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Weggefährte von Wolfgang Neuss : Kabarett-Urgestein Volker Kühn gestorben

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Kabaretthistoriker Volker Kühn Bild: dpa

Für das Nachkriegs-Kabarett lieferte Volker Kühn ätzende Texte, für das Fernsehen drehte er Dokumentationen zur Satire-Geschichte. Auch sein Streit mit Johannes Heesters sorgte für Aufmerksamkeit. Jetzt ist der Autor gestorben.

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          Er schrieb Texte für Wolfgang Neuss und Dieter Hildebrandt, zeichnete die Geschichte des Kabaretts nach und drehte dazu TV-Dokumentationen: Der Berliner Kabarett-Autor und -Historiker Volker Kühn, einer der bedeutendsten Textlieferanten für die „bissige Muse“, ist tot. Kühn starb in der Nacht zu Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren, wie seine Frau, die Schauspielerin Katherina Lange, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

          Bekannt wurde Kühn vor allem durch seine enge Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Kabarettisten Wolfgang Neuss (1923-1989), über den er auch „Das Wolfgang Neuss Buch“ und das ARD-Porträt „Ich lache Tränen, heule Heiterkeit“ (1973) veröffentlichte. Er bedaure, dass „dieser so undeutsche und dabei doch so durch und durch deutsche Querkopf“ den Mauerfall nicht mehr erlebt habe, sagte Kühn später.

          Streit mit Heesters

          Ein Rechtsstreit mit dem Schauspieler Johannes Heesters sorgte für Schlagzeilen. Kühn hatte berichtet, dass Heesters bei einem Besuch des Ensembles des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im Konzentrationslager Dachau auch aufgetreten sei. Heesters’ Unterlassungsklage wurde vom Berliner Landgericht abgewiesen.

          Die Klage bezog sich vor allem auf Kühns Buch „Hitlers Künstler - Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus“ und die CD „Mit den Wölfen geheult“. Kühn, der auch Autor von TV- und Hörfunk-Dokumentationen wie „Totentanz - Kabarett hinter Stacheldraht“ oder „Sich fügen heißt lügen“ war, berief sich bei seinen Vorwürfen gegen Heesters auf frühere Lagerinsassen.

          Bühnenwerke in Berlin aufgeführt

          Nach vier Jahren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wurde Kühn 1963 Redakteur beim Hessischen Rundfunk, für den er mehr als zehn Jahre lang die satirische Monatsbilanz „Bis zur letzten Frequenz“ schrieb und produzierte. Dan wurde Kühn Mitautor und Regisseur von Programmen des legendären Berliner „Reichskabaretts“ wie „Der Guerilla lässt grüßen“ im Jugendrevolte-Jahr 1968 oder die Berliner „Wühlmäuse“ („Deutschland, wir kommen!“ 1971). Für Lore Lorentz, Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger lieferte er zahlreiche Beiträge.

          1973 startete Kühn zusammen mit Dieter Hildebrandt die ZDF-„Notizen aus der Provinz“. Zu Kühns Bühnenwerken gehören eine Gustaf-Gründgens-Revue am Deutschen Theater in Berlin und die Ufa-Revue „Bombenstimmung“, die im Berliner Theater des Westens uraufgeführt wurde. Erfolgreich war seine Bühnenfassung „Marlene“, die er für das Berliner Renaissance-Theater schrieb.

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