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Kabarettist und Entertainer : Herbert Feuerstein im Alter von 83 Jahren gestorben

  • Aktualisiert am

Herbert Feuerstein nach einer Aufzeichnung für das ZDF im Jahr 2006 Bild: dpa

Er ließ sich von Harald Schmidt schlecht behandeln, wurde einem Millionenpublikum bekannt, entführte Mutter Beimer und stand als Gott und als Teufel auf der Bühne. Dabei verstand sich Herbert Feuerstein zuallererst als „schreibenden Menschen“.

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          Der Kabarettist, Autor und Entertainer Herbert Feuerstein ist tot. Feuerstein starb im Alter von 83 Jahren in Erftstadt, wie der Westdeutsche Rundfunk am Mittwoch in Köln mitteilte. Große Bekanntheit erreichte er vor allem an der Seite von Harald Schmidt in dessen Sendung „Schmidteinander“, außerdem produzierte er eine Reihe erfolgreicher eigener Fernsehsendungen wie „Feuersteins Reisen“.

          Herbert Feuerstein wurde am 15. Juni 1937 in Zell am See bei Salzburg als Sohn eines Bahnangestellten geboren. Der katholisch und „ohne Nestwärme“ Erzogene nannte sich später einen „total gläubigen Atheisten“. Sein Vater sei ein bekennender Nazi, seine Mutter eine sehr intensive, hysterische Frau gewesen, meinte er einmal über seine Eltern und erläuterte, dass Blödsinn für ihn deshalb eine Form der Opposition gewesen sei.

          Während der Schulzeit und nach dem Abitur am Salzburger Realgymnasium absolvierte Feuerstein ein Musikstudium (Klavier, Cembalo und Komposition) am Mozarteum in Salzburg, das 1959 wegen Beleidigung des Hochschulpräsidenten mit dem Rauswurf endete.

          „Abendunterhaltung für geistig Verwahrloste“

          1960 folgte Feuerstein seiner Freundin und späteren ersten Ehefrau, einer hawaiischen Gaststudentin, die er in Salzburg kennengelernt hatte, nach New York. Dort trat er in die Redaktion der deutschsprachigen „New Yorker Staatszeitung“ ein und wurde 1968 deren Chefredakteur. Daneben arbeitete er als Korrespondent für verschiedene deutsche und österreichische Medien, außerdem ab 1966 im Pressesekretariat des österreichischen Generalkonsulats in New York. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1969 war Feuerstein bis 1971 Verlagsleiter des Frankfurter „Pardon“-Verlags Bärmeier & Nikel, danach bis 1992 Chefredakteur des deutschen „MAD“-Magazins – eine Funktion, in der er sich zunehmend als Experte für höheren Blödsinn und skurrilen Humor erwies und damit den Stil der erfolgreichen Satirezeitschrift maßgeblich prägte. Auf seiner Homepage benennt er als sein „Lebenswerk“ die in den siebziger Jahren erfolgte „Bereicherung der deutschen Sprache durch die Wörter 'lechz', 'würg', 'stöhn' und 'hechel'“ – Lautmalereien, die fortan Einzug in die Jugendsprache hielten. Seit 1992 war er als freier Autor und Entertainer für Hörfunk und Fernsehen tätig.

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          Feuerstein schrieb unter anderem Texte für die chaotische „Michael-Braun-Show“ (1984; West 3) und für die Hörfunk-Serie „Peter Panik“, die es bei verschiedenen Sendern bisher auf mehr als siebenhundert Folgen brachte. 1985 stellte er sich im WDR-Fernsehen erstmals mit einer eigenen Show – „Wild am Sonntag“ – vor, die allerdings bald wieder eingestellt wurde. Mehr Erfolg hatte er als Mitglied des Rateteams der Sendung „Pssst!“ und vor allem als kongenialer Partner von Harald Schmidt („Es war Abneigung auf den ersten Blick“) in dessen anarchischer Fernseh-Show „Schmidteinander“. Trotz seiner Dauerrolle als Prügelknabe gewann Feuerstein zunehmend an Popularität als eigentlicher Gag- und Pointenlieferant der Sendung, die als „Reality-TV für Verhaltensgeschädigte“ oder „Abendunterhaltung für geistig Verwahrloste“ – so die Kommentare der Presse – immer wieder breite und wohlwollende Beachtung bei der Fernsehkritik fand.

          Immer wieder „Fledermaus“

          Im Herbst 1994 erhielt Feuerstein den Fernsehpreis „Bambi“ für Kreativität, seine nach Meinung der Jury „anarchistische Originalität“ und den „hemmungslosen Mut zum Chaos“. Ein halbes Jahr später ließ der WDR mit der Begründung, dass das Konzept der Sendung verbraucht sei, „Schmidteinander“ auslaufen. Feuerstein wandte sich daraufhin unter anderem dem Theater zu: In Hamburg stand er als Kaiser in der Operette „Im weißen Rössl“ auf der Bühne, in Leipzig als Gefängniswärter Frosch in der „Fledermaus“. Außerdem berichtete er in „Feuersteins Reisen“ (ARD/WDR) aus den verschiedensten Weltregionen, vom Oman nach Moldawien, von Alaska bis in die Südsee. Dabei näherte sich der skurrile Travelguide und passionierte Weltenbummler seinem Reiseland zumeist unvorbereitet und mit großer Neugier – ein Konzept, das beim Publikum ankam. Ebenfalls 1995 übernahm Feuerstein eine Episodenrolle im Special „Entführung aus der Lindenstraße“, einer Krimikomödie zum zehnjährigen Bestehen der Reihe. Er mimte dabei den fanatischen „Lindenstraßen“-Anhänger Detlef Hase, der Mutter Beimer entführt, um den angedrohten Stopp der Serie zu verhindern.

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