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Schauspielerin Kathleen Morgeneyer : Ist die Liebe nur ein Spiel?

  • Aktualisiert am

Kathleen Morgeneyer als Irina in Tschechows „Drei Schwestern” Bild: Sebastian Hoppe

Als Irina in „Drei Schwestern“ entscheidet sich Kathleen Morgeneyer für die Vernunft und gegen die Liebe. Sie selbst fände es furchtbar, die Hoffnung zu lieben aufzugeben. Ein Gespräch über das schönste aller Gefühle auf der Bühne und im Leben.

          Als Irina in Tschechows „Drei Schwestern“ entscheidet sich Kathleen Morgeneyer für die Vernunft und gegen die Liebe. Sie selbst fände es furchtbar, die Hoffnung zu lieben aufzugeben. Mit der Schülerin Katrin Hiß sprach sie über das schönste aller Gefühle auf der Bühne und im Leben.

          Frau Morgeneyer, sind Sie gerade verliebt?

          Ja! Mein Freund lebt in Berlin, wir fahren hin und her, seit drei Jahren sind wir zusammen. Das habe ich mir immer gewünscht, danach habe ich mich sehr gesehnt, nach einer Beziehung, die länger währt. Jetzt ist es wundervoll. Gibt es bei euch am Gymnasium viele Paare?

          Ja, die gibt es. Aber bei uns in der Schule geht eigentlich alles querbeet durcheinander. Wir haben auch Paare in den Kursen, die streiten sich natürlich auch mal, sind eifersüchtig, das kriegen alle mit. Manchmal ist das dramatisch.

          Was versteht ein siebzehnjähriges Mädchen wie du unter der Liebe?

          Herzklopfen, den Verstand verlieren, nicht mehr schlafen, nicht mehr denken, nicht mehr essen können. Wenn die Welt plötzlich auf dem Kopf steht. Dann ist alles Sehnsucht. Das ist Liebe.

          Das klingt, als seist du verliebt.

          Ja, seit zwei Wochen! Mir ist aufgefallen, dass die Liebe im Theater immer irgendwie dramatisch ist. Finden Sie, dass sie das auch im Leben sein muss, damit sie eine richtige Liebe ist?

          Ich glaube, dass die Liebe auch im echten Leben dramatisch ist. Liebe ist doch das dramatischste Gefühl, das wir überhaupt haben können!

          Was verstehen Sie unter Dramatik?

          Lebenslust, einen Lebenshunger, Erfahrungen mitzunehmen, die uns aufwühlen, unser Innerstes berühren. Bei meinem Freund und mir geht es immer noch dramatisch zu, ein Auf und Ab der Gefühle. Das finde ich nicht negativ, im Gegenteil, das macht doch den Kern der Liebe aus. Das Leben an sich ist dramatisch. Man hat Schmerzen, leidet, ist glücklich. In der Liebe konzentriert sich alles. Wenn man sich in einen Menschen verliebt, fühlt man sich selbst ja auch stärker. Durch Liebe lernt man sich selber besser kennen, auch durch zurückgewiesene Liebe. Dramatische Liebe ist die größtmögliche Lebendigkeit, ohne einander zu zerstören.

          Dann ist es Ihnen doch bestimmt schwergefallen, die Irina in Tschechows „Drei Schwestern“ zu spielen, die ja aus vernünftigen Gründen heiratet und nicht wegen der Liebe.

          Ja, das war schwierig für mich, sie zu spielen, und erst ging es gar nicht. Irina heiratet Nikolai, obwohl sie ihn nicht liebt. Sie entscheidet sich für die Vernunft und gegen die Liebe. Die Regisseurin hat immer gesagt: „Du gibst jetzt deinen Traum auf“, und ich habe immer gesagt, „nein, ich kann den Traum nicht aufgeben“. Aus der Logik der Figur heraus ist es zwar eine vernünftige Entscheidung, aber das ist doch furchtbar, die Hoffnung zu lieben aufzugeben, das muss so weh tun! Ich habe mir dann eben gesagt, dass Irina bewahren wird, was sie in sich trägt, und irgendwann wird sie diesen Traum auch leben. Ich habe das Stück einfach weitergesponnen. Das hat mich mit Irina versöhnt.

          Ich finde das auch eine schreckliche Vorstellung, aus vernünftigen Gründen zu heiraten. An Vernunft denkt meine Generation bei der Liebe gar nicht. Ohne Dramatik ist doch die Liebe gar keine Liebe! Welche Rolle einer Liebenden hat Sie bisher am meisten berührt?

          Als ich im Theater anfing, vor dreieinhalb Jahren in Düsseldorf, war mein erstes Stück „Othello“, da war es leider schwierig für mich herauszufinden, was die Liebe – oder Nichtliebe – zwischen Desdemona und Othello ausmacht. Aber dann habe ich mit Oliver Reese „Treulose“ von Ingmar Bergman in Düsseldorf gemacht. Ich spielte da ein Kind, das Vater und Mutter verliert. Diese Liebe zum Vater hat mich sehr berührt. Und jetzt mit der „Möwe“ ist es auch so. Da geht es um komplizierte Liebeskonstellationen zwischen verschiedenen Menschen. Im Moment ist „Die Möwe“ für mich das prägendste Stück. Es zu spielen ist jedes Mal eine riesige Herausforderung.

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