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„Jupiter Ascending“ im Kino : Migrantin küsst Hund

Bussi? Gleich! Channing Tatum (links) und Mila Kunis Bild: INTERTOPICS/PictureLux

In „Jupiter Ascending“, dem neuen Science-Fiction-Reißer der Wachowskis, steigt eine Putzfrau zur Weltenherrscherin auf. Trotz hanebüchener Handlung wissen die ultraschnellen Bilder zu gefallen.

          Zwei extreme Pole kennt das Unterhaltungskino: Den reinen Dialogfilm kann man auch als Hörbuch genießen, der reine Augenfilm funktioniert zur Not ohne Ton. Das neue, tobende und outrierte Explosions-Mobile der Geschwister Wachowski, „Jupiter Ascending“, ist eine streckenweise etwas angestrengte, immer wieder aber auch einnehmende Synthese dieser beiden Modelle: Die Dia- und Monologe des Films sind zwar, für sich genommen, oft hanebüchener Quatsch (ein elitärer Adliger singt ein übergeschnapptes Loblied auf den sehr unadligen, erzbürgerlichen Profit; wechselseitige Liebeserklärungen der beiden Hauptfiguren kommen minutenlang nicht vom Fleck), und die meisten schönen Bilder werden so schnell aufgebaut und wieder abgerissen, dass man gar keine Zeit hat, sich hineinzuwerfen - aber beides stört gar nicht so sehr, wenn man mal verstanden hat: Was hier redet, sind diese Bilder, und dass dabei alles so schnell geht, ist schlicht ein Versuch, das Prinzip „flinker, überraschender Wortwechsel“ aus den besten reinen Dialogfilmen direkt ins Visuelle zu übertragen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Eine Szene sagt etwa: Schau mal, so ist das im engen und öden Leben. Die nächste antwortet: Nein, das Leben ist riesig und abwechslungsreich und laut. Die darauf folgende erwidert: Aber das ist gefährlich und grauenhaft. Darauf widerspricht ihr eine neue: Verleiht das Gefährliche und Grauenhafte dem Leben nicht erst einen Sinn? Keineswegs, versetzt das folgende Bild: Schau nur, wie sinnlos selbst ein so sinnverliebter Darsteller wie Eddie Redmayne schäumt und kreischt, wenn Gefahr und Grauen ihn dazu nötigen.

          Handlung gibt’s auch: Die leider etwas ausdrucksarme Mila Kunis spielt eine Migrantentochter aus Russland, die in Amerika Toiletten schrubben muss, bis ein von Channing Tatum gegebener außerirdischer Söldner als Kreuzung aus Ritter, Hund und Rollschuh-Kampfsport-Raketenbarrenturner die Heldin entführt, weil sie in Wirklichkeit genetisch mit den Besitzern wertvoller intergalaktischer Immobilien verschwägert ist. Der jungen Frau gehört sogar unsere Erde, und sobald sie das weiß, verhält sie sich nach dem Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ - schreckt also, um Schaden von ihrem Besitz und dessen Bevölkerung abzuwenden, weder vor weiten Reisen noch vor dem Schlangestehen in Kafkas Bürokratie und schon gar nicht vor der Verlobung mit einem raffinierten Schmeichler aus ihrer Science-Fiction-Sippschaft zurück. Der Wolfsmensch kriegt sie trotzdem, unterstützt von Sean Bean als Halb-Mensch-halb-Biene (doch, wirklich), dem man auch diesen Blödsinn, wie jeden anderen, den er je verkaufen musste, gern abkauft. Moral des Ganzen: Remmidemmi auf dem neuesten Stand muss nicht so saublöd sein wie der elende „Transformers“-Schund; nett geht’s doch auch.

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