https://www.faz.net/-gqz-14qp7

Leben nach der Castingshow : Sarah Kreuz - Schaff ich das?

Sarah Kreuz ist mit Tanz und anderen künstlerischen Ausdrucksformen aufgewachsen. Aber vor großem Publikum verkrampft sie. Dabei will sie unbedingt in der Sendung bleiben und genießt jede Minute: „Das war mein erstes eigenes Ding. Ich habe früher nie etwas durchgezogen.“ Während des wochenlangen Castings für die Sendung ruft sie kaum zu Hause an. „Es war eine Art Mutprobe“, sagt sie. „Ich war neunzehn Jahre lang Mutterkind, das war nicht normal.“

Erstmals hört sie ihre Stimme richtig

Bruce Darnell geht mit ihr in ein Tanzstudio und sagt, nachdem ihre Verspannung offensichtlich geworden ist und sie ihr mangelndes Selbstbewusstsein eingestanden hat, sie sei „nicht wertlos“, sie sei „etwas Tolles“ und dürfe - er greift es scheinbar aus der Luft - auch „ein bisschen sexy sein“. Sarah bedeutet das viel, sie tanzt, schreit und lacht befreit, zumindest für einen Moment. Wenn man sich die Fernsehaufnahmen genau anschaut, hat man das Gefühl, sie lege ihre Scheu aus reiner Sympathie für diesen gefühlvollen Mann ab, der schwarz ist, fast zwei Köpfe größer, und sich bewegt wie eine Frau.

Im Finale gelingt Sarah der erste befreite Auftritt, die Bühnenerfahrung in der Endrunde hat ihr Leben verändert. „Es hat mir die Augen geöffnet. Mir ist auf der Bühne plötzlich mein ganzes Leben klargeworden. Schule, Privates, alles.“ Erstmals hört sie ihre Stimme richtig. Sie beschließt, sich von ihrem langjährigen Freund zu trennen, für den sie die Schule abgebrochen hatte und den sie eigentlich heiraten wollte. Er war gegen ihre Teilnahme bei der Sendung; keiner hat sich mehr bei dem anderen gemeldet. Bei ihren Fans heißt sie jetzt „Diva“.

Inzwischen rauchen auch die Mutter und die anwesende Managerin, ohne die Sarah Kreuz auf Wunsch ihrer Plattenfirma keinen Journalisten empfängt, das Wohnzimmer voll. Und als auch der Interviewer mitraucht, steht plötzlich ein riesiger Aschenbecher auf dem Sofatisch - der professionellste Zigarettenentsorger, den man sich vorstellen kann.

Ich brauchte die paar Buchstaben

Im Finale der Show unterliegt Sarah mit nur einem Prozent Unterschied zum Sieger. Drei Monate lang muss sie nun dem Gewinner Daniel Schuhmacher, einem Mädchenschwarm mit Ausnahmestimme, die große Bühne überlassen. Als die Plattenfirma Sony während dieser Sperrfrist die Option, sie unter Vertrag zu nehmen, verstreichen lässt, gelingt es ihrem Manager Volker Neumüller, einen Plattenvertrag mit Universal zum Abschluss zu bringen. Er ist einer der Juroren der Show. Im Spätsommer nimmt sie ihr erstes Album auf, das Ende November erscheinen soll. Es heißt nach Whitney Houstons bekanntestem Hit „One Moment in Time“. Die CD sieht innen fast genauso aus wie das Comeback-Album des amerikanischen Vorbilds.

Die letzten Monate waren für Sarah Kreuz nicht leicht. Täglich ist sie beim Publikum mehr in Vergessenheit geraten. Für die große Bühne hatte sie kein brauchbares Repertoire und musste bei Open-Air-Konzerten wie dem in Mainz erstmals mit ihren RTL-Interpretationen vor Tausenden von Menschen auftreten, ohne Begleitband. In ihrem vornehmen grünen Kleid wirkte sie in der sommerlichen Ausgelassenheit etwas verloren. Sie sprach viel zwischen den Liedern, als würde ihr Gesang alleine nicht reichen.

Weitere Themen

Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

Topmeldungen

Fed-Präsident Jerome Powell : Trumps Buhmann

Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.