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Jüdische Identität : Vorsilbige Fragen

  • -Aktualisiert am

Sara Tal, die Miss Israel von 1956, trifft auf Miss Germany Marina Orschel. Bild: Jüdisches Museum Berlin, Foto Jens Ziehe

Das Jüdische Museum Berlin beantwortet im Stil der Sendung mit der Maus bis schwerverdaulich, was Sie immer schon über Juden wissen wollten.

          Es wird viel darüber geredet, was man sagen darf und was man nicht sagen darf, als dürfte man etwas nicht sagen. Dann wird gesagt, was gesagt werden muss, als ob die, die es wissen müssten, es nicht schon lange selber wüssten. Die Frage ist zum Beispiel, ob man als Deutscher Israel kritisieren darf. Als Antwort hängt in dieser Ausstellung ein Maulkorb für deutsche Schäferhunde. So sieht es nämlich aus, wenn man tatsächlich das Maul halten muss. Anders nämlich. Noch Fragen? Viele.

          Und dann geht es gutgelaunt weiter, auf der Suche nach der „ganzen Wahrheit“, dem, „was Sie schon immer über Juden wissen wollten“ im Jüdischen Museum Berlin. Tote Juden kennt man in Deutschland. Und Antisemitismus, da soll niemand kommen, der meint, er wisse darüber besser Bescheid als die Deutschen. Doch was ist mit dem Judentum, ohne Anti als Vorsilbe, das aus lebendigen Menschen besteht, nicht aus toten? Selten fragt man ohne Problemdruck danach, sonst würde man schnell merken, wie naiv die Fragen sind, die man hat, wie wenig man eigentlich weiß, auch wenn man den Nahostkonflikt schon drei Mal gelöst hätte.

          Kein klarer Gedanke mehr möglich

          Bei Themenkomplexen, die so durchmoralisiert und vollgemeint sind, das in ihrem Dunstkreis kein klarer Gedanke mehr atmen kann, helfen nur Naivität und Satire. So ist ein Text von Philip Meinhold, der einst in der „taz“ erschien, Teil der Ausstellung: „Der ewige Israeli: Zehn Tipps für einen israelkritischen Text“. Eigentlich eine Einführung in modernen Antisemitismus, vermeidet die Satire einfach den A-Wort-Vorwurf an die Angesprochenen, denn für Antisemitismus wurde die deutsche Messlatte vor einiger Zeit ziemlich hoch gehängt, gleichwohl es noch Abstufungen gibt zwischen Respekt und Holocaust. Zur Frage der Beschneidung erzählt Philip Roth, dass selbst seine weltlich gesinnten jüdischen Freunde die Frage verneinen, ob sie sich vorstellen können, einen unbeschnittenen Sohn zu haben, aber „erst nach jener netten, langen Pause, die sich jeder Rationalist vorbehält, ehe er sich für das Irrationale entscheidet“.

          Unter all den Fragen, die in dieser Ausstellung zum Teil beantwortet, zum Teil dem Besucher übergeben werden - von sendungmitdermausig bis wuchtiger Anstoß -, ist auch diese: Gibt es noch Juden in Deutschland? Es gibt einen lebenden Beweis: ein Jude in der Vitrine. Er heißt Ido, studiert in Berlin und will eigentlich schon eine Weile mit seiner Masterarbeit fertig sein. Er ist gespannt, was man ihn fragen wird. Und man nähert sich ihm mit Neugier und Staunen und einem komischen Gefühl ob dieser beiden Gefühle.

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