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Jubilare : Statt Blumen: Riefenstahl droht neuer Prozess

Getrübte Feierstimmung: Leni Riefenstahl (99) Bild: AP

Böse Geburtstags-Überraschung für Leni Riefenstahl: Ein Verein will die fast 100-Jährige vor Gericht bringen. Es geht um ihren Film „Tiefland“.

          Am 22. August feiert Leni Riefenstahl ihren 100. Geburtstag. Rund um diesen Termin wird das filmische Schaffen der umstrittensten Regisseurin der Welt ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wie nie zuvor, von ihren großen Tagen als Hitlers Lieblingsfilmerin einmal abgesehen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Arte präsentiert den neuen (!) Riefenstahl-Film „Impressionen unter Wasser“ sowie ihr Berg-Drama „Das blaue Licht“, während Premiere ihren Liebesfilm „Tiefland“ zeigt. Und ein weiteres Mal werden sich die Feuilletons ausgiebig der Frage widmen, ob es sich bei Riefenstahl um eine begnadete Künstlerin handelt, die ohne ihre verhängnisvolle Begegnung mit Hitler eine beispiellose Karriere gemacht hätte, oder um eine völlig überschätzte Figur, die ihren zweifelhaften Ruhm einzig ihrem skrupellosen Pakt mit dem Terror-Regime verdankt.

          Leni ins Gefängnis?

          Eine wenig erfreuliche Geburtstagsüberraschung möchte Riefenstahl nun der Kölner Verein Rom e.V. bereiten. Der gemeinnützige Verein zur Verständigung zwischen Sinti und Roma und Nicht-Roma hat an diesem Mittwoch angekündigt, juristische Schritte gegen die Jubilarin einzuleiten: Man wirft ihr vor, das Andenken an die ermordeten Holocaust-Opfer zu beschädigen. Für die Dreharbeiten zu ihrem letzten Film „Tiefland“ habe Riefenstahl von 1940 bis 1942 über 100 Sinti und Roma aus NS-Lagern rekrutiert, erklärte der Verein in Köln.

          Diese seien später in Konzentrationslager deportiert worden, viele von ihnen seien dort umgekommen. Riefenstahl habe behauptet, keinem der Sinti und Roma sei etwas passiert. Die Aussagen Riefenstahls könne Rom e.V. nach eingehenden historischen Recherchen widerlegen. Sollte sich Leni Riefenstahl mit stolzen 100 Jahren noch vor einem Gericht verantworten müssen? Droht ihr womöglich gar das Gefängnis?

          Letzteres wohl kaum. Dem Verein, so darf man mutmaßen, geht es weniger um eine juristische als um eine moralische Verurteilung der Riefenstahl, deren befürchteter Glorifizierung durch die Medien man präventiv etwas entgegensetzen und ihr auf diese Weise ein wenig die Geburtstagsfeier verderben möchte. So hat man für die Pressekonferenz schon das Erscheinen von Günter Wallraff und Ralph Giordano angekündigt, zwei Experten zwar nicht fürs Rechtswesen, aber für medienwirksame Entrüstung.

          Das Filmprojekt „Tiefland“

          Für „Tiefland“ hatte Riefenstahl Sinti und Roma aus dem Lager Maxglan bei Salzburg als Statisten eingesetzt haben. Schon 1948 musste sie sich vor Gericht wegen des Vorwurfs verantworten, die Sinti und Roma nicht entlohnt zu haben und von ihrer bevorstehenden Deportation gewusst zu haben. Riefenstahl wurde freigesprochen.

          1982 wurden die Vorwürfe rund um „Tiefland“ in einer Fernsehdokumentation des WDR erneuert; es kam wieder zu einem langwierigen Prozess. Riefenstahl gewann in mehreren Punkten, konnte die Behauptung aber nicht entkräften, die Statisten selbst ausgewählt zu haben. Mit welchen neuen Beweisstücken Rom e.V. den „Tiefland“-Rechtsstreit nun neu aufrollen will, wird man erst bei der Pressekonferenz erfahren - die, das lässt die Besetzung mit Wallraff und Giordano erahnen, einen Prozess samt Urteil wohl schon vorwegnehmen wird.

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