https://www.faz.net/-gqz-14qp7

Leben nach der Castingshow : Sarah Kreuz - Schaff ich das?

Vor einigen Wochen wurden im Norddeutschen Rundfunk die größten „Kultschlager“ der Deutschen präsentiert. Auf den ersten Plätzen fanden sich neben „Du gehörst zu mir“ von der Sinteza Marianne Rosenberg der Titel „Marmor, Stein und Eisen bricht“ des Sinto Drafi Deutscher. Die musikalische Tradition der Sinti, die von dem Jazz-Gitarristen Django Reinhardt überstrahlt wird, ist groß, aber in letzter Zeit in der Populärmusik etwas verblasst. Schon lange hieß es unter den bestens vernetzten Sinti in Deutschland: Wenn es mit rechten Dingen zugehe, müsse eigentlich einer von ihnen bei „Deutschland sucht den Superstar“ groß rauskommen. Die Jazzsängerin Dotschy Reinhardt, die mit Sarah Kreuz weitläufig verwandt ist, lässt es einen Onkel in ihrer Autobiographie „Gipsy“ folgendermaßen sagen: „Wenn ich im Fernsehen ,Popstar' sehe, sehe ich nur Hühner, die nichts können. Da muss ich lachen. Ihr könnt das viel besser.“ Doch nur wenige trauten sich in den ersten Staffeln, keiner überstand das Probesingen bis zur Endrunde. Dann kam Sarah.

Ihre Kindheit hat sie vor dem Aufnahmegerät verbracht. Die „Mini-Playback-Show“ hat sie samt der Jury-Urteile von vorne bis hinten nachgespielt. Später kam eine Karaokeanlage dazu. Als junges Mädchen war sie besessen von Marianne Rosenberg, später von Whitney Houston und Beyoncé. Die Popmusik aus dem Radio sang sie rauf und runter, meist in englischem Kauderwelsch. Englisch spricht sie noch heute kaum.

Wenn Sarah in den Ferien die musikverrückte Familie der Mutter in Bremerhaven besuchte, begleitete ihr Onkel sie auf dem Keyboard. Der Großvater riet ihr zur Stimmbildung. Sie müsse atmen lernen. Um ihre Musikalität wurde aber sonst kein Aufhebens gemacht. Fast alle Kinder der Familie beherrschen Instrumente oder ihre Singstimme schon im Vorschulalter. Bei vielen fragt sich Sarah, woher nur dieses Talent stammt. Sie bekommt Gänsehaut, wenn sie ihren fünfjährigen Cousin die Geige so perfekt spielen hört, dass erfahrene Violinisten dem Autodidakten nichts mehr beibringen können. „Wenn wir Sinti zusammenkommen, sitzen wir nicht einfach so rum. Wir hören Musik oder wir machen welche“, sagt sie.

„Eine Art Mutprobe“

Jahrelang war es ihr größter Wunsch, einmal vor Dieter Bohlen zu singen. Aber die erste Castinggelegenheit verstreicht, weil sie den Zug verpasste. Kurz vor Ablauf der zweiten lebt sie in Bremerhaven, ist groß verliebt und hat die Schule abgebrochen. Da ihre Mutter alles macht, was ihre Kinder wollen, wie sie trocken und mit rauher Stimme sagt, rief sie in letzter Minute bei RTL an. So kommt ihre Tochter zum ersehnten Vorsingen.

Im August vergangenen Jahres steht Sarah Kreuz, sehr nervös und mit einem nicht eben vorteilhaften Kostüm angetan, in Essen vor Dieter Bohlen und den anderen Juroren. Ihre Augen sind riesengroß, ihre Schüchternheit hat etwas Rührendes, aber sehr Würdiges. Sie verschränkt die Hände vor dem Schoß und beginnt „Listen“ von Beyoncé zu singen. Während des Vortrags verdreht sie die Augen, um nur immer an die Decke zu schauen. Dieter Bohlen findet den Auftritt „beschissen“, sagt er. „Man guckt nicht an die Decke.“ Er lobt aber ihre „Super-Stimme“ und gibt ihr ein „knallhartes Ja“. Später, als sie es bereits unter die letzten fünfzehn geschafft hat, sagt Bohlen, sie sei immer so ernst, und stellt ihr den aus „Germany's Next Topmodel“ bekannten Bewegungstrainer Bruce Darnell als persönlichen Coach zur Seite. Er soll an ihrer Ausstrahlung arbeiten, soll eine Diva aus ihr machen.

Weitere Themen

Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

Topmeldungen

Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.