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Kamerafahrt : Ein Erbauungsfilm für die Marines

  • Aktualisiert am

Szene aus „Die letzte Festung” Bild: UIP

Im Kino dieser Woche wird es vorweihnachtlich stimmungsvoll. Man schenkt sich rosafarbene Pullis und sucht die große Liebe.

          3 Min.

          Diese Woche kann sich der Kinofan nicht beschweren. Er hat nicht nur die Wahl zwischen mehreren Filmsparten, sondern auch zwischen allen Stimmungslagen.

          Einen satirischen Spaß bietet die Komödie „Ein Mann sieht rosa“. In „Weil es dich gibt“ werden Liebesgefühle romantisch verpackt. „Das Glashaus“ gibt den Blick auf verborgene Abgründe frei, während „Die letzte Festung“ auf den spannenden Befreiungsschlag wartet. Zu guter Letzt kann sogar ein „Zimmerspringbrunnen“ aus einem Ossi schon mal einen Rockefeller machen. Und die Warholas können über ihr berühmtes Familienmitglied, Pop-Art-Star Andy Warhol, plaudern.

          Ein Mann sieht Rosa

          Pignon (Daniel Auteuil) ist der Prototyp eines Buchhalters: naiv und langweilig. Als er jedoch eines Tages seinen Job in der Kondomfabrik verlieren soll, entwickelt er eine List. Mit einer Fotomontage lässt er sich als Homosexueller outen. Der Trick funktioniert. Sein Chef (Jean Rochefort) nimmt die Kündigung zurück, weil er nicht als intolerant gelten will. Vor lauter Political Correctness macht sogar der reaktionäre Trainer der betriebseigenen Rugby-Mannschaft (Gérard Depardieu) gute Mine zum bösen Spiel und schenkt Pignon einen rosa Kaschmirpulli.

          Rosa sehen und schenken: Auf einmal sind alle nett zu Pignon (Daniel Auteuil)
          Rosa sehen und schenken: Auf einmal sind alle nett zu Pignon (Daniel Auteuil) : Bild: dpa

          Regisseur Francis Véber ("Dinner für Spinner") hat sich als Drehbuchautor von Klassikern wie "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh" oder "Ein Käfig voller Narren" einen Namen gemacht. Mit seiner neuesten Komödie frönt er ebenso dem deftigen Humor wie seiner satirischen Ader. In den französischen Kinos wurde seine "Coming out"-Parodie ein Kassenschlager.

          Ein Mann sieht Rosa, Frankreich 2001, Regie: Francis Veber, Darsteller: Daniel Auteuil, Gérard Depardieu, Thierry Lhermitte

          Weil es dich gibt

          Es ist Liebe auf den ersten Blick. Als sich Sara und Jonathan zufällig in einem Kaufhaus in Manhattan zum ersten Mal begegnen, knistert es zwischen den beiden. Doch sie verlieren sich wieder aus den Augen. Erst viele Jahre später, als beide bereits anderweitig verlobt sind, denken sie wieder an einander. Getrieben von der Frage, ob sie damals die große Liebe verpasst haben, suchen sie einander.

          Regisseur Peter Chelsom ("Funny Bones", "Stadt, Land, Kuss") liefert mit seinem neuesten Film eine romantisch-beschwingte Komödie. Dabei schickt er seine beiden Hauptdarsteller Kate Beckinsale ("Pearl Harbor") und John Cusack ("America's Sweethearts") quer durch den Irrgarten der Gefühle.

          Weil es dich gibt, USA 2001, Regie: Peter Chelsom, Darsteller: John Cusack, Kate Beckinsale, Jeremy Piven

          The Glass House

          Ein tragischer Autounfall macht aus Ruby (Leelee Sobieski) und ihrem jüngeren Bruder Waisen. Die besten Freunde ihrer Eltern, Erin und Terry Glass (Diane Lane und Stellan Skarsgard), übernehmen die Vormundschaft. Doch bald ahnt Ruby, dass die samariterhafte Haltung der beiden nur gespielt ist. Das hochverschuldete Paar will an die Erbschaft der Kinder und entwickelt dabei eine diabolische Grausamkeit.

          Als Regiedebüt inszenierte Daniel Sackheim einen Psychothriller, der aus der Feder des altgedienten Thriller-Autoren Wesley Strick ("Kap der Angst", "Eiskalte Leidenschaft") stammt. Die Zuschauer dürfen in altbewährter Manier einen tiefen Blick in die seelischen Abgründe werfen, wo Gier, Besessenheit und Angst lauern.

          The Glass House, USA 2001, Regie: Daniel Sackheim, Darsteller: Leelee Sobieski, Diane Lane, Stellan Skarsgard

          Die letzte Festung

          General Irwin (Robert Redford) hat sich in der Armee hochgedient. Doch kurz vor seiner Pensionierung wird ihm eine Befehlsverweigerung zum Verhängnis. Er landet für zehn Jahre im Knast. Dort führt der Gefängnisdirektor Colonel Winter (James Gandolfini) ein sadistisches Regime. Bald entbrennt zwischen den beiden Männern ein erbitterter Machtkampf.

          In seinem dritten Spielfilm schlägt Regisseur Rod Lurie patriotische Töne an. Nach seinem zeitkritischen Politdrama "Rufmord" hat sich der ehemalige Absolvent der Militärakademie West Point nun auf das Genre des Militär-Thrillers verlegt. In der Figur des charismatischen Irwin vereinen sich moralische Grundwerte mit nationalem Ehrgefühl.

          Die letzte Festung, Drama, USA 2001, Regie: Rod Lurie, Darsteller: Robert Redford, James Gandolfini, Mark Ruffalo

          Der Zimmerspringbrunnen

          Die Euphorie der Wiedervereinigung lässt Hinrich Lobek (Götz Schubert) gänzlich unberührt. Als glühender DDR-Nostalgiker trauert er den alten Zeiten hinterher. Doch bald geht seiner Frau Julia (Kabarettistin Simone Solga) die Lethargie so auf die Nerven, dass sie ihn drängt, den erst besten Job anzunehmen: als Vertreter für Zimmerspringbrunnen. Nun packt den Ossi plötzlich eine zündende Idee. Er kreiert eine wassersprudelnde Miniatur des Ostberliner Fernsehturms, der sich zum Verkaufsschlager entwickelt.

          Regisseur Peter Timm ist auf schrille Komödien spezialisiert ("Go, Trabi, Go", "Manta. Der Film"). In seinem neuesten Film setzt er jedoch auf eine feinere Ironie. Nach einem Roman von Jens Sparschuh erzählt er die satirische Geschichte eines Aufstiegs wider alle Vernunft.

          Der Zimmerspringbrunnen, Komödie, BRD 2001, Regie: Peter Timm, Darsteller: Götz Schubert, Simone Solga, Gustav-Peter Wöhler

          Warhols slowakische Wurzeln

          Wo liegen eigentlich die Wurzeln von Andy Warhol? Der polnische Regisseur Stanislaw Mucha machte sich mit seiner Kamera auf die Suche nach der Familie des Pop-Art-Idols. Sein Weg führte ihn in das slowakisch-polnisch-ukrainische Grenzgebiet. Dort leben noch heute viele Verwandte des Künstlers, die seinen ursprünglichen Namen, Warhola, tragen. Tanten, Kusinen und Vettern, aber auch so manch skurriler Dorfbewohner standen dem Filmteam Rede und Antwort. Dabei zeichnete jeder sein eigenes Porträt des berühmten Familienmitglieds.

          Absolut Warhola, Dokumentarfilm, Deutschland 2001, Regie: Stanislav Mucha

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