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Kamerafahrt : Von Ganoven, Gottesanbeterinnen und Collegegangs

  • -Aktualisiert am

Christiane Hörbiger ist „Die Gottesanbeterin” Bild: movienet

Das Kino dieser Woche wartet mit genialen Gangstern ebenso wie mit einer mordlustigen Gattin und pubertierenden Teenagern auf.

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          Diese Woche kann man sich im Kino so manche Lektion erteilen lassen. Wer es verbrecherisch liebt, kommt besonders auf seine Kosten. „Sass“ liefert ein authentisches Ganovenstück, und „Die Gottesanbeterin“ flirtet makaber mit dem Tod.

          Nur wer noch ein bisschen Nachhilfe in pubertären Leibesqualen braucht, schaut sich die Fortsetzung von „American Pie 2“ an. Statt Bad-Taste sorgen der Dokumentarfilm „Berlin Babylon“ und die türkische Komödie „Vizontele“ für anspruchsvollere Unterhaltung.

          Es ist angerichtet

          Die Gottesanbeterin verspeist das Männchen nach der Paarung. An dieser rigorosen Haltung nimmt sich Trixi (Christiane Hörbiger) offensichtlich ein Beispiel. Zum Glück ist ihr ungeliebter und äußerst geiziger Ehemann herzkrank. Doch nach dem erfolgeich verabreichten Medikamentenpunsch kommt Trixi erst so richtig auf den Geschmack am Morden. Auch die nachfolgenden Ehemänner werden Opfer der mordlustigen Hausfrau.

          Ben Becker und Jürgen Vogel als Vorzeigeganoven

          Dem österreichischen Regisseur Paul Harather, der seit seiner satirischen Komödie "Indien“ als Meister des schwarzen Humors gilt, gehen auch in seinem neuen Werk die makabren Ideen nicht aus.

          Die Gottesanbeterin, Österreich 2001, Regie: Paul Harather, Darsteller: Christiane Hörbiger, Udo Kier, Jan Niklas

          Erfolgreich verbrecherisch

          In den 20er Jahren trieben sie in Berlin ihr Unwesen, die Brüder Franz und Erich Sass ( Ben Becker und Jürgen Vogel). Mit spektakulären Einbrüchen machten die beiden einst als Bankräuber Karriere und avancierten zu Volkshelden.

          Regisseur Rola greift mit „Sass“ diesen authentischen Kriminalfall auf. Er setzt dem berühmten deutschen Verbrecherduo ein Denkmal und bemüht sich um ein authentisches Lokal- und Zeitkolorit.

          Carlo Rola hat sich zusammen mit Oliver Berben bereits erfolgreich mit der ZDF-Reihe "Rosa Roth" in der Fernsehbranche etabliert. Mit dem Gangsterepos geben Produzent Berben und Regisseur Rola nun ihr Kino-Debüt.

          Sass, Deutschland 2001, Regie: Carlo Rola, Darsteller: Ben Becker, Jürgen Vogel, Henry Hübchen

          Teenie-Hormone in Wallung

          Zu pubertieren ist nicht einfach. Das beweist die amerikanische Collegeclique aus „American Pie“, die hart an ihren ersten Sexerfahrungen arbeitet. Anderthalb Jahre nach dem Erfolg des ersten Teils der Teensex-Komödie „American Pie“ erfolgt nun die Fortsetzung. Auch diesmal ist die hormongeschüttelte Boygang wieder auf Jagd nach weiblichen Herzen. Jim und seine Kumpels Oz, Stifler, Kevin und Finch mieten sich für die Semesterferien ein Sommerhaus am See, um hemmungslos zu feiern.

          Anhänger der Bad-Taste-Komödie werden wohl auch diesmal auf ihre Kosten kommen.

          American Pie 2, USA 2001, Regie: James B. Rogers, Darsteller: Jason Biggs, Shannon Elizabeth, Alyson Hannigan

          Babylonische Verhältnisse

          Seit der Wende ist Berlin eine Baustelle. In den Jahren von 1996 bis 1999 versuchten Politiker zusammen mit Architekten, Bauherren und Beamten, das Bild der Hauptstadt neu zu prägen. Die zahlreichen Umbaupläne zielten darauf ab, moderne Elemente zu integrieren, ohne Berlin seiner geschichtlichen Prägung zu berauben. Diskutiert wurde etwa, ob man das von der DDR-Regierung 1950 gesprengte Berliner Stadtschloss wieder historisch getreu aufbauen solle. Oder aber auch, den Palast der Republik am Schlossplatz zu entfernen.

          Der Dokumentarfilmer Hubertus Siegert schildert diesen gewaltigen städtebaulichen Umbruchsprozess in „Babylon Berlin“ aus kritisch-ironischer Distanz und fängt so ein wichtiges Stück Zeitgeschichte ein.

          Berlin Babylon, Deutschland 1996-2000, Regie: Hubertus Siegert

          Kindheitsträume

          In „Vizontele“ bezaubert der türkische Regisseur Yilmaz Erdogan mit seinen poetischen Kindheitserinnerungen. In der Türkei konnte die Komödie bereits sämtliche Zuschauerrekorde brechen. Der Filmneuling Erdogan schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern agierte auch selbst als Hauptdarsteller und Regisseur.

          Vizontele, Türkei 2001, Regie: Yilmaz Erdogan, Ömer Faruk Sorak, Darsteller: Yilmaz Erdogan (Emin), Demet Akbag (Mutter Siti), Altan Erkekli (Nazmi), Cem Yilmaz (Fikri), Bican Günalan (Sezgin), u.a.

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