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Journalist und Bestsellerautor : Peter Scholl-Latour ist tot

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Peter Scholl-Latour (1924 bis 2014) Bild: dpa

Mit „Tod im Reisfeld“ schrieb er eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Sachbücher: Nun ist der Journalist Peter Scholl-Latour im Alter von neunzig Jahren in Rhöndorf am Rhein verstorben.

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          Eines seiner letzten Bücher trug den Titel „Die Welt aus den Fugen“. Wie in zahlreichen seiner früheren Bücher über globale und regionale Konflikte unternahm es dieser unermüdliche Autor auch hier, gedankliche Ordnung in die „Wirren“ der Gegenwart zu bringen.

          Sein Publikum hat ihm dieses Bemühen mit großem Zuspruch gedankt. Nicht wenige seiner Bücher wurden zu Bestsellern. Sein bekanntestes erschien 1979: „Der Tod im Reisfeld“. Das Buch über die Indochina-Kriege erhielt nicht nur hohes Lob von der Kritik, sondern wurde mit 1,3 Millionen abgesetzten Exemplaren auch das bis dahin meistverkaufte deutschsprachige Sachbuch nach 1945.

          Peter Scholl-Latour 2011 auf der Frankfurter Buchmesse Bilderstrecke
          Peter Scholl-Latour gestorben : Peter Scholl-Latour gestorben

          Scholl-Latour arbeitete, nach einem Studium der Politologie in Mainz und Paris, seit 1950 als Journalist und berichtete in den folgenden Jahren von zahlreichen Konfliktherden in aller Welt. In die fünfziger Jahren fällt ein kurzes Intermezzo in der Politik, nämlich als saarländischer Regierungssprecher, bevor der Journalismus endgültig die Oberhand gewann.

          Ab Ende der fünfziger Jahre war er immer öfter in Afrika unterwegs, von wo er über die Prozesse der Dekolonisierung berichtete. In den sechziger Jahren baute er das neue ARD-Fernsehstudio in Paris auf. Von dort aus brachte er den Deutschen die französischen Nachbarn näher, auch mit einem Buch über Charles de Gaulle: „Im Sog des Generals“ (1966).

          Es folgten zwei Jahre als Direktor des Ersten Fernsehprogramms des WDR, dann der Wechsel zum ZDF als Pariser Chefkorrespondent. Zwischen 1975 und 1983 leitete Scholl-Latour schließlich  in der französischen Hauptstadt das ZDF-Studio, bevor er für vier Jahre in den Vorstand des Verlags Gruner + Jahr wechselte, wo er für die Fernsehaktivitäten des Konzerns zuständig war. Nach seinem Ausscheiden verlegte er sich ganz auf die Publizistik.

          Den Islam im Blick

          In den neunziger Jahren widmete sich Scholl-Latour dem aufstrebenden Islam und der in seinen Augen unübersehbaren Desintegration der nach 1945 etablierten Weltordnung. Das von ihm entworfene Bild des Islam blieb dabei nicht unwidersprochen. Seinen Erfolg als Publizist schmälerte diese Kritik nicht.

          Amerikas „Krieg gegen den Terror“ stand er skeptisch gegenüber, die deutschen Außenpolitiker ermunterte er, sich vom Prinzip der transatlantischen „Nibelungentreue“ zu befreien. In „Weltmacht im Treibsand“ (2004) setzte er sich mit der amerikanischen Politik nach den Anschlägen von 2001 auseinander, „Russland im Zangengriff“ (2006) analysierte die Spielräume von Putins Politik.

          Den „letzten Welterklärer“ nannte  „Der Spiegel“ Scholl-Latour einmal, der auch im hohen Alter als politischer Weltreisender und Autor höchst aktiv blieb. Manchen galt er bereits als Relikt, jedenfalls war er aber bereits zu Lebzeiten eine journalistische Legende. Oder wie Benjamin Henrichs einmal über ihn schrieb „eine zugleich reale und tief romantische Erscheinung“.

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