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Fußball im Fernsehen : Doppelpass mit Amazon

Vor wem jubeln die denn da? Die Dortmunder Borussen beim Geisterspiel. Bild: obs

Niemand darf ins Stadion, aber alle sollen vor dem Bildschirm hängen: Die Deutsche Fußball Liga macht aus der Corona-Krise das für sie Beste. Sie verkauft Senderechte an die ganz Großen.

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          Die Fußball-Bundesliga ist in ihre Corona-Abschlussrunde ohne Zuschauer im Stadion besser gestartet, als viele erwartet haben. An die neuen Platzverhältnisse mit einer Lärmkulisse wie in der Kreisliga will sich zwar niemand gewöhnen, aber anscheinend ist die Sportwelt trotzdem von diesem neuen made in Germany begeistert, sogar italienische Zeitungen kommen nicht umhin, den Anstoß zu loben.

          Dass der Spielbetrieb jederzeit pandemiebedingt abreißen kann, wird ausgeblendet. Auch zu dem angeblich befürchteten kleinen „Blackout“ kommt es nicht. Den hätte es bei den vierzig Bundesligaspielen geben können, an denen der Streamingdienst Dazn die Rechte erworben hat. Da Dazn aber nur über eine Sublizenz verfügt und der eigentliche Rechteinhaber Discovery/Eurosport seinen Vertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) gekündigt und dem Vernehmen nach die letzten Raten für die nun doch wieder laufende Saison nicht bezahlt hat, hing die Sache in der Luft.

          Die clever geführte DFL hat daraus allerdings das für sie Beste gemacht. Denn sie hat gleich zwei Abnehmer für das Vierzig-Spiele-Paket gefunden: Die Begegnungen, die freitags, sonntags und montags laufen, sind nun nicht nur bei Dazn, sondern auch bei Amazon Prime zu sehen. Am Freitag war dies das Berliner Stadtderby Hertha gegen Union, am Sonntag ist es die Partie Schalke gegen Augsburg.

          Für den Hauptspielbetrieb ist nach wie vor der Abosender Sky zuständig, der seine Bundesliga-Konferenz an diesem Samstag zum zweiten und letzten Mal frei empfangbar für alle Zuschauer zeigt.

          Mit den alten und neuen Senderechtträgern demonstriert der Ligaverband DFL selbst unter den Vorzeichen der Corona-Krise, um welch ein Riesengeschäft es sich hier handelt und wie naiv die Rufe nach frei empfangbarem „Fußball für alle“ sind, der bei den Öffentlich-Rechtlichen liefe und von allen Beitragszahlern finanziert werden müsste. Auch wenn niemand ins Stadion darf, verzichtet die Liga selbstverständlich nicht darauf, den maximalen Obolus einzustreichen. Dass Sky an zwei Wochenenden alle Fußballinteressierten reinschauen lässt, ändert daran nichts und ist nur ein Zeichen des guten Willens Richtung Politik.

          Tatsächlich aber zeigt sich auch im Fußball, wer unter der Krise nicht nur nicht leidet, sondern profitiert: Digitalgiganten wie Amazon, die beim gerade laufenden Wettbieten um die Senderechte an der Bundesliga für die kommenden vier Spielzeiten einen Sender wie Sky locker ausstechen können. Der Ball rollt – in ihre Richtung.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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