagte sie auf oe24.tv, bedankte sich danach bei allen Unterstützern ihrer Partei, ihrer Familie. Das hörte sich beinahe bewegend an, doch schaltete man weiter, sah man auch etwas anderes.

          Eine kleine Familienarmee

          Auf dem Privatsender Puls 4 waren die Fragen etwas härter, trotzdem noch immer wie ein Kissen. Erst mal sagte Philippa, dass sie damals nicht mit war auf Ibiza, und dann mehrmals, dass der Mann in dem Video nicht der Mensch sei, den sie so kenne. Sie sagte immerzu die gleichen Worte: „Täter“ und „Falle“, „kriminell“ und „Alkohol“. Und gegen Ende stellte sie auch noch fest, dass ihr Mann „wie ein Opferlamm zur Schlachtbank geführt wurde“.

          War das der Wahnsinn oder Wahlkampf oder doch nur die große Liebe?, fragte man sich und glaubte als bewegte und gerührte Frau kurz an die Antwort „Liebe“. Doch dann kam eine andere Liebe in den Kopf, und es war klar, dass die Philippa-Show ein Remake ist. Das Original zeigte 2016 CNN, es war das Interview mit Donald Trumps Ehefrau Melania zur Grab-her-by-the-pussy-Sache. Melania war da in Weiß gekleidet und sprach von ihrer Überraschung, da der Mann in dem Tonmitschnitt nicht der Mensch war, den sie so kenne. Das wiederholte sie dann noch, wie es im anderen Film, im anderen Fall Philippa tat.

          Jetzt muss man selbstverständlich sagen, es ist das Recht Philippas und Melanias, sich zu verteidigen und Schaden zu minimieren. Doch die Frau, deren Ehemann vor Kameras und auf Ibiza Demokratie, Meinungsfreiheit, ein ganzes Land verkaufen wollte, dreht alles weiter, als es die First Lady Amerikas je konnte. Denn durch ihre Natürlichkeit, die Trumps Melania nie hatte, kann Philippa das Böse verharmlosen, normalisieren – das hat sie schon vor dem Ibiza-Film getan. Und jetzt macht sie es auch noch zu einem Opfer – die Rolle, die man ihrem Mann nach seinem Sommer-T-Shirt-Auftritt nicht mehr hätte abkaufen können.

          Ihr aber schon, denn sie ist schön, sympathisch, eine junge Mutter, die Liebe zeigt und Stärke, wie auch im Interview mit der „Bunten“ diese Woche: „Wir sind, wenn Sie es so wollen, eine kleine Familienarmee“, sagte Philippa Strache da. Und vielleicht wegen der Kriegsmetapher dachte man dann kurz und vollkommen unverhältnismäßig an eine andere Bösewicht-Ehefrau – ja, Eva Braun. Doch die war sofort wieder weg aus den Gedanken, weil deren Mann ja um einen kleinen, großen Weltkrieg böser war.

          Es blieb nur die Erinnerung an diese alte Mädchenzeitschrift, die sich irrte: Denn auf Bad Boys stehen sehr sicher die, die selbst nicht wirklich gut sind.

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