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Zum Tod von Joe Cocker : Sein Leben war ein Schrei

Joe Cocker 1944 - 2014 Bild: dpa

Wer den Namen hört, hört seine Stimme: Joe Cocker, der britische Soul- und Bluessänger, ist im Alter von siebzig Jahren gestorben. Seine jahrzehntelange Musikerkarriere erschien wie ein einziger Akt des Widerstands.

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          Wer den Namen hört und nur einen Song von ihm kennt, hat sogleich seine Reibeisenstimme im Ohr, sein zerquältes Gesicht vor Augen und die spezielle Art, sich auf der Bühne verquer zu bewegen. Joe Cocker, das ist kein Gesang, das ist ein Schrei. Dass er zumeist Coverversionen geschrien hat, von „With A Little Help From My Friends“ bis zu „Unchain My Heart“, spielt keine Rolle. Die Songs machte er sich zu eigen, es waren seine. Jetzt ist der britische Blues- und Soulsänger im Alter von siebzig Jahren gestorben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sein Auftritt beim Woodstock-Festival, vor nunmehr 45 Jahren, machte ihn legendär. Sein Erfolg machte ihm zu schaffen, Drogen setzten ihm zu, seine Tourneen in den siebziger Jahren gingen über seine Kräfte. Doch er überstand alle Krisen und kam zurück, in den achtziger und den neunziger Jahren. Seine Musikerkarriere erschien wie ein einziger Akt des Widerstands. Er war immer noch da und eroberte ein Publikum, das bald mehrere Generationen umfasste.

          Joe Cocker : Die Reibeisenstimme ist tot

          Geboren wurde John Robert Cocker am 20. Mai 1944 in Sheffield. Er lernte Gasinstallateur. Den Job hängte er allerdings 1963 an den Nagel, als er die Gruppe „Vance Arnold & The Avengers“ gründete. 1964 veröffentlichte er den Beatles-Song „I'll Cry Instead“ und verpasste ihm den Cocker-Sound. 1966 gründete er eine neue Formation, die „Grease Band“. Für eine Amerika-Tournee wurde die Formation „Mad Dogs & Englishmen“ aus dem Boden gestampft. Danach war erst einmal Pause, die Cocker dringend brauchte. Zehn Jahre lang gelang ihm, trotz einiger Versuche, kein wirklicher Erfolg. Der kehrte erst zurück, als er 1981 mit den „Crusaders“ eine Platte aufnahm. Die etwas süßliche Duett-Aufnahme mit Jennifer Warnes „Up Where We Belong“ stürmte die Charts, der Song passte zu dem Kinofilm „Ein Offizier und Gentleman“. Es folgten die Alben „Civilized Man“ und „One Night Of Sin“. 1989 war Joe Cocker abermals mit einem historischen Auftritt zur Stelle. Drei Tage nach dem Fall der Mauer spielte er beim ad hoc organisierten „Konzert für Berlin“. Und es zeigte sich, dass „With A Little Help From My Friends“ an Hymnen-Qualität nichts eingebüßt hatte.

          Joe Cocker, hier bei der Aufzeichnung der Goldenen Kamera im Februar 2013 in Berlin, galt als einer der Großen in der Musikszene Bilderstrecke
          Joe Cocker, hier bei der Aufzeichnung der Goldenen Kamera im Februar 2013 in Berlin, galt als einer der Großen in der Musikszene :

          In den Jahren darauf ging Joe Cocker wieder auf große Europa-Tour, bei seinen Konzerten in Deutschland zeigte sich, dass er gerade hier eine eingeschworene Fan-Gemeinde hatte. Und nun – für zwanzig Jahre - zeigte Joe Cocker das richtige Gespür für Timing, Maß und Mitte. Er ging auf Tournee, nahm Platten auf, zog sich zurück und – war wieder da. Im Juni 2007 zeichnete ihn Queen Elizabeth als „Officer of the British Emipre“ aus.

          Vor zwei Jahren kam Cockers letztes Album „Fire It Up“ auf den Markt. Eine der lässigsten Nummern, die er in den letzten Jahren aufnahm, dürfte wohl seine Version von Randy Newmans „You Can Leave your Hat On“ sein. Auch das war ein Ohrwurm, ein Lied, bei dem man Joe Cocker sofort im Gehörgang und seine Erscheinung im Sinn hat. „Ich muss alles durch meine Stimme transportieren“, sagte er einmal in einem Interview. „Ich drücke damit Emotionen aus - das ist alles was ich tue.“ Nichts anderes haben die Fans von ihm erwartet. Nichts anderes hat er ihnen fünfzig Jahre lang gegeben.

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