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Ein Gespräch über Reichtum : Macht Geld glücklich, Herr von Metzler?

  • Aktualisiert am

Friedrich von Metzler führt das Frankfurter Bankhaus Metzler Bild: F.A.Z.-Wonge Bergmann

Humor in der Literatur bringe ihn zum Schwingen, sagt der Bankier Friedrich von Metzler, aber er sei etwas einseitig geworden, weil ihn die Bank so sehr interessiere. Mit dem Schüler Samuel Monthuley streitet er über den Reichtum des Lebens.

          Humor in der Literatur bringe ihn zum Schwingen, sagt der Bankier Friedrich von Metzler, aber er sei etwas einseitig geworden, weil ihn die Bank so sehr interessiere. Mit dem Schüler Samuel Monthuley streitet er über den Reichtum des Lebens.

          Herr von Metzler, für was in Ihrem Leben brauchen Sie eigentlich Geld?

          Wir brauchen Geld, um die Unabhängigkeit unserer Bank zu erhalten. Die Unabhängigkeit steht für unsere Mitarbeiter und unsere Kunden im Vordergrund. Und für die Familie, die mit der Bank gelebt hat und durch sie zusammengehalten wurde. Ein Unternehmen hält eine Familie zusammen, wenn man es richtig macht.

          Aber Sie geben doch nicht nur für Ihre Bank Geld aus.

          Ich finde es beruhigend, dass ich mir keine Sorgen um meine Absicherung im Alter machen muss. Ich weiß, dass viele Menschen zurechtkommen müssen mit wenig Geld. Außerdem ist es wunderbar, gestalten zu können. Das kann man zwar auch ohne Geld, aber mit kann man mehr tun.

          Können Sie sich eine Gesellschaft ganz ohne Geld vorstellen?

          Ganz früher hatten wir die Tauschgesellschaft. Das ist enorm kompliziert, und ein reibungsloses Wirtschaftswachstum wird erst durch Geld möglich. Dann kamen die Münzen. Als Goethe nach Weimar kam, musste er vorher durch zig Währungsgebiete reisen. Papiergeld gab es noch nicht. Das war zwar keine Tauschgesellschaft mehr, aber das Wirtschaften war wegen der verschiedenen Münzsorten trotzdem noch kompliziert. Unsere Bank ist auch deshalb groß geworden, weil wir Münzspezialisten waren. Doch Industrie konnte sich erst entwickeln, als es Banknoten gab, Zettelgeld. Eine Welt ohne Banknoten ist heute unvorstellbar.

          Sie haben gesagt, ein Unternehmen kann eine Familie zusammenhalten. Aber gibt es nicht andauernd Streit ums Geld? Scheidungen, Familienfehden, Erbstreitigkeiten, selbst Kriege?

          Geld kann sehr viel kaputtmachen. Es gibt schnell Streit über materielle Werte in einer Familie, und es kann leicht passieren, dass sich jemand benachteiligt fühlt, obwohl er es gar nicht ist. Deshalb muss man sehr offen miteinander sprechen. Und man muss den jungen Leuten früh klarmachen, was für Möglichkeiten sie haben durch ihr Erbe. Man muss ihnen aber auch ihre Verantwortung aufzeigen. Wenn man sie früh heranführt, dann kann es passieren, dass man eine Familie mehr als 300 Jahre durch eine Bank zusammenhält. Aber es stimmt schon, das ist nicht leicht. Haben Sie Geschwister?

          Ja.

          Wie viele?

          Zwei.

          Und verstehen Sie sich gut?

          Ab und zu verstehen wir uns schlecht, im Großen und Ganzen aber gut.

          Und Ihre Eltern kümmern sich darum?

          Ja, tun sie.

          Sehen Sie, das ist ganz wichtig. Man muss sich um die Familie kümmern. Ich habe einmal gesagt, man müsse sie auch managen, aber das hat unserem Sohn nicht gefallen. Seither sage ich kümmern.

          Wenn man mal über die eigene Familie hinausschaut: Wie muss die Welt konstruiert sein, damit es keinen Streit darüber gibt, wer wie viel besitzt?

          Die Soziale Marktwirtschaft ist in dieser Beziehung eine wunderbare Erfindung. Es gab früher Unternehmer, die waren sozial, und Unternehmer, die waren es nicht. Das gibt es auch heute noch. Aber in der Sozialen Marktwirtschaft müssen sie sich sozial verhalten. Zur Sozialen Marktwirtschaft gehört aber auch die Freiheit der Wirtschaft, sonst funktioniert’s nicht. Meine Furcht ist, dass man den Sozialstaat überfrachtet. Daraus resultiert eine große Verschuldung; alles Lasten, die Ihre Generation tragen muss!

          Lassen Sie uns über Werte sprechen. Was sind für Sie als Bankier materielle und was sind immaterielle Werte?

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