https://www.faz.net/-gqz-8tyx6

Kampf gegen Medien : Trump Bump

  • -Aktualisiert am

Quotenrekorde dank „POTUS“: Alec Baldwin in der Satiresendung „Saturday Night Live“ zusammen mit Kate Kinnon als Hillary Clinton. Bild: AP

Die „New York Times“ ist zu Trumps Lieblingsgegner avanciert. Das hat nicht nur Nachteile, denn das Blatt zählt viele neue Abonnenten – wie auch andere Medien, die sich mit dem Präsidenten anlegen.

          2 Min.

          Nicht nur Wrestler bringen, wenn sie sich mit Kawumm auf ihre Gegner fallen lassen, den Ring zum Beben. Auch Donald Trumps Aufschlag im Präsidentenamt gleicht einem solchen „Bump“, und wie Faustschläge auf den Schreibtisch im Oval Office gehen auf die Weltöffentlichkeit Dekrete und Tweets des neuen „Potus“ nieder. Sie sollen wohl Schockwellen in die Arena senden, Kritiker von der Bühne stürzen und Verbündete in die Höhe heben.

          Doch zeitigt Trumps Seismik à la: „Die scheiternde @nytimes hat in Bezug auf mich von Anfang an falsch gelegen. Sagte, ich würde Vorwahlen verlieren, dann Wahl. FAKE NEWS!“ auf Twitter auch unerwartete Effekte. Zumal gerade aufgeflogen war, dass sein Sprecher in Sachen Zuschauerbeteiligung bei der Inauguration „alternative Fakten“ unters Volk gebracht hatte, die ins Reich der Fabel gehörten. Trumps Lieblingsgegner „New York Times“ wies das minutiös nach und bezog einmal mehr Social-Media-Prügel von Mr. President.

          Turmhohe Klickzahlen dank unterirdischer Gastronomie

          Das freilich kratzt die Zeitung nicht. Denn nach dem Prinzip von Stoß und Gegenstoß ist das Label „Anti Trump“ zum Marketingargument geworden: Im letzten Quartal 2016 hat die „New York Times“ mehr als eine Viertelmillion Digitalabonnenten gewonnen. Wird nun alles gut, weil der „Trump Bump“ alle im Netz wachrüttelt, die solide recherchierte Information und unabhängigen Journalismus für geboten halten und mehr wollen, als in Filterblasen abzuhängen oder sich mit Alternativfakten abfüttern zu lassen?

          Ganz so einfach ist das nicht. Eine Studie hat unlängst herausgefunden, dass wieder mehr Menschen den traditionellen Medien vertrauen. Der Anteil derjenigen, die genau das nicht tun, ist allerdings auch gewachsen. Trumps Amtsantritt hat weltweit Millionen Frauen auf die Straßen getrieben, aber die Zementhersteller, Putin, die amerikanische Kohle-, Öl- und Autoindustrie und Amerikas Banken reiben sich trotzdem die Hände – und „Vanity Fair“. Das Magazin, das von Trump als trauriges Blatt abgekanzelt worden war, nachdem es das Grillrestaurant im Trump Tower als gastronomisches Kellerlokal beschrieben hatte, konterte, die Trump-Story habe ihr turmhohe Klickzahlen im Netz beschert.

          Goldstarrende Fotostrecke

          Nach der Wahl hob „Vanity Fair“ die neue First Lady auf den Titel der mexikanischen Ausgabe. Das Bild der eine Perlenkette wie Spaghetti auf die Gabel rollenden Melania kann man als Kniefall deuten oder als raffiniertes Decouvrieren. Löste nicht schon die goldstarrende Fotostrecke mit Trump-Familie in der französischen Ausgabe des Blattes eher Grusel als Sympathie aus?

          Kniefall oder raffiniertes Decouvrieren? Melania Trump auf dem Titel der mexikanischen „Vanity Fair“.
          Kniefall oder raffiniertes Decouvrieren? Melania Trump auf dem Titel der mexikanischen „Vanity Fair“. : Bild: AFP

          Geschadet hat das Trump nicht. Aber dagegen, dass er auch diejenigen groß macht, die er kleinhalten will, kann er ebenfalls nichts tun. Seit Alec Baldwin in „Saturday Night Live“ den Trump gibt, macht die Satireshow satte Quote, je mehr sich der Präsident auf Twitter an dem Schauspieler abarbeitet, desto besser für diesen. Am raffiniertesten hat Megyn Kelly den Trump Bump als Karrierebooster genutzt. Erst legte sie sich als Moderatorin von Fox News mit dem Kandidaten Trump an, der tat ihr den Gefallen, sie sexistisch zu beschimpfen, prompt galt Megyn Kelly als Jeanne d’Arc des Journalismus. Es folgte ein Versöhnungsinterview – und nun wechselte sie für zwanzig Millionen Dollar den Sender. So wird der Trump Bump zur cash machine.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Bushidos Unterwerfung

          Doku-Serie : Bushidos Unterwerfung

          In der Doku-Serie „Unzensiert“ breitet der Rapper reumütig seine Wahrheit über die Trennung von der Unterweltgestalt Arafat Abou-Chaker aus. Allerdings hat diese Erzählung ein paar Lücken.

          Für freie Geister

          Auktionen in Berlin : Für freie Geister

          Ein neu auf den Auktionsmarkt kommender Max Beckmann steht an der Spitze der Offerte moderner und zeitgenössischer Kunst bei Grisebach in Berlin. Doch es gibt noch mehr zu entdecken.

          Topmeldungen

          Der Bär ist das Symbol für sinkende Kurse an der Börse.

          Nervosität am Aktienmarkt : Kursrutsch als Chance

          Die Aktienmärkte sind wegen der neuen Virusvariante nervös. Solche Momente sind meist gute Einstiegsgelegenheiten. Wo bieten sich noch Chancen?
          Maike Kohl-Richter im Juli 2018 neben einem Porträt ihres Mannes in Speyer

          Streit mit Ghostwriter : Kohl-Richter unterliegt vor BGH

          Maike Kohl-Richter steht der Schadenersatz von einer Million Euro nicht zu, den der frühere Kanzler im Streit mit seinem einstigen Ghostwriter zugesprochen bekommen hatte. Denn solche Ansprüche seien nicht vererbbar, sagt der BGH.
          Max Tegmark hinter der Schrödingergleichung.

          Interview mit Max Tegmark : „Verbietet tödliche autonome Waffen!“

          Was folgt aus der Pandemie und dem rasanten Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz? Ein Gespräch mit dem Physiker und Philosophen Max Tegmark über neue Technologien, konzentrierte Macht – und eine große Gefahr für uns alle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.