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Joachim Kaiser im Interview : „Ich habe nichts gegen Dackel“

  • Aktualisiert am

Kritiker seit 1950: Joachim Kaiser Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein Gespräch mit dem Kritiker Joachim Kaiser über Genie und Eitelkeit, Klavierspielen und Fahrradfahren, Adorno und Moshammer, die Macht der Kritiker und über München. Von Frank Schirrmacher.

          Ein Gespräch mit dem Kritiker Joachim Kaiser über Genie und Eitelkeit, Klavierspielen und Fahrradfahren, Adorno und Moshammer, die Macht der Kritiker und über München. Von Frank Schirrmacher.


          Was soll nun werden?


          Meinen Sie das politisch oder literarisch?


          Suchen Sie es sich aus.


          Ich bin politisch ziemlich verzagt. Mir scheint, daß die politische Klasse die Situation Deutschlands nach der Wahl wie ein mißlungenes Fußballendspiel betrachtet. Wo es nun eine Verlängerung gibt, was aber doch nicht so schlimm ist. Nach dem Motto: wollen doch mal sehen, wie es weitergeht. Während mich das Gefühl quält, die Nation sei auf lange Zeit hin in fürchterlicher Weise handlungsunfähig geworden. Und zwar beide Seiten, sowohl die CDU/CSU als auch die SPD.


          Was haben Sie denn gewählt?


          Muß ich das wirklich beantworten? Also: als Zweitstimme die FDP, weil ich dachte die CDU/CSU gewinnt sowieso sehr hoch, und als Erststimme eben diese. Weil ich finde, Schröder und die SPD - die ich früher einmal gewählt habe - hätten nun sieben Jahre ihre Chance gehabt. Und durch einen anfangs geradezu himmelschreienden Dilettantismus vertan. Jetzt müssen es die anderen probieren, zumal ich die Pläne des zweiundsechzigjährigen Heidelberger Theoretikers gar nicht so falsch fand.


          Der Heidelberger ist ja Professor wie Sie.


          Ich habe ihn einige Male erlebt, und er hat mich jedesmal überzeugt. Ich finde die stufenweise Gliederung der Steuersätze und vor allem den radikalen Abbau aller Steuervergünstigungen durchaus plausibel. Jeder braucht ja heutzutage einen Steuerberater und eine hilfreiche Sekretärin.


          Dann müssen Sie aber auch sehr viel verdienen.


          Es geht. Ich verdiene keineswegs sehr viel, aber ich tue es auf verwirrend verschiedene Art und Weise.


          Zahlt die „Süddeutsche“ genug?


          Das tut sie gewiß nicht, doch sie behandelt mich gut. Ich fahre einen Dienstwagen, und sitze in einem schönen Büro. Ich vertrete übrigens immer die Devise, daß man in seiner Position lieber ein bißchen zuwenig bekommen soll. Dann hat man die Chance und die Möglichkeiten, eigenwillig, souverän und ohne Angst zu arbeiten.


          Sie haben die Aufgabe, für den Brockhaus des Jahres 2100 den Eintrag „Joachim Kaiser“ zu verfassen. Was steht da drin?


          Muß ich nun rot werden? Also, vielleicht so: . . . bekannte sich zu seiner Subjektivität, nahm Interpreten und Interpretationen sehr ernst, schien auf eine konservative Weise interessiert daran, daß die Forderungen großer Texte oder Partituren erfüllt werden.


          Jorge Luis Borges hat einmal in einem ähnlichen Fall hinzugefügt: „. . . und hatte zeitlebens Angst aufzufliegen“. Können Sie das nachvollziehen?

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