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Kamerafahrt : Verführung und Vergessen

  • Aktualisiert am

Unterwegs in der Wüste: Jeremy Irons und Patricia Kaas in „And now ... Ladies and Gentlemen” Bild: dpa

Ich will kein Glück, ich will Vergessen, sagen die Filme der Woche. Oder sie stemmen sich dagegen, im Namen von Nepal-Kennern oder B-Movie-Fans.

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          Steven Spielberg schickt Leonardo DiCaprio als Jäger der verlorenen Identität ins Rennen, und auch französische Filme verführen zum Vergessen.

          Vergangenheit, die nicht vergehen will

          Im französischen Drama And Now ... Ladies and Gentlemen mag Jane nicht mehr durch Hotelbars tingeln, und Valentin hat die Nase davon voll, alten Damen ihre Juwelen abzutricksen. Immerhin - Jane hat den Blues, denn sie wird gespielt von Patricia Kaas. Und Jeremy Irons hat als Valentin dank seiner Geschicklichkeit genug Vermögen gespart, um auf einer Segeljacht seiner ungeliebten Vergangenheit zu entfliehen. Sie wollen nicht Glück, sondern nur Vergessen. In Marokko treffen sich die beiden, bestimmt füreinander durch die Regie von Claude Lelouch.

          Stapelt hoch und fällt tief - Leonardo DiCaprio kennt kein Halten

          Gegenwart, die sich nicht halten lässt

          Was Patricia Kaas und Jeremy Irons suchen, haben Claire und Philippe in der französischen Komödie Claire ganz ungewollt bereits gefunden. Claire wurde während eines Spaziergangs vom Blitz getroffen. Seitdem scheint sie an Gedächtnisverlust zu leiden. In einer Klinik trifft sie den traumatisierten Philippe. Er hat den Autounfall aus dem Gedächtnis gelöscht, bei dem seine Frau und sein kleiner Sohn getötet wurden. Unter der Regie des Klinikleiters entwickelt sich eine heilsame Leidenschaft zwischen den beiden. Philippe beginnt das Leben wieder zu lieben, doch Claire gleitet immer tiefer hinab in den Strom des Vergessens. Darsteller sind Isabelle Carré, Bernard Campan, Bernard Le Coq u.a.

          Die Rache des Verlorenen Sohns

          Auch Frank Abagnale, Jr. - in Steven Spielbergs Kriminalkomödie Catch me if you can gespielt von Leonardo DiCaprio - ist auf der Flucht vor der Vergangenheit. Die Ehe seiner Eltern zerbricht, und er erfindet sich eine neue, glücklichere, selbstbewusstere Identität. Er stapelt hoch - als Pilot, Anwalt, Arzt - und ergaunert sich mit Geschick ein Vermögen - wie sein Film-Konkurent Jeremy Irons. Doch er fällt tief: Mit nur siebzehn Jahren steht er auf der Fahndungsliste des FBI und ist der „most wanted man“ von Tom Hanks. Weitere Darsteller sind u. a. Christopher Walken, Nathalie Baye und Martin Sheen.

          Schieb mich ab, wenn du kannst

          Der Apothekerssohn Christoph Schlingensief hat ein untrügliches Gespür für die Punkte, wo es uns weh tut. In die hält er grausam seinen Finger oder auch sein Mikrofon. Während der Wiener Festwochen im Jahr 2001, als der „Big-Brother"-Container die Leute erregte, stellte Schlingensief in Wien einen "Abschiebecontainer" für Asylbewerber auf. Die Passanten konnten die rassistischen Ansprachen des ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Jörg Haider hören und seine fremdenfeindlichen Wahlplakate an den Wänden des Containers lesen. Das war Salz in der Wunde des fremdenfeindlichen Klischee-Österreichers. Durch „spaßige Webwahl" konnte man Ausländer abschieben wie langweilige Kandidaten. In seinem Film Ausländer raus! - Schlingensiefs Container hat Regisseur Paul Poet die sechs tumultuösen Tage zuammen mit Stellungnahmen von Luc Bondy, Daniel Cohn-Bendit, Gregor Gysi, Elfriede Jelinek, Josef Bierbichler und Peter Sloterdijk dokumentiert.

          Ein Jäger des verlorenen Schatzes

          Vor mehr als fünfzig Jahren legte der ehemalige Geologe Toni Hagen auf einer Expedition ins Hochland von Nepal in 8 Jahren über 14.000 km zu Fuß zurück und wurde so zu einem der besten Kenner des Landes. Er unterstützte tibetanische Flüchtlinge zur Zeit der Machtübernahme Tibets durch China. Dafür erhielt er vom Buddhistischen Mönch Chogye Trinchen Rimpoche einen Ring mit dem Symbol des tibetischen Vajra-Donnerkeils. Im Jahr 1999 kehrte Toni Hagen in das Land zurück, um dem Mönch Rimpoche zu suchen und ihm den Ring zurückzugeben. Für Der Ring des Buddha ließ Regisseur Jochen Breitenstein Episoden der früheren Expedition nachstellen und kombinierte sie mit dokumentarischem Filmmaterial. Mit den Darstellern Toni Hagen, Martin Maria Abram, Sonia Mehta u.a.

          Am nylonen Faden

          B-Movies sind Frank Zappa zufolge so billig, dass man früher die Nylonfäden noch sah, die die Monster bewegten - vergleichbar vielleicht mit den teuren Gemälden van Goghs, in denen manchmal die ungrundierte Leinwand hervorschaut. Mit dem Projekt „Planet B“ stemmen sich neue deutsche B-Movies dem Vergessen dieser Filmgattung entgegen. Für Liebhaber kommt aus dem Studio Babelsberg gleich eine ganze Billig-Trilogie: Detective Lovelorn und die Rache des Pharao von Thomas Frick, Mask Under Mask von Markus Goller, The Antman von Christoph Gampl. Die Filme hatten zusammen ein Budget von nur 7,6 Millionen Mark. Horst Buchholz, Eva Hassmann und Götz Otto spielten zu Dumpingpreisen. Sogar für einen vierten Film hat es noch gereicht, der später erscheinen wird.

          Baby-Bonds gegen die Bande des Bösen
          Das Ende der Kunst naht auch in Robert Rodriquez' fortgesetzter Familienkomödie Spy Kids 2 - Die Rückkehr der Superspione. Das Ende der Kunst? Nein, zum Glück droht nur die Welt unterzugehen. Bedroht wird sie von dem Möchtegern-Diktator, den die Kinder des Geheimagenten Antonio Banderas außer Gefecht setzen müssen. Weitere Darsteller sind Carla Gugino, Daryl Sabara und Alexa Vega.

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