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Journalisten im Ukrainekrieg : Gezielte Tötungen

Krieg gegen kritische Medienschaffende: RSF-Geschäftsführer Christian Mihr stellt die Gefahren heraus, denen sich Journalisten bei der Berichterstattung in der Ukraine aussetzen. Bild: dpa

Während sich im deutschen Fernsehen Defätisten und Kriegsmüde ein Stelldichein geben, geht der russische Vernichtungskrieg in der Ukraine weiter. Reporter ohne Grenzen zählt die getöteten Journalisten.

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          In den Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender macht sich eine gewisse Kriegsmüdigkeit breit, die angeblich auch ein größerer Teil der Menschen in diesem Land teilt. Dabei sind es nicht die Deutschen, die um ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen, gegen die marodierende Armee eines Kriegsverbrechers, der die Vernichtung der Ukraine zum Ziel hat, sondern die Ukrainerinnen und Ukrainer.

          Doch über sie wird, angefangen bei dem offenen Brief aus der „Emma“ bis hin zu bizarren TV-Auftritten zuletzt im ZDF, hinweggesprochen und über „Verhandlungen“ mit Putin gefachsimpelt, als sei es selbstverständlich, dass sich die Ukrainer in ein Schicksal fügen, das Tod und Verderben bedeutet. In der SPD und dem sozialdemokratischen Personal in der Bundesregierung findet dies seinen politischen Ausdruck.

          „Krieg gegen kritische Medienschaffende“

          Da ist es ganz gut, wenn Organisationen wie „Reporter ohne Grenzen“ (RSF) nicht müde werden, darauf zu verweisen, was in der Ukraine geschieht. Inzwischen, so RSF, sei der achte Journalist im Ukrainekrieg getötet worden: Der französische Videoreporter Frédéric Leclerc-Imhoff kam auf dem Weg zu Dreharbeiten in der Ostukraine ums Leben. Geschosssplitter durchschlugen die Windschutzscheibe seines gepanzerten Fahrzeugs und verwundeten den Journalisten des Senders BFMTV tödlich. Sein Kollege Maxime Brandstaetter und die ukrainische Fixerin Oksana Leuta wurden leicht verletzt.

          „Der Tod von Frédéric Leclerc-Imhoff verdeutlicht einmal mehr, welchen enormen Gefahren unabhängige Journalistinnen und Journalisten während der Berichterstattung in der Ukraine ausgesetzt sind“, sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Die russische Armee führt einen gezielten Krieg gegen kritische Medienschaffende, um unabhängige Informationen aus dem Kriegsgebiet zu unterdrücken.“ Seit Beginn der russischen Invasion wurden, so RSF, in der Ukraine acht Medienschaffende getötet und 14 weitere verletzt. RSF hat beim Internationalen Strafgerichtshof fünf Strafanzeigen gegen Russland eingereicht.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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