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Jil Sander im Gespräch : Es gibt ein Jenseits der Mode

  • Aktualisiert am

Jil Sander im Jahr 1983 Bild: dpa

Jil Sander kehrt zu Jil Sander zurück: Die deutsche Designerin wird wieder die Firma leiten, die sie einst gegründet hat. Ein Interview, aus gegebenem Anlass.

          Als das Gerücht von Ihrer Rückkehr die Runde machte, wurde in der deutschen Presse gleich auf Ihr Alter hingewiesen. Bei Karl Lagerfeld, der ein Jahrzehnt älter als Sie ist, würde man das kaum wagen. Empfinden Sie so etwas als sexistisch?

          Absolut. Aber in meiner Generation haben wir früh angefangen. Ich hatte mit vierzig erreicht, was man bis dahin vielleicht mit fünfundfünfzig geschafft hatte. Heute geht es auch nicht mehr so sehr ums Alter; was die Menschen interessiert, ist, was einer tut. Und ich stehe in einem Lebensabschnitt, in dem Politiker erst für höhere Aufgaben reifen.

          Sie sind schon mit zwanzig als Mitarbeiterin der Modezeitschrift "Constanze" durch Ihren Eigensinn aufgefallen und haben mit der Erklärung verblüfft: "Ich will etwas bewegen."

          Ich wusste natürlich nicht, ob ich recht behalten würde. Aber ich erinnere mich an die Intensität, mit der ich meinen Weg gehen wollte. Wenn ich andere von meiner Vision überzeugen musste, konnte ich schon sehr radikal sein.

          Fürchten Sie nicht in stillen Momenten, dass die Aufgabe zu groß sein könnte? Sie haben die Firma vor acht Jahren verlassen.

          Es gibt schon eine Nüchternheit, denn die Herausforderung ist riesengroß. Aber ich habe der Mode ja nicht den Rücken gekehrt, ich habe für die japanische Firma Uniqlo die Linie +J entworfen.

          Im letzten Jahr erhielten Sie dafür den Preis des British Design Museum, und in Japan hat man Sie zum "Designer of the Year" gewählt. Wenn die +J-Kollektion in New York und London in die Läden kam, standen die Leute rund um den Block.

          Na, sehen Sie. Ich fühle mich jedenfalls mittendrin.

          Werden Sie stilistisch an dem Punkt anknüpfen, an dem Sie Jil Sander verlassen haben? Was Sie als Designerin ausmacht, ist ja, wenn man so sagen darf, die "Mission Moderne". Aber die ist im letzten Jahrzehnt weitgehend in den Retro-Trends verschwunden. Besteht noch eine Aussicht, dass die Menschheit sich zur modischen Avantgarde bekennt?

          Modern ist für mich eine Mode, in der das Individuum zu seinen Stärken findet. Und das ist eine Frage der Qualität im Design. Man braucht Schnitte, die kreativ und dynamisch genug sind, um dem lebendigen Körper eine Form zu geben, ohne ihn zu behindern. Ich meine Kleider, die den Zeitgeist als Energie in sich tragen. Wenn wir uns die Geschichte ansehen, dann war Mode vor allem durch Zwänge charakterisiert. Man muss gar nicht vom Vatermörder sprechen. Es gab für alle Bereiche des Lebens Uniformen, Arten, wie man sich zu kleiden hatte. Und für die Frau war die Verkleidung oft besonders schmerzhaft und diffamierend.

          Hat man sich inzwischen nicht daran gewöhnt, dass die Menschen es nicht bequem wollen? Sie wollen beim jüngsten Trend dabei sein.

          Das stimmt vielleicht für Events, wenn man sich einen Auftritt ausrechnet. Aber im Alltag ist man doch eher casual, weil das, was an Mode angeboten wird, oft zu kompliziert ist. Ich bin sicher, dass sich jeder von einer Mode überzeugen lässt, die ihm neben einem dynamischen Körpergefühl auch Ausstrahlung und Attraktivität verleiht. Wirklich moderne Eleganz wirkt sofort und erzeugt Achtung.

          Man hat Sie immer mit Avantgarde, mit dem Bauhaus-Stil und dem Minimalismus verbunden. Sie waren die Designerin, die sich auf zeitgenössische Phänomene in der Kunst berief. Woran orientieren Sie sich heute?

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