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Unesco-Welterbe : Jüdische SchUM-Städte und „Nasser Limes“ ausgezeichnet

  • Aktualisiert am

Jüdischer Friedhof in Worms Bild: EPA

Jetzt hat Deutschland 50 Welterbestätten. Nach den Bädern und der Mathildenhöhe hat die Unesco zwei weitere historische Stätten ausgezeichnet. Für jüdische Kulturgüter in Deutschland war es eine Premiere.

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          Nach der Darmstädter Mathildenhöhe, den Kurorten Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen hat die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) nun auch das jüdische Kulturgut in Mainz, Speyer und Worms sowie den Niedergermanischen Limes als neues Welterbe ausgezeichnet. Mit den sogenannten SchUM-Stätten erhalten erstmals jüdische Kulturdenkmäler in Deutschland den Welterbetitel.

          Mit dem Niedergermanischen Limes ist nach dem Obergermanisch-rätischen eine weitere Lücke im angestrebten Gesamtschutz der Grenze des antiken Römischen Reiches geschlossen. Museen wie der Archäologische Park Xanten rechnen nach der Auszeichnung mit zwanzig Prozent mehr Besuchern. Ein weiteres Glied in der Kette ist der Donaulimes, über dessen Aufnahme ins Welterbe weiter beraten wird. Das Welterbekomitee tagt noch bis zum Samstag im chinesischen Fuzhou und online. Deutschland hat jetzt 50 Welterbestätten. Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von „herausragendem universellen Wert“ ausgezeichnet.

          Als Verbund bildeten Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter das Zentrum des Judentums in Mitteleuropa und wurden auch „Jerusalem am Rhein“ genannt. SchUM ist eine Abkürzung aus den mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte. „Von Speyer, Worms und Mainz gingen im Mittelalter entscheidende Impulse für die Entwicklung des Judentums in Europa aus“, sagte die Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer.

          Ein „beispielloser Fall“

          „Die drei jüdischen Gemeinden waren Anziehungspunkt für Gelehrte aus nah und fern, sie brachten richtungsweisende Reformen auf den Weg und setzten architektonische Maßstäbe.“ Die Geschichte der jüdischen Gemeinden am Rhein sei aber auch eine Geschichte jahrhundertelanger Verfolgung – von den Pogromen des Mittelalters bis zur fast völligen Auslöschung des europäischen Judentums im Holocaust“, sagte Böhmer.

          Nachdem die Diskussion über den Donaulimes als Teil der Grenze des Römischen Reiches am Vortag aus Verfahrensgründen einer Arbeitsgruppe übertragen werden musste, lief die Auszeichnung des Niedergermanischen Limes reibungslos ab. Im Rahmen des seriellen Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“ sind beide Abschnitte einzeln nominiert. Der rund 400 Kilometer lange Niedergermanische Limes mit seinen Kastellen und Legionslagern läuft entlang des Rheins. Man spricht dort auch vom „nassen Limes“.

          Blick auf den 73 Hektar großen Archäologischen Park Xanten
          Blick auf den 73 Hektar großen Archäologischen Park Xanten : Bild: FaberCourtial GbR für LVR-Archäologischer Park Xanten

          Antragsteller sind die Anlieger: Die Niederlande sowie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Grenzabschnitt beginnt in Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz und endet an der Nordsee in den Niederlanden. Die Grenzregion war ein Zentrum antiker Kultur und der Beginn der Städte im Rheinland. Zu römischen Spuren gehören Militäranlagen, Heiligtümer, Statuen und Alltagsgegenstände.

          Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes ins Weltkulturerbe soll eine Lücke zwischen zwei bereits geschützten Abschnitten schließen – dem Obergermanisch-rätischen Limes sowie dem Hadrianswall und einem weiteren in Großbritannien. Mit einer Entscheidung über den Donaulimes kann möglicherweise am Freitag gerechnet werden.

          Da Ungarn kurzfristig aus dem gemeinsamen Antrag mit Deutschland, Österreich und der Slowakei ausgestiegen war, stand die Unesco vor einem „beispiellosen Fall“. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) wies darauf hin, dass ohne Ungarn rund 400 Kilometer des Donaulimes und damit mehr als die Hälfte der Grenze aus dem Antrag herausgenommen worden seien.

          Das Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

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