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Kamerafahrt : Seelische Tiefen und Untiefen

  • Aktualisiert am

Szene aus dem Film „The man who wasn`t there” Bild: Constantin

Passend zum November: Ernsthaftigkeit dominiert die Kinofilme dieser Woche.

          Der November beginnt mit einer seelisch abgründigen Kinowoche.

          So zeigt der Film-Noir „The Man who wasn´t there“, welche Wünsche hinter der Fassade des Biedermannes schlummern. Das Drama „Rave Macbeth“ gewährt einen Blick in menschliche Allmachtsphantasien. Und das poetische Drama „Unter dem Sand“ erzählt von der Unendlichkeit der Liebe und dem Angst vor Verlust.

          The Man who wasn't there

          Eine kalifornische Kleinstadt Ende der vierziger Jahre. Der Barbier Ed Crane (Billy Bob Thornton) leidet unter seinem monotonen Berufsalltag und seinem unbefriedigenden Eheleben. Um aus seinem Trott auszubrechen, will er von Kaufhausbesitzer Big Dave (James Gandolfini), der ein Verhältnis mit seiner Frau (Frances McDormand) hat, Geld erpressen. Doch statt den großen Coup zu landen, sieht sich Ed bald in eine dramatische Mordgeschichte verwickelt.

          Rave Macbeth

          Die Brüder Coen gelten als Meister des Film Noir. Mit „The Man who wasn´t there“ inszenierten sie einen Film, der von der Schwarz-Weiß-Ästhetik, über die Stimmung bis hin zur Figurengestaltung an die Krimis der vierziger Jahre anknüpft. Die Jury in Cannes verlieh dem Film den Regiepreis.

          The Man who wasn't there, USA 2001, Regie: Joel Coen, Darsteller: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, Michael Badalucco

          Das Reich und die Herrlichkeit

          Die euphorische kalifornische Goldgräber-Stimmung ist verraucht. Im Winter 1867 zeigt sich die Sierra Nevada nur noch als ein verschneiter, ungastlicher Ort. Daniel Dillon (Peter Mullan) hat es immerhin geschafft, das kleine Minenstädtchen Kingdom Come unter seine Herrschaft zu bringen. Doch schon bald holt den Emporkömmling seine Vergangenheit ein. Seine Ex-Frau Elena (Nastassja Kinski) und ihre Tochter Hope, die er einst in einem Spielsalon verkaufte, spüren ihn auf. Dillon kauft sich von seiner Geliebten, der Bordellbesitzerin, (Milla Jovovich) frei, um noch einmal von vorn anzufangen.

          Der britische Regisseur Michael Winterbottom hat sich bereits durch Filme wie "I Want You", "Butterfly Kiss" oder "Wonderland" als psychologisch feinfühliger Filmemacher erwiesen. Für den episch-düsteren Western „Das Reich und die Herrlichkeit“ griff er nach "Jude - Herzen in Aufruhr" zum zweiten Mal auf einen Roman von Thomas Hardy zurück.

          Das Reich und die Herrlichkeit, Großbritannien/Kanada 2000, Regie: Michael Winterbottom, Darsteller: Peter Mullan, Wes Bentley, Milla Jovovich, Nastassja Kinski

          Lucky Break - Rein oder raus

          Nach einem vermasselten Banküberfall landen Jimmy und Rudy im Knast. Als der exzentrische Anstaltsleiter (Christopher Plummer) ein Musical mit den Insassen plant, wittern sie ihre große Chance. Die Kapelle, in der das Stück aufgeführt werden soll, ist ein idealer Ort zu fliehen. Zu dumm, dass sich der romantische Jimmy (James Nesbitt ) bei den Proben in die Gefängnispsychologin Annabel (Olivia Williams) verliebt. Raus aus dem Knast oder doch lieber drin bleiben, lautet nun die brennende Frage.

          Regisseur Peter Cattaneo ist nach seinem Erstlingswerk "Ganz oder gar nicht" bereits für seinen trockenen britischen Humor bekannt. Auch die Gefängniskomödie „Lucky Break“ zielt ganz darauf ab, die Lachmuskeln zu reizen.

          Lucky Break - Rein oder raus, Großbritannien 2001, Regie: Peter Cattaneo, Darsteller: James Nesbitt, Olivia Williams, Christopher Plummer

          Rave Macbeth

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