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Redakteure erklären ihre Ressorts : Das ist unsere Leidenschaft

  • Aktualisiert am

Bild: Marika Herzog

Dem Entschluss, Feuilleton-Redakteur zu werden, liegt oft kindliches Staunen oder ein Erlebnis zugrunde, das auf Jugendtage zurückgeht. Redakteure des F.A.Z.-Feuilletons erklären ihre Ressorts in der Sonderausgabe Jugend-Kultur.

          Der schönste Moment im Kino ist, wenn das Licht endlich ausgeht, das Gequatsche zum Geflüster wird und sogar das Popcorn nur noch leise raschelt, wenn also der ganze dunkle Saal den Atem anzuhalten scheint, ehe der Vorhang aufgeht und die Leinwand zu leuchten beginnt. Das ist der Moment, wenn alles möglich ist, wirklich alles - und den gibt es nicht zu Hause vorm Fernseher und auch nicht am Computer, sondern nur im Kino.

          Das Merkwürdige daran ist, dass alle im Saal gleichzeitig das Gefühl haben, der Film spreche nur zu ihnen selbst (außer denen, die sich in die letzte Reihe gesetzt haben, um zu knutschen). Aber wenn alles gutgeht, dann hat man die anderen um sich herum ohnehin bald vergessen, denn dann scheint man zu schweben, als ob man sich hinausträumen würde aus dem eigenen Körper, hinein in die Welt auf der Leinwand, die der unseren vielleicht ähnlich ist, vielleicht aber auch aussieht wie nichts, was wir je gesehen haben.

          Mit offenen Augen träumen

          Wir halten uns dann einen Film lang für den strahlenden Helden, der wir leider nicht sind, oder für den traurigen Außenseiter, für den sich jeder irgendwie hält, oder befinden uns unter Menschen, die uns alle fremd sind, und beobachten ihr seltsames Verhalten, als stünden wir am Rande einer Party, auf der wir niemanden kennen. In jedem Fall tauchen wir ein in etwas, das uns bekannt vorkommt, das wir so aber noch nicht gesehen haben. Ganz so, als würden wir mit offenen Augen träumen. Und so wie nicht jeder Traum glücklich endet, so ist auch im Kino oft manches aufregend, unangenehm, rätselhaft oder verwirrend.

          Das macht es ja so spannend, dass man nie weiß, wo es einen hinverschlagen, wen man kennenlernen und wie tief einen all das berühren wird. Aber wenn der Film alles richtig macht, dann kommt man hinterher als glücklicherer oder klügerer oder einfach nur besserer Mensch heraus. Zumindest fühlt sich das ein paar Momente lang so an, bis einen die Erde wieder hat und man feststellt, dass doch alles irgendwie beim Alten geblieben ist. Wäre ja auch noch schöner, wenn das nicht so wäre. Es gibt jedenfalls keinen schöneren Beruf, als darüber nachzudenken, was das Kino eigentlich mit uns anstellt, wenn es die Augen aufschlägt.

          Michael Althen

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